Zoo Wien / Eine Riesenqualle und ihr Geheimnis

Karen Kienberger beim Vermessen einer Riesenqualle in Spanien: Foto: Darius Enayati

Karen Kienberger beim Vermessen einer Riesenqualle in Spanien: Foto: Darius Enayati

Ihr Schirm hat einen Durchmesser von fast 70 Zentimetern, ihre schwarzen Mundarme werden über zwei Meter lang: Die Riesenqualle Rhizostoma luteum ist ein Wunderwesen und gibt Forschern große Rätsel auf. Einigen davon geht Meeresforscherin Karen Kienberger derzeit im Wiener Tiergarten Schönbrunn auf den Grund. „Über die Riesenqualle ist fast nichts bekannt. Viele Jahre zweifelte man sogar, ob es sie überhaupt gibt. Dabei kommen Riesenquallen sogar vor den Badestränden von Spanien und Marokko in unmittelbarer Nähe der Küste vor. Erst vor kurzem wurden in Andalusien unzählige Riesenquallen angespült. Das war natürlich eine große Sensation.“, erklärt die gebürtige Schweizerin, die ihr Doktorat am Institute of Marine Sciences of Andalusia (ICMAN-CSIC) in Südspanien macht.

Karen Kienberger bei ihren interessanten Forschungstätigkeiten ...

Karen Kienberger bei ihren interessanten Forschungstätigkeiten …

Vor der Küste Spaniens schnorchelt Kienberger beinahe täglich, sucht Riesenquallen, vermisst sie und dokumentiert alle Daten. Bei einem ihrer Tauchgänge hat sie vor zwei Jahren eine geschlechtsreife Riesenqualle aufgespürt und Larven an den Tiergarten übergeben, wo daraufhin die Welterstnachzucht geglückt ist. Nun ist sie hier, um fernab vom Meer an der Riesenqualle zu forschen. Karen Kienberger: „Der Tiergarten Schönbrunn ist die einzige Institution, in der Riesenquallen gezüchtet werden. Deshalb kann ich nur hier diese interessanten Tiere erforschen. Außerdem gibt es in Schönbrunn mehr als 60 Quallenarten und da schlägt das Herz einer Quallenforscherin natürlich höher.“

... im Wiener Tiergarten Schönbrunn. Beide Fotos: Daniel Zupanc

... im Wiener Tiergarten Schönbrunn. Beide Fotos: Daniel Zupanc

Im Keller des Aquarienhauses wurde ihr ein kleines Labor eingerichtet. Dort untersucht sie, wie sich unterschiedliche Temperaturen und Salzgehalte auf die Entwicklung der Riesenquallen auswirken. Mit Taschenlampe, Lupe und Mikroskop beobachtet sie das Wachstum der anfangs weniger als einen Millimeter großen Polypen. Das Thema der Forschungsarbeit ist brandaktuell. Denn eine Frage beschäftigt die Experten weltweit: Werden sich Quallen massenhaft ausbreiten, wenn sich die Meere erwärmen? Bis Ende Oktober dauern die Forschungstätigkeiten, die vom Tiergarten Schönbrunn und von Schweizer Rotary Clubs finanziert werden, noch an. Dann werden die Ergebnisse wissenschaftlich publiziert und die Riesenqualle wird einmal mehr für Aufsehen sorgen.

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