Streifzug durch den Wiener Wurstelprater

Prater.NEU.inddDie Idee zu diesem Buch bekam Autor Roland Girtler anhand seiner diversen Radtouren durch den Wurstelprater – und darüber hinaus natürlich auch aus willkommenem Anlass des 250. Geburtstags (7. April 1766) dieser ureigenen Wiener Institution. In diesem seinem Buch beschreitet er den großen Streifzug durch die bunte Welt des Wurstelpraters, aber auch des gesamten Praters, der sich vom Praterstern über die Hauptallee und den Praterauen an der Donau bis hin zur Freudenau erstreckt.

Im Wurstelprater gibt es, wie es heißt, über 250 Attraktionen, von denen freilich nur ein paar typische hier näher vorgestellt werden können. Roland Girtler gewährt allerdings auch einen überaus interessanten Einblick in das vergangene und das jetzige Leben des Wurstelprater. Dieser ist reich an Geschichte und Geschichterln: Bereits kurz nach der Öffnung für die Bevölkerung und „das gemeine Fußvolk“ dieses ehemaligen kaiserlichen Jagdreviers anno 1766, begannen sich Kaffeesieder und Wirte am Rande des weitläufigen Areals anzusiedeln. Zahlreiche Vergnügungen folgten und lockten die Stadtbewohner an. Die Kinder erfreuten sich an den Puppenspielen, deren Hauptfigur der lustige „Hanswurst“ war, der letzten Endes zum Namensgeber dieses Teils des Praters avancierte.

Das Buch des Autors Dr. Roland Girtler ist nach einem Streifzug, den er als Radfahrer unternahm, aufgebaut.Er beginnt die Tour im „Kaffee Urania“ im 3. Bezirk und radelt dann den Donaukanal übersetzend in Richtung Rustenschacherallee zum Beginn der Hauptallee, von dort weiter zu dem sich seit 1897 im Kreise drehenden Riesenrad und wiederum weiter zu anderen zahlreichen Stätten des Praters – bis hin zur im Freudenauer Auwald gelegenen Wallfahrtskirche Maria Grün.

Der „Wiener Prater“, der aus dem Wurstelprater und den Praterauen samt der über 4 Kilometer langen Hauptallee besteht, hat seinen eigenen Zauber. Der Name dazu kommt übrigens aus dem lateinischen pratum und bedeutet Wiese. „Nicht-Wiener“ und „Zuagraste“ bezeichnen das Areal auch gerne als „Würstelprater“, dabei hat der Name rein gar nichts mit dem etwaigen Verzehr von Würsteln dort gemein. „Wurstelprater“ ist die richtige Bezeichnung nach der Kunstfigur „Hanswurst“. Die derb-komische Gestalt wurde von Maria Theresia als Revoluzzer verboten und fand sich auf der Puppenbühne als Kasperl wieder. Im Prater gibt es lediglich nur noch ein Theater, in dem der Kasperl mit der Pritsche das Krokodil erschlägt.

Roland Girtler schildert weiter, dass er regelmäßig in den Prater radelt und sich im Schatten der zahlreichen Kastanienbäume erholt. Große Freude am Wiener Prater hatte auch der oberösterreichische Dichter Adalbert Stifter, der von „unserem“ Prater schreibt: „Wenige Hauptstädte in der Welt dürften so ein Ding aufzuweisen haben, wie wir unseren Prater. Ist es ein Park? Ein Wald? Nein. Eine Lustanstalt? Nein.  – Was denn? Alles dies zusammengenommen.“

Autor Roland Girtler lädt seine Leser ein, mit in die Sphären der zahlreichen Praterfamilien – der „Schaafs”, der „Langs” oder der „Kobelkoffs” einzutauchen und führt weiter zu den Schaustellern und Artisten, den Seiltänzern, Messerwerfern und Leierkastenleuten. Seine Gespräche mit Persönlichkeiten wie dem Präsidenten des Praterverbandes, dem Osttiroler Dachdecker, der die höchsten Karusselle baut, oder dem Prater-Heinzi, einem klassischen “Hutschenschleuderer“, gewähren einen faszinierenden Einblick in diese bunte Wiener Welt zwischen Schießbuden und Grottenbahn.Seine Alltagsbeobachtungen ergänzt er auf bekannt unterhaltsame Art um historische Quellen zum Wiener Wurstelprater und eröffnet so einen einzigartigen Blick auf diesen schillernden Ort, seine Geschichte und deren Menschen.

Prof. Dr. Roland Girtler, bekannt auch aus der „bunten“ Kronen-Zeitung am Sonntag, anhand dieser er wöchentlich (s)eine geschichtsträchtige Kolumne verfasst, hat anhand dieses Prater-Buches absolut nichts ausgelassen. Diese seine Beobachtungen brachte er neuerlich pointiert und geschickt zu Papier und so dem Leser amüsant näher. Es gelingt ihm, den Prater, diese riesige grüne Lunge Wiens, auch jenen Menschen näher zu bringen, die das Areal – noch – nicht kennen. Spätestens nach der Lektüre dieser „Memorien“ über den Prater steht dann anhand eines Wien-Besuchs auch ein Ausflug in den Prater an. Egal ob Riesenrad und Ringelspiel, oder aber Ruhe und Erholung in der Natur – der Prater bietet allen und jedermann/frau etwas.

Übrigens – im Wiener Prater ist auch die Wiege des Österreichischen Fußballsports gelegen. Der Platz des „Wiener Athletiksport Club“, kurz WAC genannt und nicht mit dem Wolfsberger AC aus Kärnten zu verwechseln, existiert in der Rustenschacherallee seit knapp 120 Jahren. Hier fand am 12. Oktober 1902 das Städtespiel Wien gegen Budapest statt. Die Wiener bezwangen die Magyaren mit 5 : 0, die Ouvertüre zu Österreich – Ungarn, eine der längsten anhaltenden Fußball-Rivalitäten der Welt, begann ihren Lauf. Einige Jahre zuvor, 1894, standen sich im Prater die ersten Fußballvereine Österreichs gegenüber. First VIENNA FC sowie Vienna Cricket and Football Club, so lauteten die grimmigen Gegner. Und Österreich schlug im Jahre 1931 im neu erbauten und eingeweihten Prater-Stadion Deutschland mit 5 : 0. Die Geschichte des ÖFB und des Stadions im Prater, seit 1993 nach Ernst Happel benannt, reicht bis in die heutige Zeit.

Prädiakt: Absolut lesens- und empfehlenswert!

Streifzug durch den Wiener Wurstelprater
Die bunte Welt der Schausteller und Wirte
von Prof. Dr. Roland Girtler
258 Seiten, Leineneinband, Lesebändchen, Din A5, viele teils geschichtsträchtige Fotos
zum Preis von € 24,99
ISBN: 978-3-205-20280-6
www.boehlau-verlag.com 
 
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Roland Girtler auf dem Weg durch den Prater:
 
www.univprofdrgirtler.at 

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