Seinerzeit, im Sommer 1982 …

SK VÖEST-Anhänger der "Blue Army" in den frühen 1980er Jahren. Foto: oepb

SK VÖEST Linz-Anhänger der “Blue Army” in den frühen 1980er Jahren. Foto: Christian Reisenbichler

Der Sommer 1982 galt als heiß und absolut summer-like. Rudi Carrell hätte mit seinem Hit „Wann wird´s mal wieder richtig Sommer“ in diesem Jahr keine Meter machen können. Die Schulferien für den damals 12jährigen Verfasser dieser heutigen Erinnerungs-Geschichte waren herrlich lang, jedoch aber auch für ihn schier endlos wirkend, denn so sehr man sich am Nicht-Gang in die Penne, also die Schule, erfreute, so sehr sehnte man doch das Ende des Monats August herbei, denn dann sollte es endlich wieder losgehen. Womit eigentlich? Mit der Österreichischen Fußball-Bundesliga natürlich!

Damals schien alles anders zu sein. Österreich kehrte Ende Juni von der Fußball-Weltmeisterschaft aus Spanien zurück – ja, ja, seinerzeit qualifizierte man sich noch für solche fußballerische Groß-Ereignisse – und nach dem Endspiel im Juli zu Madrid, in dem Italien die Bundesrepublik Deutschland mit 3 : 1 bezwang, somit mit dem 40jährigen Torhüter Dino Zoff Weltmeister geworden war, folgte eine nicht mehr enden wollende Sommerpause bis zum Start der hiesigen Fußball-Bundesliga eben am 20. August. Und dies schien insofern eine absolut spannende Episode zu sein, hatte doch die 10er Liga – von 1974 bis 1982 stattgefunden – ausgespielt und eine 16er Liga für das Oberhaus stand in den Startlöchern. Von Seiten des ÖFB und auch großen Teilen der Mitglieds-Vereine versprach man sich eine Menge von der neuen Bundesliga-Meisterschaft. So gab es zum Ende der Saison 1981/82 keinen Absteiger, sportlich hätte es den Linzer ASK, kurz LASK, erwischt und mit SK Austria Klagenfurt, SC Eisenstadt, First VIENNA FC, SC Neusiedl, SC Simmering und Union Wels gesellten sich urplötzlich sechs neue Teams als Aufsteiger hinzu, die für sportliche Attraktivität und Abwechslung im Oberhaus sorgen sollten.

Was bringt die neue Saison? Karl Hodits, Erwin Fuchsbichler, Gerald Haider und Helmut Wartinger (von links) beim Training des SK VÖEST am Werksportplatz im August 1982. Foto: SK VÖEST

Was bringt die neue Saison? Karl Hodits, Erwin Fuchsbichler, Gerald Haider und Helmut Wartinger (von links) beim Training des SK VÖEST am Werksportplatz im August 1982.

Der Knabe war glühender Anhänger des SK VÖEST Linz. Sein Team verjüngte komplett in diesem Jahr und die Mannschaft, die seiner Meinung nach gut war, wurde zerrissen. Nach einem 14tägigen Urlaub im Juli mit Großmama und Frau Mutter in der Küstenstadt Marmaris in der Südwest-Türkei war nach der Rückkehr aus Wien-Schwechat in Linz der Hochofen am Verglühen und kein Grashalm am Werksportplatz aufrecht geblieben. Damals gab es weder Internet noch Handy und die österreichischen Tageszeitungen, sofern sie überhaupt in das türkische Urlaubsdomizil nachgeliefert wurden, kamen mit einer Woche Verspätung an. Aktualität war etwas anderes. So deckte man sich nach der Urlaubs-Rückkehr am Wiener Flughafen-Kiosk mit den aktuellen Newspapern ein und staunte mit offenen Augen und Munde nicht schlecht, ob der Personal-Rochaden in der Linzer Muldenstraße 5 (damalige Vereins-Adresse der Werksportler). Arrivierte Spieler wurden abgegeben, um vermehrt der Jugend eine Chance zu gewähren. So gab es für den Jüngling täglich neue Horror-Meldungen aus dem Radio und den nun aktuellen Zeitungen zu vernehmen, denn Star um Star, auch, wenn deren sportlicher Zenit längst überschritten war, kehrten der VÖEST den Rücken.

Was war los mit seinen einstmals stolzen Linzer Werksportlern? Der einstige Krösus-Klub der Bundesliga avancierte zum Sparverein. Wohin soll das am Ende bloß noch führen, in die Zweitklassigkeit? Na Servas …

Max Hagmayr, mit dem man Anfang Juli anhand eines Schulausfluges ins Linzer Parkbad noch geplaudert hatte, wechselte zum Karlsruher SC. Ove Flindt ging heim nach Dänemark, ebenso Koloman Gögh zurück nach Pressburg (Bratislava), wenngleich der Fußball-Europameister von 1976 Gögh den VÖEST-Fans-Schulkindern im Parkbad noch versprach, in Linz bleiben zu wollen. Er sagte aber nicht dazu, dass der Verein dies auch wollen sollte. Und der absolute Leithammel und Publikumsliebling a.D. Willi Kreuz wurde um ein Taschengeld zum Aufsteiger nach Eisenstadt verscherbelt. Als es dann auch noch hieß, dass Top-Torhüter Erwin Fuchsbichler zum FK Austria Wien wechselt, war die Enttäuschung groß.

Die Strteitmacht des SK VÖEST Linz anno 1982/83; Vorne v.l.: Helmut Baic, Gerhard Ulmer, Werner Gregoritsch, Kurt Peterstorfer, Gerald Haider, Wolfgang Paier, Manfred Schill und Helmut Wartinger; Mitte v.l.: Harald Zeilinger, Othmar Großbötzl, Günter Haizinger, Siegfried Bachmaier, Jürgen Werner, Peter Schimmel, Franz Strasser und Siegfried Bauer; Hinten v.l.: Co-Trainer Fritz Supolik, Masseur Otto Reingruber, Kurt Kaiserseder, Alfred Gert, Georg Zellhofer, Emil Samrykit, Roland Eder, Karl Hodits, Erwin Fuchsbichler und Trainer Ferdinand Milanovich; Foto: oepb

Die Strteitmacht des SK VÖEST Linz anno 1982/83;
Vorne v.l.: Helmut Baic, Gerhard Ulmer, Werner Gregoritsch, Kurt Peterstorfer, Gerald Haider, Wolfgang Paier, Manfred Schill & Helmut Wartinger;
Mitte v.l.: Harald Zeilinger, Othmar Großbötzl, Günter Haizinger, Siegfried Bachmaier, Jürgen Werner, Peter Schimmel, Franz Strasser & Siegfried Bauer;
Hinten v.l.: Co-Trainer Fritz Supolik, Masseur Otto Reingruber, Kurt Kaiserseder, Alfred Gert, Georg Zellhofer, Emil Samrykit, Roland Eder, Karl Hodits, Erwin Fuchsbichler & Trainer Ferdinand Milanovich; Foto: oepb

Die Wiener Violetten, nach in Serie viermalig gewonnener Meisterschaft von 1978 bis 1981 mussten 1982 die Titel-Trophäe RAPID überlassen. Und Österreichs Teamtorhüter Friedl Koncilia, der eine gute Fußball-WM gespielt und in 5 Matches lediglich 4 Tore kassiert hatte, stand am Sprung zu Racing Santander. Joschi Walter, Austrias Macher, wollte den Friedl jedoch nur dann ziehen lassen, wenn entweder Klaus Lindenberger (LASK) oder eben Erwin Fuchsbichler (VÖEST) Violette werden würden. Nun, beide Keeper blieben in Linz und so gab die Austria Koncilia nicht an die Spanier frei. „Dieses Damoklesschwert sauste also nicht auf uns nieder“, dachte man bei sich, „wenigstens der „Fuchsi“ bleibt uns erhalten und führt eine junge und hungrige Truppe künftighin an.“

Kurios in jenen Tagen war auch der Umstand, dass LASK-Langzeit-Präsident Komm.-Rat Rudolf Trauner mit dem Rücktritt drohte und er schien diese seine Drohung auch wahr zu machen. Was das für die „Landstraßler“ bedeutet hätte, wäre vermutlich der Abstieg auf dem Grünen Tisch ins Unterhaus oder gar die Vereins-Auflösung gewesen. Trauner war schlichtweg über die Spieler und deren geforderte Gagen sauer, die seiner Meinung nach “Weltmeister im Nehmen, aber Hausmeister im Geben” waren … und sind. Nun, Trauner war viel zu sehr Schwarz-Weiß beblutet, dass er diese Drohung auch tatsächlich in die Tat umgesetzt hätte. Der LASK bestand – und tut es heute noch – also weiter. Unmittelbar darauf wurde mit Erich Hof der neue ÖFB-Teamchef bestellt. Mit dem einstigen Primgeiger des Wiener Sport-Clubs auf der Kommandobrücke der Österreichischen Fußball Nationalmannschaft erhoffte man sich einen euphorisierenden Aufbruch in neue Team-Zeiten.

Als es dann am Freitag, 20. August 1982 mit der neuen Meisterschaft endlich, endlich losging, war das Sommerloch, das es Jahr für Jahr zu stopfen gilt, endgültig zu, und so staunten die VÖEST´ler nicht schlecht, holte doch der absolute Underdog aus Neusiedl mit dem Ex-Blau-Weißen Thomas Parits auf der Trainer-Bank beim 0 : 0 in Linz sogleich einen Punkt. Zwei Tage später demolierte die Austria anlässlich der Sonntags-Matinee Wacker Innsbruck 6 : 1, mit Friedl Koncilia im Tor.

Im September startete das neue Schuljahr und der heute nicht mehr existente SK VÖEST belegte am Ende der Saison 1982/83 den 8. Tabellenplatz mit 5 Punkten Rückstand auf einen UEFA-Cup-Rang. Gerald Haider, der blau-weiße Bomber, traf aus allen Lagen und teilte sich ex aequo mit Gerhard Steinkogler und 18 Volltreffern den dritten Platz in der Schützenliste hinter Hans Krankl und Bozo Bakota. Für den Talente-Schuppen unter Coach Ferdinand Milanovich eine absolute Top-Leistung. Den Jüngling freute dies. Die Austria musste abermals RAPID den Meister-Vortritt lassen, man scheiterte jedoch lediglich an der um 5 Tore schlechteren Tor-Differenz.

Damals war vieles anders. Unvorstellbar wäre es gewesen, eine Bundesliga-Begegnung der 2. Division – vom Oberhaus ganz zu schweigen – unter Ausschluss der Öffentlichkeit ob befürchteter Ausschreitungen von rivalisierenden Anhängergruppen auszutragen. 30 Jahre später ist dies in Österreich möglich. Darüber hinaus hatten Salzburger und Innsbrucker vor gut 25 Jahren eine Fan-Freundschaft als Phalanx des Westens gegen den geglaubten Wasser-Kopf Wien. Heute ist man sich nicht mehr Violett-Weiß oder Grün-Schwarz und drischt sich lieber selbst die Birne ein. Bravo, Bravissimo … andere Zeiten, andere Sitten.

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