Unvollendet / Fussball-Weltstars ohne WM-Spiel

George Best (Bildmitte, am Mikrophon) wurde nach seiner Karriere gerne eingeladen, um den Fußballsport zu erklären. Hier anhand einer Jubiläumsfeier von ASKÖ Donau Linz im Jahre 1977. Foto: oepb

George Best (Bildmitte, am Mikrophon) wurde nach seiner Karriere gerne eingeladen, um den Fußballsport zu erklären. Hier anhand einer Jubiläumsfeier von ASKÖ Donau Linz im Jahre 1977. Foto: oepb

Die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland biegt in ihre Zielgerade ein. Große Nationen mussten bereits unerwartet früh die sportlichen Segel streichen und die vorzeitige Heimreise antreten, ebenso echte Fußball-Großmächte wie beispielsweise Italien oder Holland qualifizierten sich erst gar nicht für diese Veranstaltung.

Dass es darüber hinaus auch in früheren Jahren Fußball-Weltstars ohne einen einzigen Fußball-WM-Einsatz gab, ist zwar schier kaum zu glauben, dennoch wahr.

„La Saeta Rubia“, der blonde Pfeil! Gemeint ist Alfredo di Stefano, der über ein Jahrzehnt hindurch in den 1950er und frühen 1960er Jahren den Weltfußball prägte. Kaum jemand kam in dieser Zeit an ihm vorbei. Der Alleskönner auf dem Platz agierte zwar als Stürmer, war aber während der 90 Spielminuten überall anzutreffen. Es geschah kaum ein Spielzug, der nicht über ihn lief, oder seine Handschrift – mit dem Fuße wohlgemerkt – trug. Über River Plate in Buenos Aires, CD Los Millonarios in Bogota ging er nach Spanien zu den „Königlichen“ von Real Madrid. Gemeinsam mit seinem kongenialen Partner, dem Ungarn Ferenc Puskas, drückte Alfredo di Stefano dem Spiel immer wieder seinen Stempel auf und avancierte somit zum Vortänzer des „Weißen Balletts“. Zwischen 1956 und 1960 fünf Triumphe in ununterbrochener Reihenfolge des „Europapokals der Landesmeister“, der heutigen „Champions League“ krönten seine unvergleichliche Karriere. Die blitzsaubere Laufbahn weist bloß einen schwarzen Fleck auf – „La Saeta Rubia“, der blonde Pfeil, kam auf kein einziges Fußball-WM-Spiel.

Mit 21 Jahren wurde er 1947 argentinischer Nationalspieler und gewann dabei die Copa America. Dann der Wechsel nach Kolumbien, des Geldes wegen. Dieser Transfer, der als Flucht ausgelegt wurde, sperrte ihn für alle Zeit für die Argentinische Nationalmannschaft. Er bestritt 4 Länderspiele für Kolumbien, die die FIFA jedoch nicht anerkannte. Nach seinem Wechsel zu Real im Jahre 1953 folgte darauf 1956 die Einbürgerung als Spanier. Doch die Qualifikation für Schweden 1958 misslang. 1962 führte Alfredo di Stefano zwar die Seleccion anhand der Qualifikation gegen Marokko zur WM nach Chile, eine mühsame Muskelverletzung zwang ihn jedoch zum Zuschauen. „Diese Beine ernähren meine Familie. Ich werde meine Karriere nicht für ein paar Spiele riskieren!“, so damals seine Worte. Und er blieb dabei. Einer der größten und besten Fußballer aller Zeiten verpasste die Möglichkeiten, aktiv eine Fußball-WM zu spielen.

 

 

1968 war das Jahr des George Best. Der Nordire gewann mit Manchester United den Europapokal der Landesmeister und wurde in England, als auch in Europa zum „Fußballe des Jahres“ gewählt. Der Rechtsaußen wurde zum Medienliebling und verkörperte Ende der 1960er Jahre im Fußball das, was die „Beatles“ in jener Zeit in der Showbranche waren. Es regnete in Strömen am 3. Dezember 2005 in Belfast, was jedoch hunderttausende Menschen nicht davon abhalten konnte, ihrem Idol von einst das letzte Geleit zu geben. George Best, dem seine Trinksucht zum Verhängnis wurde, weilte nicht mehr auf Gottes Erden und jeder Regentropfen sollte eine Träne an diesen grandiosen Fußballer sein. Nordirland qualifizierte sich 1958 für die WM in Schweden – Best war mit 12 Jahren zu jung – und dann erst wieder 1982 für Spanien. Nichtsdestotrotz schaffte es George Best auch ohne Fußball-WM in die Herzen der Fans und ist – nicht nur in Nordirland – bis heute unvergessen.

Eric Cantona wäre der nächste dieser illustren Runde. Auch ihm gelang es, kein Weltmeisterschaftsspiel für sein Heimatland, in diesem Falle Frankreich, zu absolvieren. Cantona galt als „enfant terrible“. Dieser Umstand stand seiner hervorragenden Art und Weise, Fußball zu spielen, oftmals im Wege. Die Fußball WM 1994 in den USA verpasste Frankreich. Ein Jahr darauf gab es Streit mit Nationaltrainer Aimé Jacquet, was Cantona dazu veranlasste, seine Teamkarriere 1995 nur 29-jährig zu beenden. 1997 sagte er dem Fußballsport überhaupt „au revoir“. Eine unwiderbringliche Möglichkeit, als Mitglied von “Les Bleus”, die 1998 Fußball-Weltmeister wurden, unsterblich zu werden, wurde vertan. Heute ist Eric Cantona, der das Genre komplett gewechselt hat, als Schauspieler aktiv.

Auch in Deutschland gab es einen, der zwar am Ball sehr viel konnte, zu einer WM jedoch nie fuhr. Bernd Schuster, der „Blonde Engel“ aus Augsburg, in Reihen des 1. FC Köln. 1980 führte er als „Bester Spieler des Turnier“ die DFB-Auswahl zum Europameister-Titel. 1982 bei der WM in Spanien fehlte er verletzungsbedingt und 1986 kam es zu keinem Comeback in der DFB-Elf. Dem Vernehmen nach war die Gagenforderung zu hoch.

Ryan Giggs (Wales), David Ginola (Frankreich), Jari Litmanen (Finnland), Ian Rush (Wales), George Weah (Liberia, Afrikas Fußballer des Jahrhunderts) … alles durch die Bank Weltklasse-Fußballer mit jenem Manko behaftet, kein einziges Fußball-Weltmeisterschaftsspiel für ihre Länder bestritten zu haben.

www.FIFA WORLD CUP Russia.com

 

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