Wilhelm „Willi“ Kreuz / Zum 70. Geburtstag

Willi Kreuz im Sommer 1979 im Dress des SK VÖEST Linz. Foto: oepb

Willi Kreuz im Sommer 1979 im Dress des SK VÖEST Linz. Foto: oepb

Er war einer der besten Fußballspieler der Nachkriegsgeschichte in Österreich. Bis auf die Position eines Torhüters war er universell einsetzbar. Begann seine Laufbahn im Sturm, so zog es ihn im Laufe seiner Karriere ins Mittelfeld, ehe er zum Laufbahn-Ende hin auch noch die Libero-Position bekleidete. Gemeint ist Wilhelm „Willi“ Kreuz, einer der Helden der legendären Österreichischen Fußballnationalmannschaft, die nach einer zwanzigjährigen Abstinenz 1978 anlässlich der Weltmeisterschaft in Argentinien den respektablen siebten Platz belegte. Nun ist Willy Kreuz 70 Jahre jung. Unsere allerherzlichsten Glückwunsche dazu, denn agil und frisch sieht der Ex-Internationale, Ex-Trainer, Ex-Trafikant und nunmehrige Pensionist nach wie vor aus.

Anpfiff in Kaisermühlen

Willi Kreuz kam am 29. Mai 1949 in Wien als eines von 9 Kindern zur Welt. Gerade diese schwere Zeit der Nachkriegsgeneration brachte es mit sich, dass „Schmalhans Küchenmeister” war und die jüngeren Geschwister beispielsweise das Gewand und die Schuhe der Älteren übertragen bekommen hatten. Dennoch hungerte die Familie nicht, wenngleich sie auch nicht gerade vermögend war. Aber der Willi war stolz darauf, wenn er etwas tragen durfte, das zuvor einem älteren und größeren Bruder gehört hatte. Bereits zu jener Zeit, als der kleine Willi Lesen und Schreiben lernte, übte der Fußballsport eine magische Anziehungskraft auf ihn aus. Mit 7 Jahren dann der erste Kontakt zu einem Verein, zum SV Donau aus Wien-Kaisermühlen. Dort traf er damals auf seine späteren Mitstreiter Ferdinand Milanovich (Spieler, Trainer und Manager beim SK VÖEST Linz) und Robert Sara (ÖFB-Teamkapitän und Urgestein beim FK Austria Wien). Der SV Donau war ein Verein, der immer wieder Talente hervorgebrachte, jedoch nie mehr sein konnte, als der Blickpunkt lokal begrenzter Anhängerschaft. Auch seine Brüder kickten bei Donau und so wurde der Willi 1956 Donauerianer. Mit großen Augen sah er seinen Brüdern zu, wie diese den Ball führten. Für ihn waren sie die besten Kicker der Welt. Nie würde er das können, was sie konnten. Er war der kleinste und schwächste von ihnen und wenn sie ihn zum Spiel mitnahmen, dann wohl eher auch aus Mitleid mit dem Kleinen, der so gerne ein großer Fußballer geworden wäre …

SV Donau-Jugend 1961: Willi Kreuz als 12jähriger vorne links hockend, daneben Robert Sara. Stehend ganz rechts: Hans Orsolics, daneben Ferdinand Milanovich.

SV Donau-Jugend 1961: Willi Kreuz als 12jähriger vorne links hockend, daneben Robert Sara. Stehend ganz rechts: Hans Orsolics, daneben Ferdinand Milanovich.

Von Kaisermühlen nach Jedlesee

1961 holte ihn der SK Admira Wien in eine seiner Nachwuchsmannschaften. Admira aus Floridsdorf war eine große Adresse im Fußballsport hierzulande gewesen und oft wurde über deren sportliche Ruhmestaten im In- und Ausland gesprochen. Auch viele berühmte Spieler gab es bei Admira. Selbst an eine große Karriere dachte Teenager Willi damals freilich noch nicht, wenngleich er schon das Ziel verfolgte, erfolgreich Fußball spielen zu können. Mit 16 Jahren unterschrieb er seinen ersten Profi-Vertrag. Den erlernten Beruf eines Malers und Anstreichers übte er von nun an nicht mehr aus, er wollte sich ganz und gar dem Fußball-Sport widmen. Als er zum ersten Training der Kampfmannschaft kam, war er sehr eingeschüchtert. Seine Mitspieler duzten ihn, er wiederum sprach alle per „Sie“ an. Admira bot ihm einen Vertrag für zwei Jahre. 500 Schilling (EUR 36,34) Fixum im Monat, 800 Schilling (EUR 58,14) für den Sieg. Für ihn war das eine Menge Geld, denn er wohnte ja auch noch im Elternhaus. Sein Debüt in der Admira-Kampfmannschaft gab er am 27. November 1966 17jährig. 2.500 Besucher waren Augenzeugen am Admira-Platz, als er, der Jung-Spund und Debütant, in der 47. Minute das 2 : 0 gegen den Kapfenberger SV beim 3 : 0-Sieg erzielte.

Mit knapp 20 zum ÖFB-Debüt

Seinen Einstand in der Österreichischen Fußballnationalmannschaft gab Willi Kreuz am 19. April 1969. Beim 2 : 1-Sieg der ÖFB-Auswahl in Nikosia auf Zypern scorte er das 1 : 0. Somit gelang ihm, dem Debütanten, erneut sein Einstands-Tor. 147 Bundesliga-Spiele und 69 erzielte Tore für Admira, darunter 1970/71 Torschützenkönig mit 26 Volltreffern in 28 Spielen später, nahm er 1972 ein Angebot von Sparta Rotterdam an und wechselte nach Holland.

Mannschaftsfoto Feyenoord Rotterdam 1976/77. Willy Kreuz sitzend der Dritte von links.

Mannschaftsfoto Feyenoord Rotterdam 1976/77. Willy Kreuz sitzend der Dritte von links.

Erfolgreiche Jahre in den Niederlanden

Sparta bot dem Jung-Verheirateten Geld und Wohnung und auch für Admira gab es eine schöne Stange Ablösesumme. Holland war Europas aufstrebendes und am schärfsten kalkulierendes Fußball-Land. Dort lernte er aber auch, dass der Fußballsport nicht nur angenehme Seiten mit sich bringt. Man musste auf viel verzichten und sehr hart an sich arbeiten. Gerade den Legionären blickte man oftmals zu genau auf die strammen Wadeln. In diese Zeit fiel auch sein Kontakt und die spätere Freundschaft zu Johan Cruyff, der damals für Ajax Amsterdam stürmte. Cruyff war einer der besten Stürmer weltweit. Sparta galt als seriöser Mittelständler in der holländischen Eredivisie, Kreuz belegte in seinem ersten Jahr den 4. Platz. Im Jahr darauf, 1974, wechselte er zum Lokalrivalen Feyenoord Rotterdam, die gerade erst Meister geworden waren. Feyenoord stellte ihm zwar keine Wohnung zur Verfügung, aber er verdiente so gut, dass er sich im so genannten „Feyenoord-Dorf“ außerhalb der Stadt ein Einfamilienhaus kaufen konnte. Bis 1978 war Willi Kreuz für Feyenoord aktiv und wurde 1975 und 1976 Vize-Meister. Für ihn waren es wundervolle Jahre, dennoch keimte irgendwann Heimweh auf. Zuerst verstarb seine Mutter, zwei Jahre darauf der Vater. Seine spärlichen Heimatbesuche waren auf Beerdigungen und Länderspiele beschränkt, dies wollte er ändern. Weiters kam seine Tochter Alexandra ins Schulalter und ihm wäre es lieb gewesen, wenn sie in eine deutschsprachige Schule gehen würde. Die jüngere Tochter Olivia hatte bis zur Schulpflicht noch etwas Zeit.

21.000 Besucher verfolgen im Herbst 1979 das Derby VÖEST vs. LASK. Die VÖEST´ler Herbert Stahl und Willy Kreuz gegen Miroslav Vukasinovic vom LASK.

21.000 Besucher verfolgen im Herbst 1979 das Derby VÖEST vs. LASK. Die VÖEST´ler Herbert Stahl und Willi Kreuz gegen Miroslav Vukasinovic vom LASK. Foto: oepb

Aus Cordoba via Wien-Schwechat direkt nach Linz

In diese Zeit der Wechselüberlegungen hinein fiel die Fußball-Weltmeisterschaft 1978 in Argentinien. Österreich qualifizierte sich nach 20 Jahren wieder für solch ein Großereignis. Und nach Siegen gegen Spanien (2 : 1) und Schweden (1 : 0) stand man nach einem 0 : 1 gegen Brasilien als Gruppen-Sieger in der Zwischenrunde. Dort verlor man zwar gegen Italien mit 0 : 1 und Ernst Happel´s Holländer gar mit 1 : 5, doch nach dem 3 : 2-Sieg gegen Deutschland in Cordoba und der Sternstunde Hans Krankl´s kehrte Österreich als Siebenter von diesem Großereignis aus Südamerika nach Hause zurück. In Wien-Schwechat stand nach der Ankunft der Mannschaft Trainer Ferdinand Milanovich am Flughafen quasi „Gewehr bei Fuß“ und empfing seinen alten Mitstreiter aus gemeinsamen Tagen beim SV Donau Wien. Der SK VÖEST wollte in Linz die Gunst der Stunde nützen, um die klare Nummer 1 in der Stahlstadt an der Donau zu werden. Der Rivale LASK war eben in die 2. Liga abgestiegen. Willi Kreuz sollte das Zugpferd der jungen VÖEST-Mannschaft werden und die Funktionäre der Werkssportler wollten ihn unbedingt verpflichten. Es kursierte damals auch jenes Gerücht, dass sich folgendes abgespielt haben soll, als der SK VÖEST bei Willi Kreuz anrief:

Maria Kreuz (schier aus dem Häuschen): „Willi, Willi, Linz ist am Telefon!”

Willi Kreuz: „Der LASK? Frag, was sie wollen.”

Maria Kreuz: „Nein, die anderen, die von VÖEST. Sie wollen, dass Du nach Linz kommst, Fußball spielen.”

Willi Kreuz: „Ach so? Gut, frag, was sie zahlen.”

Maria Kreuz: „Sie sagen, nenne eine Summe, der Vertrag liegt ohnehin blanko bereit …”

Und so wechselte der 29jährige Willi Kreuz nach sechs Jahren Legionärs-Dasein in Holland im Sommer 1978 nach Österreich zurück, der SK VÖEST Linz war seine neue sportliche Heimat geworden.

Zwei Kaisermühlner beim SK VÖEST in Linz wieder vereint. Manager Ferdinand Milanovich und Trainer Willy Kreuz in der Spielzeit 1988/89.

Zwei Kaisermühlner beim SK VÖEST in Linz wieder vereint. Manager Ferdinand Milanovich und Trainer Willi Kreuz in der Spielzeit 1988/89. Foto: oepb

Publikums-Liebling von Anfang an

Und er war der gesuchte – und gefundene – Leithammel der SK VÖEST-Funktionäre. In seinem Sog wurden Reinhold Hintermaier, Hans-Dieter Mirnegg, Max Hagmayr und Helmut Wartinger Team-Spieler. In der Zeit zwischen 1978 und 1980 gab es mehrere Länderspiele mit drei VÖEST-Fußballern in der Anfangsformation. In der nationalen Meisterschaft war der SK VÖEST Publikumsmagnet. Bei strömendem Regen – das Linzer Stadion hatte damals kein Dach am Stehplatz – kamen beispielsweise gegen Austria Salzburg 18.000 Besucher.

Gegen den FK Austria Wien war die Gugl mit 25.000 Zuschauern ausverkauft. Und auch in Wien war man wer. Anlässlich einer Doppelveranstaltung im Praterstadion im September 1978 lautete das Vorspiel Austria vs. Sportklub (3 : 1 vor 15.000 Besuchern). Zum Hauptspiel lud die Vienna gegen den SK VÖEST (1 : 0 vor 17.000 Zuschauern). In diesem Jahr wurde der SK VÖEST mit Willi Kreuz Fünfter, im Jahr darauf holte man hinter Austria Wien die Vize-Meisterschaft und wurde Zweiter noch vor dem LASK, der wiederum in die höchste Spielklasse zurückgekehrt war. Die Stadt-Derbys gegen den alten Rivalen waren wahre Straßen-Feger und die Linzer Gugl platze oftmals aus allen Nähten.

Große Freude beim Wiedersehen: Johann Rinner und Willy Kreuz 2008 im Linzer Schloss. Foto: Michael Hummer

Große Freude beim Wiedersehen: VÖEST-Obmann Johann Rinner und Willi Kreuz im Jahre 2008 im Linzer Schloss. Foto: Michael Hummer

Riss der Achillessehne

Im September 1980 dann der Rückschlag. Bei einem Meisterschaftsspiel im damaligen West-Stadion gegen RAPID riss die Achillessehne. Eine schwerwiegende Verletzung in der Karriere des Willi Kreuz. Sehr mühsam und langsam kämpfte er sich zurück, wenngleich ihn auch ÖFB-Teamchef Karl Stotz aufmunterte, dass er seinen Team-Kapitän nicht fallen lassen würde. Im März 1981 gegen Austria Salzburg gab er sein Comeback im Dress des SK VÖEST und wurde langsam wieder der Alte. Als Österreich ím Juni 1981 das WM-Qualifikations-Spiel gegen Finnland (5 : 1) in Linz austrug, streifte er zum letzten Mal den Teamdress über. Tosender Applaus brandete unter den 26.000 Besuchern auf, als er nach 81 Minuten für den zweifachen Torschützen in diesem Spiel, Herbert Prohaska, auf das Feld kam. Willi Kreuz absolvierte 56 Länderspiele und erzielte dabei 11 Tore für Österreich. Am 22. Mai 1982 dann sein letzter großer Auftritt beim SK VÖEST. Die Werksportler schlugen RAPID, die am Weg zum Gewinn der Meisterschaft waren, mit 1 : 0. Libero Willi Kreuz und die gesamte VÖEST-Mannschaft bot eine tadellose Leistung. „Ich bin gerne hier in Linz.“, sprach er nach dem Spiel ORF-Mann Manfred Payrhuber ins Mikrophon. Und dennoch war es sein letzter Auftritt nach 112 Spielen und 37 Toren in Linz gewesen. Der SK VÖEST verjüngte das Team und gab Willi Kreuz zum SC Eisenstadt ab. Für die Burgenländer absolvierte er jedoch nur mehr 3 Bundesliga-Spiele. Am 25. September 1982 beendete Willi Kreuz beim 2 : 3 im heimischen Lindenstadion gegen Austria Klagenfurt seine Karriere, nach 262 Bundesliga-Spielen und dabei 106 erzielten Toren.

Vom Spielfeld auf die Betreuer-Bank

Was nun folgte war die Zeit der Trainer-Tätigkeit. Viele Jahre hindurch war er als Spieler-Trainer in Untersiebenbrunn aktiv, ehe er in den Betreuer-Stab bei Admira/Wacker kam. Im Jänner 1987 gewann er mit den Südstädtern das traditionelle Wiener Stadthallenturnier. Dies war insofern bemerkenswert, da die Wiener Austria zuvor neunmal in Serie Turniersieger gewesen war. Im September 1988 kehrte Willi Kreuz erneut nach Linz zurück, als Trainer des SK VÖEST. Mit den Linzern gewann er 1989 das so genannte „Abstiegs-Play-Off” in der 2. Division und qualifizierte sich im Jahr darauf für die Aufstiegsrunde zur 1. Division, dennoch setzte man ihn im April 1990 vor die Tür. Im Juni 1991 dann der große Coup als Trainer – er gewann mit Zweitligist SV Stockerau im Praterstadion den ÖFB-Cup gegen RAPID Wien mit 2 : 1. Auch die beiden Europa-Pokal-Auftritte gegen Tottenham Hotspurs waren á la bonheur, verkauften sich die Stockerauer doch sehr teuer und verloren zweimal denkbar knapp mit 0 : 1.

Der Willy Kreuz-Schaukasten im Linzer Schlossmuseum 2008. Foto: Michael Hummer

Der Willi Kreuz-Schaukasten im Linzer Schlossmuseum 2008. Foto: Michael Hummer

Trafikant in Alt-Erlaa

Später betrieb Willi Kreuz im Wohnpark Alt-Erlaa zu Wien-Liesing eine Trafik, die nun seine zweite Gattin führt. Nach weiteren Trainerstationen beim VSE St. Pölten, dem ASK Bad Vöslau und zuletzt dem ASK Klingenbach ist es mit dem aktiven Fußballport bei Willi Kreuz nun vorbei. Er ist zufrieden mit dem Erreichten und seinem Leben. Er ist bescheiden geblieben und dankbar dafür, was ihm Gutes widerfahren ist. Und doch blieb ihm ein großer Wunsch unerfüllt – er wäre gerne bei Austria Wien untergekommen. Egal ob als Spieler oder später als Trainer. Dieser Verein stand ihm seit jeher nahe und dennoch war er nie für die Veilchen aktiv …

 

Erinnerungen an eine Karriere

Wenngleich Willi Kreuz Holland bereits vor über 40 Jahren wieder verlassen hat, so trifft man heute noch in Rotterdam auf Fans beider Lager, die sich sehr gut an ihn erinnern. Anhand der Nachfrage, ob man denn noch den Österreicher Willi Kreuz kenne, erntet man stets Beifall und freundschaftliche Gesten. Und auch in Linz hat Willi Kreuz heute noch zahlreiche Freunde und Anhänger, die allerdings mit ihm, wenn man so will, ebenso in die Jahre gekommen sind. Nichtsdestotrotz zählt er, der Willi, der von ganz unten kam um ein großer Fußballspieler zu werden, zu den erfreulichen Erinnerungen des Fußballsports in Österreich. Er und seine Generation haben Spuren hinterlassen. Spuren, die heute noch allgegenwärtig sind.

Quelle: oepb

www.bundesliga.at

www.oefb.at

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