Reinhard “Stan” Libuda

stanDas Buch schildert die Geschichte und das Leben eines einfachen Jungen aus dem Kohlenpott in Gelsenkirchen/Deutschland, der aus ärmlichen Verhältnissen stammend dennoch den Weg zum Ruhm erreichte. Wenngleich ihm nichts widerlicher erschien, als berühmt zu sein. Er spielte Fußball wie kein Zweiter zu seiner Zeit in den frühen 60iger Jahren und riss so die Menge auf den Rängen mit, begeisterte diese und wurde rasch zum Star. Der FC SCHALKE 04, der einstige Skandalklub aus dem Revier, die königsblauen Knappen aus Gelsenkirchen, das war sein Verein.

Reinhard Libuda, den die Anhänger später dann auch liebevoll “Stan” riefen, in Anlehnung an den berühmten englischen Dribbelkünstler Sir Stanley Matthews, war einer von ihnen. Ein Malocher, ein Junge aus dem Pott. Ein Kerl, der von ganz unten kam und den Fußballsport als Bühne sah, um nach oben zu kommen und sich ein klein wenig Standard leisten zu können. Dort, wo der Himmel grau verhangen war, die Schornsteine rauchten, die Leute und Kumpels untertage in die Zeche zur Schicht fuhren, dort wurde immer schon Fußball gespielt. Und der FC SCHALKE 04 ist ein Verein dieser Region. Ein großer Verein.

Für den jungen Reinhard war es immer Ziel gewesen, für SCHALKE in der altehrwürdigen “Glück Auf”-Kampfbahn aufzulaufen. Am 18. August 1962 wurde der Traum des damals 19jährigen Wirklichkeit. Im Spiel gegen Bayer Leverkusen trug er beim 2 : 2-Remis erstmals den Dreß der Königsblauen. Großen Spielen in Blau-Weiß folgten aber immer wieder Durchhänger. So kam es denn, daß er auch einen Platz in der Deutschen Fußballnationalmannschaft sicher glaubte, diesen aber aufgrund wenig konstanter Leistungen immer wieder verlor. Er war ein sensibler Star, der oft und oft an den Hänseleien seiner Mitspieler förmlich zerbrach. Gerade der Österreicher Hans Pirkner war es, der mit seinem Wiener Schmäh den kühlen Deutschen oftmals aus der Fassung brachte.

Später wechselte “Stan” zum großen Revier-Nachbarn und Rivalen Borussia Dortmund. Mit den Schwarz-Gelben gab es große Triumpfe zu feiern. Unter anderem errang am 5. Mai 1966 im Glasgower Hampdon Park Borussia Dortmund den Europapokal der Pokalsieger gegen den FC Liverpool und “Stan” scorte den entscheidenden Treffer in der Verlängerung zum 2 : 1.

Da die Liebe zu seinen Königsblauen aus Gelsenkirchen aber nie ganz schwand, kehrte Reinhard Libuda 1967 zum FC SCHALKE 04 zurück und führte Jahre später, am 1. Juli 1972 als Kapitän den Verein zum deutschen Pokalsieg anhand eines 5 : 0-Sieges im Niedersachsenstadion zu Hannover gegen den 1. FC Kaiserslautern.

Bei der Fußballweltmeisterschaft 1970 ist “Stan” Mitglieder der Deutschen Elf und sorgte beim 5 : 2-Sieg gegen Bulgarien für einen Knalleffekt. Ein Tor erzielte der sensible Rastelli selbst, drei weitere legte er mustergültig für seine Mitspieler auf. Er, der eher ein Vorbereiter, denn ein Scorer und Vollstrecker war, wähnte sich am Zenit seiner Laufbahn.

Verwickelt in den Bestechungsskandal der Deutschen Bundesliga, die in der Spielzeit 1971/72 für Furore sorgte, unzählige Verhöre, Aussagen, Anhörungen und auch Prozesse vor dem DFB-Schiedsgericht zufolge, zehrten an seinen Kräften. Es folgte die Flucht aus Deutschland zu einem Kurzgastspiel bei Racing Straßburg. Reinhard Libuda kehrte allerdings wieder nach SCHALKE zurück, erlebte als Aktiver die Eröffnung des neuen Parkstadions und beendete am 21. September 1974 gegen Fortuna Düsseldorf sein Karriere als Aktiver.

Später übernimmt er einen Tabakladen in Gelsenkirchen, kann sich aber mit dem Job nicht anfreunden. Wiederum Jahre später findet er eine Anstellung in einer Papierveredelungsfirma, ehe die Ärzte im Dezember 1992 Kehlkopfkrebs feststellen. Am 25. August 1996 verstirbt Reinhard “Stan⊃3; Libuda 53jährig und findet am Gelsenkirchener Ostfriedhof seine letzte Ruhestätte.

Der Ruhm war nie etwas für ihn, er wollte immer in Ruhe gelassen werden und war die Bescheidenheit in Person. Ein Großer am Rasen, der für ihn die Welt bedeutete, im Leben allerdings klein, grau und schüchtern. Ein tragisches Schicksal eines großen Fußballers aus einer Epoche, die nicht mehr wiederkehrt.

Thilo Thielke schildert in seiner Biografie auf 224 Seiten akribisch das Leben und Wirken des sensiblen Dribbelkünstlers. Rührend, erschütternd, aber auch oft schmunzelnd zugleich.

“An Gott kommt keiner vorbei, ausser …” Das Leben des Reinhard “Stan” Libuda

VERLAG DIE WERKSTATT
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ISBN 3-89533-377
EUR 16,90

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