VÖTB Forum 2018 / Quo vadis Trockenbau

Die topmoderne ÖAMTC-Zentrale beeindruckte die zahlreichen Teilnehmer des 4. VÖTB Forums. Foto: Michael Hetzmannseder

Die topmoderne ÖAMTC-Zentrale beeindruckte die zahlreichen Teilnehmer des 4.VÖTB Forums. Foto: Michael Hetzmannseder

Dieser brennenden Frage widmete sich dieses Jahr das vierte VÖTB Forum. Am 15. November 2018 diskutierten brancheninterne und -externe Experten in der topmodernen ÖAMTC Zentrale über die Zukunft des Trockenbaus. Im Mittelpunkt standen dabei aktuelle und bevorstehende Herausforderungen der Branche für Unternehmen und Mitarbeitende, sowie interessante Zugänge unterschiedlichster Vortragender.

Ob Lehrlinge oder bereits ausgebildete Fachkräfte, Unternehmen klagen über einen extremen Mangel an geeigneten Mitarbeitenden. Genau deshalb wählte der Verband der Österreichischen Stuckateur- und Trockenbauunternehmungen dieses Thema als Schwerpunkt des diesjährigen VÖTB Forum. Der Branchentreff wurde mit Moderator Heimo Rollet und Verbands-Präsident Gregor Todt begrüßt, der gleich zu Beginn einen entscheidenden Punkt ansprach: „Der Trockenbau ist das Schlüsselgewerk im Hochbau. Alle Schnittstellenproblematiken laufen beim Trockenbauer zusammen, er sichert Brand- und Schallschutz und hat damit große Verantwortung.“ Gregor Todt betonte zudem, dass die wichtige Bedeutung dieser Aufgaben vom Handwerk selbst in der Vergangenheit zu wenig beachtet und nicht nachhaltig bestärkt wurde. Aus diesem Grund kümmere sich der VÖTB mit seinen Initiativen um den stetigen Image-Ausbau des Berufs. Eine davon ist das VÖTB Forum, das dieses Jahr wieder für regen Austausch in der Branche sorgte.

Das 4. VÖTB Forum war auch dieses Jahr wieder sehr gut besucht. Foto: Michael Hetzmannseder

Das 4. VÖTB Forum war auch dieses Jahr wieder sehr gut besucht. Foto: Michael Hetzmannseder

Auf Unerwartetes vorbereitet sein

Über die Zukunft der Bildung im Zeitalter der Digitalisierung philosophierte Univ. Prof. Dr. Konrad Paul Liessmann in seiner Eröffnungs-Keynote. Der Professor für Methoden der Vermittlung von Philosophie und Ethik an der Universität Wien ließ zunächst die Entwicklungen von der Dampfmaschine als Beispiel für Industrie 1.0 bis hin zur umfassenden Automatisierung 4.0 Revue passieren. Dass die Digitalisierung nicht nur klassische Handwerksberufe bedroht, zeigen Entwicklungen, die selbst hochpräzise chirurgische Aufgaben und Pflegeaufgaben in Zukunft übernehmen können. Er wies unter anderem auf eine Studie der Oxford University hin, die prognostiziert, dass in 10 bis 15 Jahren bis zu 40 Prozent der gegenwärtigen Berufe verschwinden. Solche Studien seien zwar mit Vorsicht zu genießen, aber die Entwicklungen dürfe man trotzdem nicht ignorieren. Liessmann betonte, dass Bildung über berufsorientierte Bildung hinausgehen müsse. Junge Menschen müssten so ausgebildet werden, dass sie auf Unerwartetes vorbereiten sind und kompetent mit den Problemen der Digitalisierung umgehen können.

Bauen 2025

Welche Trends, Veränderungen, Chancen und Risken auf die Bauwirtschaft in Zukunft zukommen werden, verrieten Zukunftsforscher und Innovationsexperte Mag. Michael Dell und DI Claus Stadler, Generalbevollmächtigter der UBM Development AG. Stadler stellte fest, dass die klassische Baubranche von einer traditionellen Kultur geprägt sei und sie viel mutiger sein könnte. Denn die Baubranche befindet sich im ständigen Wandel: Amazon steigt ins Immobiliengeschäft ein, Google kauft Nest. In Zukunft wird die Blockchain-Technologie die Dokumentation erleichtern und die Vorgänge transparenter machen. Zum Abschluss riet er den Teilnehmern: „Werden Sie Teil des Veränderungsprozesses, weil passieren wird er trotzdem.“

Beim 4. VÖTB Forum 2018 standen aktuelle und bevorstehende Herausforderungen der Branche für Unternehmen und Mitarbeiter, sowie deren Zugänge brancheninterner und -externer Experten im Mittelpunkt. Foto: Michael Hetzmannseder

Beim 4. VÖTB Forum 2018 standen aktuelle und bevorstehende Herausforderungen der Branche für Unternehmen und Mitarbeiter, sowie deren Zugänge
brancheninterner und -externer Experten im Mittelpunkt. Foto: Michael Hetzmannseder

Dell zeigte Beispiele aus der ganzen Welt auf, die unsere Zukunft maßgeblich verändern werden. Er betonte, dass BIM – Building Information Modeling – zwar der Stand der Technik sei, aber es trotzdem keiner verwende. Bedankt man, dass es in Skandinavien bereits fast jeder benutzt und 2020 etwa in Deutschland BIM bei Projekten mit öffentlichen Geldern Pflicht werden soll, wird man sich in Zukunft diesem Trend nicht entziehen können. Das Bedürfnis nach leistbarem Wohnen, der Trend zu nutzen und teilen statt besitzen, selbstfahrende Autos, all das wird unser Leben verändern und damit auch die Anforderungen an die Baubranche.

Nachwuchs finden, fördern und fordern

Mag. Victoria Engelhardt von der Abteilung Personalentwicklung Filialorganisation – Lehrlingsausbildung bei SPAR veranschaulichte, wie sehr sich Berufsbildung verändert hat und sich ständig im Wandel befindet. Heute nutzen die Lehrlinge bei SPAR Online-Plattformen, profitieren von Zusatzausbildungen und lernen durch Praxisseminare die Fähigkeiten für eine erfolgreiche Karriere. Durch die Digitalisierung werden Ausbildungspläne aktualisiert, E-Learning Inhalte adaptiert bzw. neu erstellt. Ein Ausbildungsplan sowie Lehrlingsseminare helfen den Jugendlichen bei der Orientierung durch die verschiedenen Stationen bis hin zu ihrer Lehrabschlussprüfung. Es gibt sogar eigene Berufsschulseminare mit ausschließlich SPAR-Lehrlingen mit Praxisseminaren und Persönlichkeitstraining. Eine E-Learning-Plattform soll die Lehrlinge unterstützen und Anreize fürs Lernen schaffen. Auch Prämien und Benefits für gute Zeugnisse sollen die Ausbildung bei SPAR attraktiv machen. Um potentielle Lehrlinge zu finden, sucht SPAR auch den Kontakt zu den Eltern und Lehrkräften. Dabei setzt die Handelskette auf Berufsmessen, Printmedien, Facebook, TV-/Radio-/LKW-Werbung, sowie Kooperationen mit Schulen und Jobtours. Um die Jugendlichen gezielt anzusprechen ist SPAR auf Whatsapp, Social-Media-Kanälen und Youtube präsent und bietet Möglichkeiten zum Schnuppern an. Dies hilft sowohl dem Unternehmen als auch dem Jugendlichen herauszufinden, ob der Beruf und das Unternehmen zu einem passen. Auch Berufsvideos mit echten Lehrlingen als Protagonisten sollen andere Gleichaltrige ansprechen und so authentisch und attraktiv auf die richtige Zielgruppe wirken.

Mehr Frauen in die Bauwirtschaft

Das Thema Frauen in der Bauwirtschaft haben Lisa Tobler, Stuckateurin und Trockenausbauerin bei der STRABAG und STRABAG-Vorstandsmitglied Mag. Ing. Manfred Rosenauer in den Mittelpunkt gerückt. Rosenauer betonte, dass unter anderem der Fachkräftemangel erfordert, dass der Sektor in Zukunft stärker als bisher auf die Arbeitskraft von Frauen setzt. Wenn es gelingt, mehr Frauen für eine berufliche Tätigkeit im Bauwesen zu begeistern, wird damit auch die Basis für eine höhere Repräsentation von Frauen in den Führungsgremien gelegt. Aus Unternehmenssicht gibt es laut STRABAG dazu drei Hebel: Gezieltes Marketing im Hochschulbereich aber auch schon früher durch Initiativen wie den Girls’ Day. Beim Thema Vereinbarkeit von Karriere und Familie gilt es, Flexibilität zu bieten, wenn man als Arbeitgeber Flexibilität fordert.

Das Forum bot viel Gesprächsstoff - von Digitalisierung, über Lehrlinge, bis hin zu Frauen in der Bauwirtschaft, sowie den Fachkräftemangel. Foto: Michael Hetzmannseder

Das Forum bot viel Gesprächsstoff – von Digitalisierung, über Lehrlinge, bis hin zu Frauen in der Bauwirtschaft, sowie den Fachkräftemangel. Foto: Michael Hetzmannseder

2017 zählte die Wirtschaftskammer unter allen Trockenbau-Lehrlingen einen ernüchternden Frauenanteil von 1,9 Prozent. Eine davon ist Lisa Tobler. Sie bewarb sich bei unterschiedlichen Unternehmen und erhielt ausschließlich von der STRABAG eine Rückmeldung. 2013 startete sie dort ihre Lehre zur Stuckateurin/Trockenausbauerin, derzeit arbeitet sie als Bautechnikerin bei der STRABAG und hat schon drei von fünf Modulen der Meisterprüfung absolviert. Tobler wurde gefördert, nahm an Wettbewerben teil und erzielte dabei tolle Erfolge. Zwar sei es anfangs ungewöhnlich gewesen, mit vielen Männern auf der Baustelle zu arbeiten, aber sie habe nie schlechte Erfahrungen gemacht. Für sie gibt es kein Hindernis, den Beruf als Frau nicht zu erlernen.

Stärken der Generationen

Trocknet der Trockenbau aus? Diese Frage stellte Mag. Kurt König, Director Human Resources Doka und Member of the Management Board. Als große langfristige Herausforderung sieht er die Ansprüche der neuen Mitarbeitergeneration. Diese Bedürfnisse präsentierte er in einem unterhaltsamen Vergleich der unterschiedlichen Generationen von Babyboomern, Generation X, Y und Z. So verschieden jede Generation ist, jede hat ihre Stärken. Deshalb gilt es, diese gegenseitig zu ergänzen. Um Gegensätzlichkeiten zu Erfolg zu machen, schlägt König Generationen-Workshops vor, um gemeinsame Werte zu definieren. Damit soll die Aufmerksamkeit für die unterschiedlichen Bedürfnisse der einzelnen Generationen geweckt werden. Die Wertschätzung der Generationen dient als Basis einer produktiven Zusammenarbeit. Neben den Workshops gibt es auch Tandem- und Mentoring-Modelle. Für den Mentor besteht die Aufgabe darin, sein Erfahrungswissen zu kommunizieren, vorzuzeigen und vorzuleben und damit verfügbar zu machen. Umgekehrt werden aber auch junge Mitarbeiter eingesetzt um etwa technische Neuerungen älteren Kollegen zu veranschaulichen.

Bei der an- und abschließenden Führung durch die ÖAMTC-Zentrale beeindruckte bereits das Stiegenhaus mit Lichtinstallationen und digitalen Screens. Foto: Michael Hetzmannseder

Bei der an- und abschließenden Führung durch die ÖAMTC-Zentrale beeindruckte bereits das Stiegenhaus mit Lichtinstallationen und digitalen Screens. Foto:
Michael Hetzmannseder

„Sieg und Niederlage“

Wissenswertes über militärische Erfahrungen und ihre Nutzung im modernen Wirtschaftsleben erfuhren die Teilnehmenden in der Keynote von Dr. M. Christian Ortner, Direktor Heeresgeschichtliches Museum. Ortner gab einen unterhaltsamen Einblick in interessante Schlachten und die Hintergründe, die zu Sieg oder Niederlage führten. Zuletzt fragte er: „Können aus der (österreichischen) Militärgeschichte „zivile“ Erfahrungen gewonnen werden?“ Ja, wenn bestimmte Rahmenbedingungen stimmen. Dazu gehört die richtige Perspektive zu wählen, die Probleme richtig zu erkennen, eine zeitgemäße Beurteilung der Verhältnisse anzuwenden und Verklärungen und Mythenbildungen zu vermeiden.

Nach diesem abwechslungsreichen Vortragsprogramm nahmen zahlreiche Interessenten an einer Führung durch das beeindruckende ÖAMTC-Gebäude statt. Im Anschluss daran ließen die Teilnehmer diesen erfahrungsreichen und hochinteressanten Tag bei einem gemeinsamen gemütlichen Abendessen ausklingen.

Quelle: ikp

https://voetb.at

 

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