Schach dem Ölheizungsverbot

Martin Reichard, Geschäftsführer Heizen mit Öl anhand der Unterschriftenübergabe an Bundesminister Andrä Rupprechter. Foto: IWO Österreich / Philipp Lipiarski

Martin Reichard, Geschäftsführer Heizen mit Öl anhand der Unterschriftenübergabe an Bundesminister Andrä Rupprechter. Foto: IWO Österreich / Philipp Lipiarski

Niederösterreich hat ein Verbot von Ölheizungen in Neubauten ab 2019 beschlossen. Umweltpolitisch und in sozialer Hinsicht geht der Schuss nach hinten los. Vielfach wird die Initiative kritisch betrachtet.

Im Zuge der Debatte um die Energiewende forderten einzelne Politiker ein Verbot von Ölheizungen. In Niederösterreich wurde nun ein Verbot in Neubauten durchgesetzt, das ab 2019 in Kraft tritt. Die zahlreichen Gegenargumente blieben unberücksichtigt. „Ein Verbot könnte mehr Schaden anrichten, als es bringt!“, meine Manfred Haimbuchner kürzlich in den „OÖ-Nachrichten“. Der OÖ-Landeshauptmann-Stellvertreter mit den Ressorts Naturschutz und Wohnbau ist ein „strikter Gegner“ eines Verbots: „Ich sehe darin ein weiteres Zeichen der grassierenden Regulierungswut, die ich prinzipiell ablehne.“ Gefährlich würde es, sollte das Verbot auf den Kesseltausch ausgeweitet werden. „Das könnte Hausbesitzer davon abhalten, überhaupt etwas zu tun.“ Wenn der Besitzer einer Ölheizung den alten Kessel durch ein Brennwertgerät ersetze, bringe das etwas für die Umwelt. Vor dem Austausch gegen eine Biomasse-Anlage oder eine Wärmepumpe würden viele aufgrund der enormen Kosten zurückschrecken, so der OÖ-Landespolitiker.

Ähnlich argumentierte Ingrid Korosec in der jüngsten Ausgabe von „Unsere Wärme / Das österreichische Magazin für energieeffizientes Heizen mit Öl“. „Für ältere Menschen stellen Ölkessel nicht selten eine unverzichtbare Energiequelle dar.“, stellte die Präsidentin des Österreichischen Seniorenbundes im Interview fest. Einkommensschwache Senioren könne ein Verbot sogar an den Rand der Existenz treiben.

"Ich bin ein strikter Gegner eines Verbots von Ölheizungen. Für mich ist das ein weiteres Zeichen der grassierenden Regulierungswut.", so LH-Stellv. Manfred Haimbuchner. Foto: FPÖ

Ich bin ein strikter Gegner eines Verbots von Ölheizungen. Für mich ist das ein weiteres Zeichen der grassierenden Regulierungswut.”, so LH-Stellv. Manfred Haimbuchner. Foto: FPÖ

Über 15.000 Österreicher wollen Wärmefreiheit

Der Argumentation schlossen sich im Frühjahr 2017 exakt 15.176 Österreicherinnen und Österreicher an, täglich werden es mehr. Diese Personen unterstützen mit ihrer Unterschrift die Petition des Instituts für Wärme und Öltechnik / kurz IWO für Wahlfreiheit und gegen Zwang bei der Wahl der Heizform. „Die große Zahl an Unterstützungserklärungen zeigt, dass sich die Bürger nicht bevormunden lassen wollen.“, erklärt „HMÖ / Heizen mit Öl“-Geschäftsführer Martin Reichard. In einer „Alt gegen Neu“-Aktion fördert die HMÖ den Umstieg auf ein hocheffizientes Öl-Brennwertgerät mit bis zu 3.000 Euro. Seit Beginn der Aktivität im Jahr 2009 haben 45.000 Haushalte eine Förderung beantragt und ihren Ölkessel getauscht. Dadurch wurden bis Ende 2016 kumuliert 1,104.313 Tonnen weniger CO2 ausgestoßen. Auch die Energieersparnis fiel mit 4.090 Gigawattstunden gewaltig aus. „Das entspricht in etwa der vierfachen Jahresproduktion des Kraftwerks Freudenau.“, so Martin Reichard. Unter anderem aufgrund der Umtauschförderung sind die vom Heizen verursachten CO2-Emissionen seit 1990 um 42 Prozent gesunken. Österreichs Klimaschutzziele für 2020 wurden im Gebäudebereich bereits 2014 erreicht.

www.freiheit-fuer-unsere-waerme.at

Geringe Investition, große Ersparnis

Dennoch gibt es noch viel zu tun. In Österreich heizen rund 800.000 Haushalte mit Öl, darunter sind hunderttausende veraltete Heizanlagen. Wer den Ölkessel erneuert, kann den Heizölverbrauch deutlich senken – und das mit wenig Geld. „Bei keinem anderen Energieträger lässt sich mit so einer geringen Investition so viel Energie einsparen.“, weiß der IWO-Chef. Seine Zielsetzung: Bis 2020 sollen mindestens 60.000 alte Ölheizungen durch neue Brennwertgeräte ersetzt werden. Dadurch würden insgesamt 9.000 GWh Energie bzw. 2,4 Tonnen CO2 eingespart.

Die spricht gegen ein Verbot von Ölheizungen:

  • Durch den fehlenden Wettbewerb wird Heizen allgemein teurer.
  • Eine Umstellung des Heizsystems ist wesentlich kostspieliger als ein Kesseltausch oder oft gar nicht möglich.
  • Nur ein ausgewogener Energiemix garantiert für Versorgungssicherheit.
  • Die Importabhängigkeit Österreichs im Energiebereich steigt durch ein Verbot.
  • Festbrennstoffe verursachen gesundheitsschädlichen Feinstaub. Ein Öl-Brennwertgerät arbeitet nahezu feinstaubfrei.
  • Der Beitrag des Gebäudebereichs zum Klimaschutz ist schon jetzt beträchtlich: Alle EU- und Österreich-Ziele sind bereits oder werden demnächst erreicht. 

www.heizenmitoel.at

www.iwo-austria.at

www.land-oberoesterreich.gv.at/90296.htm

 

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