Servus Uli Hoeneß / Ein ganz Großer des Fußballs dankt ab

Man wird ihn vermissen, den Uli Hoeneß, den künftigen Bayern-Macher a.D. Foto: Harald Bischof

Man wird ihn vermissen, den Uli Hoeneß, den künftigen Bayern-Macher a.D. Foto: Harald Bischof

„Sag zum Abschied leise Servus!“ – dieses Zitat ist wohl absolut unpassend für Uli Hoeneß, der in seiner Karriere oftmals als „Elefant im Porzellanladen“ galt und stets seine gewichtige Meinung mit Nachdruck offenbarte.

Sehr zum Wohlwollen seiner Freunde, sehr zum Leidwesen all jener, die ihm weniger gewogen waren. Und dennoch – sein Wort hatte immer Gewicht, wurde gehört und in den allermeisten Fällen auch für gut befunden.

Heute Abend – Ende einer Ära

Die über 40-jährige berufliche Tätigkeit eines Mannes, der 1979 begann, einen Fußballverein aus den tief roten Zahlen direkt hin zum Licht und zu einem heutigen – ja, man kann es durchaus sagen – Welt-Konzern zu manövrieren, findet heute Abend ihr Ende. Und es passt irgendwie in die Melancholie, dass die Jahreshauptversammlung der Münchner Bayern nicht – wie in den letzten Jahren gewohnt – im Audi Dome steigt, sondern in der Münchner Olympiahalle. Jener Halle, die nur einen Steinwurf vom Olympiastadion entfernt liegt. In jenem zu Glanzzeiten knapp 80.000 Menschen fassenden Stadion, in dem sich in den frühen 1970er Jahren der FC Bayern München anschickte, das zu werden, was er heute ist.

Ein Mann – Ein Verein

Uli Hoeneß war der FC BAYERN MÜNCHEN !!! Man kam an ihm schlichtweg nicht vorbei. Uli lebte – und auch liebt(e) – diesen Verein wie kein Zweiter, er repräsentierte diesen Klub und er suchte stets das Beste für sein Team. Mit jeder Faser seines Körpers, mit all seinem Tun. Einen derartigen Macher wie ihn, den wird es nie mehr wieder geben. Ein Patriarch mit Herz, Hirn und Verstand. Eine große Ära geht zu Ende, eine Epoche wird Geschichte.

Der noch junge Manager Uli Hoeneß (rechts) neben Adolf Blutsch (damals LASK-Trainer) anlässlich eines Freundschaftsspieles in Linz im Juni 1983. Die Bayern verloren gegen eine FC Oberösterreich-Auswahl – bestehend aus VÖEST-, LASK- und Wels-Spielern – mit 1 : 3. Foto: oepb

Der noch junge Manager Uli Hoeneß (rechts) neben Adolf Blutsch (damals LASK-Trainer) anlässlich eines Freundschaftsspieles in Linz im Juni 1983. Die Bayern verloren gegen eine FC Oberösterreich-Auswahl – bestehend aus VÖEST-, LASK- und Wels-Spielern – mit 1 : 3. Foto: oepb

Bayern-Dusel

Der in Deutschland immer wieder gerne als Begriff etablierte Ausdruck „Bayern-Dusel“, in Anspielung darauf, dass die Münchner doch noch das Ruder herumreißen und in letzter Minute eine Niederlage in ein Unentschieden oder gar einen Sieg verwandeln konnten, ist ungerecht. Uli Hoeneß war als „Hansdampf in allen Gassen“-Manager quasi rund um die Uhr für seine Schäfchen da. Er und seine Mitstreiter kümmerten sich um sämtliche Wehwehchen der Spieler und deren Familien. Dies war für Hoeneß geradezu Auftrag und moralische Verpflichtung zugleich. Im Gegenzug dazu erreichte er damit, dass seine Mannen auf dem Rasen auch noch in der 95. Minute mit 120 Prozent Konzentration auf dem Platz zugegen waren und das Spiel – so es denn negativ verlief – erst mit dem Schlusspfiff des Schiedsrichter verloren gaben.

Glück + Können = Sieg

Gewiss war auch ein Quäntchen Glück dabei, aber das hat doch schließlich jeder Tüchtige. Glück nämlich, dass die Bayern von 1979 an zu einem bis heute unvergleichlichen Siegeslauf ansetzten, diesen aber auch all die Jahre hindurch mit Können und teilweiser Bravour beibehalten konnten. Mit einer beruflichen Top-Auffassung und dem richtigen Team ist eben alles möglich!

Samstag, 9. Juni 1979, 17.20 Uhr

Uli Hoeneß war noch sehr jung im Amt. Seit 1. Mai 1979 werkte er an seinem Manager-Schreibtisch in der Säbener Straße. Am letzten Spieltag der Saison 1978/79 musste der FC Bayern München zum bereits feststehenden Deutschen Meister, dem Hamburger SV. Der Jubel an der Elbe über diesen vorzeitigen Titel-Triumph war derart, dass die 1 : 2-Heimniederlage vor 61.500 Zuschauern am letzten Spieltag des HSV gegen die Bayern gar nicht mehr ins Gewicht fiel. Und als dann auch noch Bayern-Kapitän Paul Breitner nach Spielschluss in die wartenden Mikrophone plauderte, dass der heuer Viertplatzierte im Jahr darauf sich um vier Plätze verbessern werde, kostete dieser Ausspruch den Jung-Manager Uli Hoeneß zwar nur ein müdes Lächeln, dennoch war das Gespann Hoeneß-Breitner jene Achse, die den FCB sportlich mehr als nur salonfähig machen sollte.

Deutscher Fußballmeister 1979/80 und 1980/81

Paul Breitner und Karl-Heinz Rummenigge auf dem Rasen, sowie Uli Hoeneß dezent dahinter am Schreibtisch die Fäden ziehend – ein Erfolgslauf begann. Breitner löste sein Versprechen ein und führte die Bayern zweimal in Serie zur Meisterschaft. Dieser Triumph und sportliche Höhenflug führte auch zu einem steten Anstieg der Zuschauerzahlen. Und das war auch gut so, denn der FCB war zum Ende der 1970er Jahre ziemlich knapp bei Kasse. Uli Hoeneß war sich auch nicht zu schade, im damals noch in den Kinderschuhen steckenden Fanartikel-Verkauf – heute Merchandising genannt – selbst Hand anzulegen und die Fan-Pakete eigenhändig zur Post zu chauffieren. Schals, Wimpel, Autokissen, Pickerl (in Deutschland nennt man das Aufkleber), Schlüsselanhänger, Kugelschreiber, etc. Dies alles mit dem Konterfrei des FC Bayern versehen, könnte bereits damals erworben werden.

Fan-Shop in Oberhausen

Uli Hoeneß war in vielem ein Vorreiter und Ideengeber. Nicht wenige in Deutschland dachten bei sich, dass er nun völlig übergeschnappt sei, als er dereinst herging und in Oberhausen in Nordrhein-Westfalen (kurz NRW) einen Fan-Shop eröffnete. Eingebettet zwischen den ewigen Rivalen Borussia Dortmund und FC Schalke 04, nicht zu vergessen die weiteren Ruhrpott-Größen wie VfL Bochum, MSV Duisburg, SC Rot-Weiss Essen und dergleichen blühte und gedieh dieser Fan-Shop genüsslich vor sich hin. Die Idee dahinter war simpel. Hoeneß ließ in diesem Shop Vorverkaufs-Karten auflegen, wenn eben der FC Bayern bei den genannten Vereinen in NRW anzutreten hatte. Dies ersparte dem Stadion-Pilger am Matchtag lange Wartezeiten an den Kassen und wer sich rechtzeitig sein Ticket sicherte, musste auch keine Angst haben, vor ausverkauftem Haus zu stehen. Dass bei diesem Vorverkaufs-Karten-Erwerb auch gleich ein Schal für das Spiel oder ein kleiner Wimpel für das Auto mitverkauft wurde, war der weitere Hintergedanke. Nun, die Idee schlug ein und Bayern gewann bereits damals schon, vor 40 Jahren, zahlreiche Fans dazu, die sich in Fanklubs deutschlandweit vereinten.

Kalle Rummenigge zu Inter

Fünf Jahre lang hieß es an der Säbener Straße den Gürtel eng geschnallt zu lassen und die Deutsche Mark mehrmals umzudrehen, ehe sie den Besitzer wechselte. Mit dem 12 Millionen DM-Verkauf (zirka € 6,1 Millionen) von Karl-Heinz Rummenigge im Sommer 1984 jedoch zu Inter Mailand war der FC Bayern München erstmals in der Ära Uli Hoeneß schuldenfrei und hat die schwarzen Zahlen bis heute nicht mehr verlassen.

Deutscher Rekordmeister 1. FC Nürnberg

Was heute kaum noch bekannt scheint, ist jene Tatsache, dass der „Club“ aus Franken, der 1. FC Nürnberg mit seinen 9 gewonnenen Meisterschaften, jahrzehntelang der Deutsche Rekordmeister war. Bis eben Uli Hoeneß und der FC Bayern kam. Im Jahre 1985/86 zogen die Bayern mit Nürnberg gleich, im Jahr darauf – 1986/87 – und der erneut gewonnenen, in diesem Falle 10. Meisterschaft, waren die Bayern der alleinige Deutsche Rekordmeister.

Titel, Titel und abermals Titel

24 Deutsche Meisterschaften, 14 gewonnene DFB-Pokale (in Österreich heißt das Cup), 2 mal Champions-League-Sieger, 1 mal UEFA-Cup-Gewinner, 1 mal Klub-Weltmeister, 1 mal Weltpokalsieger, 1 mal UEFA-Superpokalsieger, 8 mal Deutscher Superpokalsieger, sowie 6 mal Ligapokal-Gewinner, macht in Summe 58 gewonnene Titel in 40 Manager-Jahren des Uli Hoeneß! Eine schier unglaubliche Erfolgs-Bilanz;

Weitere Superlativen

Uli Hoeneß arbeitete in diesen 40 Jahren mit 21 Trainern und 254 Bundesliga-Profis zusammen, die allesamt in Summe 1.381 Bundesliga-Spiele absolvierten. Von diesen 1.381 Matches gewannen die Bayern 854 Partien, teilten sich 303 mal die Punkte und verloren lediglich 224 Spiele. 3.025 Tore konnte Uli Hoeneß als Manager bejubeln, 1.372 mal trafen die Gegner, was einen Schnitt von 2,19 : 0,99 ausmacht. Nackte Zahlen, die eine ausgezeichnete Bilanz darstellen.

Dies alles wird heute Abend zur Geschichte. Der 67-jährige Uli Hoeneß zieht sich von seinem Präsidentenstuhl zurück und lässt sich anhand der Jahreshauptversammlung 2019 des FC Bayern München nicht mehr wählen. Er sei zwar nicht unbedingt müde geworden, so seine Aussage, aber es wäre einfach für ihn an der Zeit, jüngeren Personen Platz zu machen. Nichtsdestotrotz – es wird ungewohnt werden, seine Bonmots nicht mehr vernehmen zu können. Lautsprecher der Liga, Vordenker und Vorreiter in vielerlei Hinsicht sind rar geworden. Menschen mit Rückgrat detto. Egal wie man zu Uli Hoeneß steht und stand, der Erfolg für seinen FC Bayern München, der gab ihm mit all seinem Tun stets Recht. Und im Endeffekt geht es gerade beim Sport und im Fußball ausschließlich um den Erfolg.

Quelle: oepb

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