Spielregel-Reform vor der Fussball EURO 2016

WFV-Präsident und Vorsitzender der ÖFB-Schiedsrichterkommission Robert Sedlacek. Foto: Steindy

WFV-Präsident und Vorsitzender der ÖFB-Schiedsrichterkommission Robert Sedlacek. Foto: Steindy

 

Seit 1. Juni 2016 und damit noch rechtzeitig vor Beginn der UEFA EURO 2016, gelten die vom International Football Association Board (IFAB) beschlossenen insgesamt 95 Änderungen in der Welt des Runden Leders. Während einige Änderungen nur „kosmetischer Natur“ sind, gibt es in anderen Bereichen durchaus gravierende Auswirkungen für Spieler und Schiedsrichter und somit wird sich auch die Sportöffentlichkeit umstellen müssen:

 

 

 

  • Kurze Behandlungen (maximal 20 bis 25 Sekunden) von verletzen Spielern auf dem Platz sind jetzt möglich. Sie sind erlaubt, wenn ein Spieler verletzt wird und das Foul mit einer Karte geahndet wurde. Bisher musste der verletzte Spieler erst einmal vom Feld, das Spiel ging dann weiter.
  • Beim Anstoß kann der Ball nun in jede Richtung gespielt werden. Bisher musste der Ball erst in die gegnerische Hälfte gespielt werden.
  • Bei Strafstößen gibt es nun härtere Strafen gegen Verstöße bei der Ausführung. Stoppt der Schütze etwa beim Anlauf komplett ab oder schießt überraschend ein zweiter Spieler, gibt es einen Freistoß für die andere Mannschaft. Zudem gibt es Gelb für den Schützen. Bewegt sich der Torhüter zu früh von der Linie nach vorne und geht der Ball dann nicht hinein, sieht der Tormann Gelb. Wiederholung gab es deshalb auch vorher schon.
  • Trinkpausen – etwa wegen Hitze – müssen Schiedsrichter nun als „verloren gegangene Spielzeit“ ansehen und zu den 90 Minuten addieren.
  • Einwürfe müssen mit beiden Händen gleichkräftig ausgeführt werden. Das System mit einer Stützhand, bei dem eine Hand den Ball schleuderte, ist damit verboten.
  • Vor dem Spiel kann es ab Juni Rote Karten geben. Während der Halbzeit und nach dem Abpfiff ging das schon zuvor. Theoretisch ist ein Platzverweis jetzt möglich, sobald der Schiedsrichter das Spielfeld hinsichtlich der Bespielbarkeit begutachtet. Wird ein Spieler vor dem Spiel ausgeschlossen, darf der Trainer einen neuen Spieler aufstellen, aber die Ersatzspielerliste nicht mehr abändern, wenn die Aufstellung bereits übergeben wurde.
  • Geht ein Schuh verloren, darf der Betroffene bis zur nächsten Unterbrechung weiterspielen. Bisher galt: Schuh weg, kicken verboten. Die Regelung gilt so jetzt auch für Schienbeinschoner.
  • Die Mittellinie ist ab sofort hinsichtlich der Abseitsbeurteilung neutral. Berührt ein Spieler bei einem Konter die Mittellinie und noch nicht die gegnerische Hälfte, steht er nicht im Abseits. In der eigenen Hälfte gibt es sowieso kein Abseits. Der Status der Mittellinie in Abseitsfragen war zuvor nicht eindeutig geklärt.
  • Einen Vorteil dürfen Schiedsrichter nun mit nur einem gestreckten Arm anzeigen, bisher mussten sie beide Arme wie ein V nach vorne ausstrecken. Diese Änderungen soll den Schiedsrichtern das Laufen erleichtern.
  • Die Dreifachbestrafung bei der „Torchancenverhinderung“ wurde neu formuliert: Bei einem Tackling (mit dem Bein) nach dem Ball im Strafraum ist dieses nun nicht mehr mit Strafstoß und Rot zu bestrafen, sondern mit Strafstoß und Gelb. Zieht der Verteidiger aber am Trikot oder versucht gar nicht, den Ball zu spielen, kann es weiterhin Rot geben, ebenso bei einer Attacke mit übermäßiger Härte oder einer Tätlichkeit.
  • Die Ausführung eines Strafstoßes ist abgeschlossen, wenn sich der Ball nicht mehr bewegt, aus dem Spiel gelangt oder der Schiedsrichter das Spiel unterbricht. Vergehen und Sanktionen: Unabhängig vom Ergebnis ist das Spiel zu unterbrechen und es gibt einen indirekten Freistoß.Wenn der Ball nach hinten gespielt wird. Ein Mitspieler des Schützen schießt den Strafstoß (zusätzlich Verwarnung). Der Schütze bleibt unmittelbar vor dem Schuss stehen (zusätzlich Verwarnung).
  • Bei allen Spielfortsetzungen (Anstoß, Abstoß, Eckstoß, Freistoß, Strafstoß) muss der Ball ruhig am Ausführungsort liegen und er muss sich klar bewegen (Antippen ist zu wenig). Diese Auflistung darf keinesfalls als vollständig betrachtet werden.

Die weiteren Änderungen und Anpassungen der Spielregeln sind von der Homepage der FIFA bzw. des IFAB zu entnehmen.

Die Spielregeln treten mit 1. Juni 2016 in Kraft. Das bedeutet, dass bei der UEFA EURO 2016 in Frankreich bereits danach gespielt wird. Die österreichischen Elite-Schiedsrichter und Schiedsrichter-Assistenten werden im Rahmen des Sommerlehrganges am 24. und 25. Juni 2016 in Obertraun diesbezüglich geschult. Die Vereine der österreichischen Fußball-Bundesliga wurden bereits ersucht, die jährlichen Regeldiskussionen bei den Vereinen in diesem Jahr unbedingt vor dem Saisonstart zu vereinbaren, um unnötige Diskussionen hintanzuhalten. Robert Sedlacek (Vorsitzender ÖFB-Schiedsrichterkommission): „Nach Jahren der kleineren Anpassungen wurden heuer nicht nur kosmetische Korrekturen vorgenommen, sondern es handelt sich heuer um viele gravierende Punkte. Die Sportöffentlichkeit, aber vor allem die Spieler, Trainer und Schiedsrichter, sind ab 1. Juni  voll gefordert, diese Neuerungen entsprechend umzusetzen!“.

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www.oefb.at
www.bundesliga.at

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