Über Koper nach Florenz

27. und 28. April 2002

koperDas Leben ist doch viel zu kurz, um einsam oder gar traurig zu lustwandeln.
Wir werden immer hektischer und raffen nach allem, was wir kriegen können.
Wir lassen uns stressen und haben weder Zeit, noch riskieren wir ein Auge nach den wahrlichen Schätzen im Alltag. Ein liebliches Vogelgezwitscher am frühen Morgen, der Sonnenaufgang, die gute Morgenluft nach einer wieder einmal viel zu kurzen Nacht, ein Evergreen aus dem Radio, eine Blumenwiese, das Rauschen des Meeres, der Sommerwind, ein gutes Glas Rotwein, ein trautes Gespräch mit lieben Menschen und noch so vieles andere mehr. Umso schöner ist es doch, wenn man tagsüber kurz in sich gehen kann und für den Bruchteil einer Sekunde abschalten kann, um in diesem Moment Kraft und Energie zu tanken. Starte auch Du den Versuch. Es klappt, ganz bestimmt.

koper1Dies ist die Erzählung einer stinknormalen Autofahrt. Man war zu dritt, kam aus Koper in Slowenien und karrte über die Grenze nach Italien. Triest lag vor uns. Der große Hafen, jener geschichtsträchtige Ort, der einstmals der Österreichisch-Kaiserlichen K. und K.-Seeflotte diente. Man erinnerte sich.
Die Fahrt geht in Serpentinen hinauf über die Hügel. Man blickt herab, sah nochmals auf Triest. Das Meer glitzert in der Sonne, die vielen tausend und abertausend Wellen geben sich ein munteres Stelldichein und viele kleine Glitzersterne bitten zum Tanz auf den Wellen. Es ist kaum eine Wolke am Himmel zu vernehmen. Vor uns die Straße. Es geht flott voran. Später dann Grado und der Beginn des Hausmeisterstrandes, der um diese Zeit – wir schreiben Ende April – noch nicht bevölkert ist. Das Radio spielt leise romantische italienische Musik und die Sonne denkt ans Untergehen. Doch tut sie das wirklich? Nein, die Erde dreht sich für kurze Zeit ab von ihr und auch das ist falsch. Wir bewegen uns für kurze Zeit weg von der Sonne – so muss es heißen – damit ein anderer Teil dieser Welt sich ihrer erfreuen kann.

koper2Die Fahrt geht munter weiter. Unser französischer graumetallic-Freund namens „Renno„ schnurrt durch die Steppe, links und recht, überall Italien. Mein Italien. Wie ich doch dieses Land liebe. Venezia liegt vor uns. Am nächsten Kreuz geht´s Richtung Padua. Der Himmel färbt sich blutrot. Madame Sole schickt sich an und verläßt uns doch – irgendwie – für heute zumindest. Doch alsbald wird sie wiederkehren. Ganz gewiß.

koper3Die Luft ist klar, ein Rastplatz wird angesteuert. Die Lichter gehen an, die nahe Stadt verspricht, groß zu sein. Die Sonne, sie ist weg, ein letzter roter Streif am Horizont verrät, dass sie heute prächtig und warm über uns erstrahlte.

Die Fahrt geht zügig weiter nach Bologna. Die liebliche Radio-Stimme einer anscheinend temperamentvollen Italienerin erzählt uns Geschichten, die wir nur ansatzweise richtig deuten. Man blickt aus dem Fenster. Die Nacht bricht ein. Der Himmel wird dünkler und das Vogelgezwitscher läßt nach. Auch im Wagen wird es dunkel. Der gute Hit von einst aus dem Radio, der hoffnungsfrohe Gedanke an einen lieben Menschen, die Freude auf das, was kommt, eine kleine Flasche Roten in Händen haltend – fahren tut eh wer anderer – der Moment des Genusses. Das Leben hat einen Sinn.

koper4Genieße das Sein und das Jetzt. Erfreue Dich am Schönen und erinnere Dich daran, wenn Du es für nötig hältst. Genieße Dein Leben und … genieße den Moment, er kehrt nie zurück.

Florenz, die Hauptstadt der Toscana und das eigentlich Ziel dieser Fahrt, ward alsbald erreicht.

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