Sensationeller Wildbienenfund im östlichen Marchfeld

Wärmere Sommer haben in diesem Fall auch einen Vorteil: bisher unbekannte Wildbienenarten, die sonst nur im Süden anzutreffen sind, werden auch bei uns heimisch. Foto: NHM

Wärmere Sommer haben in diesem Fall auch einen Vorteil: bisher unbekannte Wildbienenarten, die sonst nur im Süden anzutreffen sind, werden auch bei uns heimisch. Foto: NHM

Forscherinnen des Naturhistorischen Museums Wien entdeckten bei Drösing in Niederösterreich ein Exemplar der Steppen-Harzbiene – eine große Rarität in Mitteleuropa und der erst zweite Nachweis dieser Art in Österreich.

„Mit 690 bekannten Arten ist Österreich einer der Biodiversitäts-Hotspots für Wildbienen in Mitteleuropa. Viele dieser Arten sind wegen ihres engen Nahrungsspektrums oder einer sehr eingeschränkten Verbreitung besonders schützenswert.“, so Dominique Zimmermann, Bienenspezialistin am Naturhistorischen Museum (NHM) Wien.

Der Fund, über den sich Zimmermann und ihre Kollegin Sabine Schoder freuen, zeigt, dass Naturschutzbemühungen die gewünschte Wirkung erzielen können. Und, dass die warmen Sommer der letzten Jahre die Ausbreitung von Arten begünstigen, die bislang nur im mediterranen Raum zu finden waren.

Die Sandlebensräume, die im Fokus des von ARCOTEL finanzierten Projekts „Give Bees a Chance“ stehen, befinden sich im östlichen Marchfeld in Niederösterreich.

Es handelt sich dabei um eines der in Österreich am stärksten gefährdeten Habitate mit einzigartiger Wildbienenfauna. Ziel des Projekts ist es, die Unterschiede in der Artenzusammensetzung in den letzten Jahrzehnten aufzuzeigen, unter Berücksichtigung durchgeführter Naturschutzmaßnahmen. Als Referenz dient eine Untersuchung der gleichen Standorte vor 21 Jahren.

Nachdem schon voriges Jahr die als ausgestorben gegoltene Kleine Filzfurchenbiene (Halictus tectus) nachgewiesen wurde, kann nun ein weiterer sensationeller Wildbienenfund bekannt gegeben werden: „Die Steppen-Harzbiene (Icteranthidium laterale) wurde im Jahr 2018 im Zuge des Projekts „In den Sandbergen“ bei Drösing erst das zweite Mal für Österreich und das erste Mal für Niederösterreich nachgewiesen.“, so NHM Wien-Wissenschafterin Sabine Schoder. Und sie ergänzt: „Auch heuer konnten wieder Individuen dieser Art festgestellt werden. Der erste und bisher einzige österreichische Nachweis der Steppen-Harzbiene stammt von 1991 aus Illmitz am Neusiedlersee im Burgenland. Generell ist diese Art eine große Rarität für Mitteleuropa.“

Die Steppen-Harzbiene sammelt in erster Linie Pollen von Disteln und Flockenblumen. So wurden auch alle aktuell nachgewiesenen Individuen auf Flockenblumen sammelnd bzw. darüber herumschwirrend festgestellt. Ihr Nest baut diese Art – wie der deutsche Name vermuten lässt – aus Harz. Als Harzquelle dient an den untersuchten Sandstandorten wahrscheinlich der dort anschließende Kiefernbestand. Die Kombination aus lockerem Wald und großräumigen offenen, steppenartigen Flächen scheint für das Vorkommen der Steppen-Harzbiene also ausschlaggebend zu sein.

Aber auch andere Wildbienen-Raritäten, die auf Sandlebensräume angewiesen sind, konnten im Laufe des Projekts gefunden werden, so zum Beispiel die Bunte Steppenbiene (Nomioides variegatus), die Bleiche Seidenbiene (Colletes chengtehensis), oder die Große Sandgängerbiene (Ammobates punctatus).

Dies zeigt, dass die untersuchten Standorte nach wie vor sehr wichtig für den Bestand seltener Bienenarten sind und belegt die Wichtigkeit der Erhaltung und der richtigen Pflege der untersuchten Sandstandorte. Durch richtige Mahd bzw. Beweidung kann sowohl Verbuschung vermieden, wie auch das Aufblühen verschiedenster Blütenpflanzen, wie Flockenblumen oder Skabiosen, gewährleistet werden.

Diese Untersuchung der Bienenarten wird insbesondere durch das Engagement von „Give Bees A Chance“ der ARCOTEL Hotels ermöglicht. Verzichten Hotelgäste, die mehr als eine Nacht bleiben, auf die Reinigung ihrer Zimmer, fließt ein Beitrag in den Spendentopf der Hotels zur Unterstützung lokaler Initiativen, die sich für den Schutz und die Erhaltung von Bienen engagieren.

Quelle: NHM Wien

Lesen Sie noch mehr über das Naturhistorische Museum bei uns bitte hier;

www.nhm-wien.ac.at 

 

 

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