UNSER [ve:ana]* PATENT / von Hans Werner

CD-Cover UNSER *WEANA PATENT

CD-Cover UNSER *WEANA PATENT

Als kleines Mädchen schon sah ich den Vater tagtäglich am Klavier sitzen, mit zwei, drei Fingern eine Melodie klimpern, die ihm ein Komponist mit der Bitte um einen dazu passenden Text gegeben hatte. Leise probierte er Worte dazu aus, immer wieder die Takte summend, versonnen zum Fenster hinausblickend – und nahm dann plötzlich den Bleistift, um schnell, sehr schnell auf ein langes weißes Blatt Papier einen Text zu stenographieren. Dann musste die Mutter hereinkommen. Er sang ihr das Ganze vor und wenn sie nickte, dann war es gut. Später übernahm die Kritikerrolle auch das kleine Mädchen, ziemlich treffsicher in der Beurteilung. „Wenn´s Euch gefällt, gefällt´s den anderen auch!“, meinte der Vater lächelnd.

So entstanden jahrzehntelang sehr schöne, bis heute unvergessene Klassiker wie „Es steht ein aller Nussbaum“, die großen Erfolg hatten. Das Anfang der 1940er Jahre sehr beliebte Lied „Mir Weana san Lamperln“ erregte das besondere Misstrauen der Nazis, der Vater wurde vorgeladen und verhört: Was denn die Zeilen „mir schwabn alles abe, was uns so darennt“ oder „mir Weana san guat, wir haben aber trotzdem a Hirn unterm Huat“ zu bedeuten hätten?

Er stellte sich selbst als schlichtes Gemüt und die Verse als völlig harmlos dar. Glaubhaft musste das gewesen sein, denn sonst wäre er nicht so schnell wieder nach Hause gekommen. Tatsächlich wurde das Lied, was man heute einen Kultsong nennen würde und – ein heimliches Oppositionslied fast – beim Heurigen begeistert gesungen.

Mit den zunehmenden Erfolgen und allmählich eintrudelnden Tantiemen nach dem Krieg konnte er später seine Angestelltentätigkeit in einem Musikverlag aufgeben und sich ganz dem Text dichten widmen. In Kooperation mit dem Verleger , der sich besonders auch um Bewerbung und Verbreitung der Lieder verdient machte, entstanden sehr populäre Werke, die viele prominente InterpretInnen auf Schalplatte aufnahmen.

Schriftsteller Prof. Hans Werner (*1898, † 1980) Foto: privat / Emmy Werner

Schriftsteller Prof. Hans Werner (*1898, † 1980) Foto: privat / Emmy Werner

Hans Werner, dieser großzügige und vielleicht allzu bescheidene Man, dessen einziger Luxus gute Opernkarten waren – viele Opern konnte er auswendig – war jahrelang auch Vorstandsmitglied der AKM (Gesellschaft der Autoren, Komponisten und Musikverleger) und agierte dort mit heißem Herzen für die Rechte der Urheber, insbesondere der Autoren.

Die deutschen Texte zu englischen Kinderopern, Reime zu neu vertonten Märchen, Entwürfe zu Operetten, die Übersetzung des Librettos einer-Oper, sowie deutsche Texte für Hits, wie „la mer“ oder „High society“, Beiträge zu Musicalsongs und Schlagertexte für populäre Filme zeigen die Bandbreite seiner schriftstellerischen Begabung.

1943, mitten im Krieg, hatten die Mutter, der 18-jährige Sohn Robert und die 5-jährige Tochter in einem privaten Tonstudio – samt Trichter! – als Weihnachtsgeschenk für den Vater eine Aufnahme machen lassen. Die Kleine sprach ein Gedicht „Singen kann ich leider nicht …“, der Sohn deklamierte etwas Klassisches und die Mutter mit ihrer wunderbaren Stimme sang, begleitet von einem uralten Klavier, das Lied DENK DIR DIE WELT WÄR´ EIN BLUMENSTRAUSS …

Viele Jahrzehnte später – Vater, Mutter und Bruder waren nicht mehr am Leben – entdeckte die Tochter durch Zufall diese längst verloren geglaubte Schallplatte wieder. Ein monströses Ding, das weit und breit kein Abspielgerät mehr fand und erst durch einen Spezialisten wieder zum Leben erweckt werden konnte. Ihm und der Computertechnik sei Dank. Und so hörte sie nach Jahrzehnten plötzlich wieder, was damals für den Vater unterm Weihnachtsbaum gelegen war.

Es war der auslösende Moment für die Idee zu dieser CD. Als Gedenken an den Vater, den Schöpfer so vieler schöner Liedtexte. Für jenen Mann, dem Familie, Kollegen und Freunde sehr viel zu verdanken hatten. Die Tochter zumal, die ihre ersten waghalsigen künstlerischen Pläne nur mit Unterstützung der Eltern realisieren konnte.

An seinem Wohnhaus in Wien, Währingerstrasse 68, ganz in der Nähe der von ihm so geliebten Volksoper, erinnert eine Ehrentafel an Hans Werner. Auch diese CD trägt zur Erinnerung bei.

So die langjährige Direktorin des Volkstheaters Emmy Werner in Erinnerung an ihren Vater Hans.

Erinnerung an den Autor Hans Werner (*1898, † 1980) – witzige, weinselige, wehmütige
WEANA .WERNER . LIEDER
UNSER *WEANA PATENT
Musik CD – Gesamtlaufzeit zirka 55 Minuten
Erschienen bei HOANZL unter
9 006472 022619
www.hoanzl.at

 

Wienerisches Kleinod

Diese Wienerlied-CD ist völlig anders als andere Wienerlieder-CDs. Und sie hat eine Vorgeschichte, die den Titel Prof. Hans Werner trägt.

Nur ganz Wenige wissen, was dieser Hans Werner gemacht hat, Millionen Menschen jedoch kennen seine Werke: Er schrieb Liedtexte wie „Es steht ein alter Nussbaum“, „In Grinzing gibt’s a Himmelstraß’n“, „Mir Weana san Lamperln“, „Sonntag im Prater“, „Jünger wer’n ma nimmer“, „Denk Dir die Welt wär’ ein Blumenstrauß“ und viele andere Wienerlieder, die bis heute gesungen und gespielt werden. Darüber hinaus übersetzte Hans Werner aber auch das Libretto einer Semtana-Oper oder Hits wie „La mer“ oder „High Society“ ins Deutsche.

Jahrzehnte später entdeckte „die Kleine“ Emmy Werner diese Platte. Mit Hilfe ihrer Freunde und ehemaligen Volkstheater-Mitstreiter Karl Markovics, Erwin Steinhauer und Otto Tausig nahm sie über ein Dutzend Lieder mit Texten ihres Vaters auf, zum Teil gesungen, zum Teil sehr musikalisch gesprochen, subtil begleitet von einem Ensemble unter der Leitung von Michael Kienzl.

Eine Musik-CD, die immer wieder zum Abspielen und anhören einlädt. Für melancholische Freunde des Wiener Liedes und solche, die es noch werden wollen, absolut geeignet und zugetan.

 

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