Reiner Calmund – Fußball bekloppt

beklopptWer sich mit der Deutschen Fußball-Bundesliga auseinandersetzt, wer diese seit vielen Jahren verfolgt, der kannte ihn bereits. Wer ein Freund der guten Küche und des noch besseren Essens ist, der lernte ihn nun kennen. Gemeint ist niemand geringerer als Reiner Calmund, der sympathische Herr mit der großen Pappalatur aus rheinischen Landen. Erst kürzlich meinte ein DSF-Reporter, dass sein liebster Interview-Partner Reiner Calmund sei, denn man stelle ihm eine simple Frage und er, Calmund, ließe darauf ein Plädoyer folgen. Was an dieser Stelle etwas gemein klingt, ist es wahrlich nicht. Interviews mit Reiner Calmund entwickeln sich aus Dialogen zu Monologen und der Zuhörer stellt dabei immer wieder aus Neue fest, dass er es hier mit jemandem zu tun hat, der sein Handwerk sehr wohl versteht. In jeglicher Hinsicht.

Doch wer ist er, dem dereinst der Ruf vorauseilte, „Der Dicke mit dem Geldkoffer” zu sein? Reiner Calmund war viele Jahre lang beim großen Chemie-Konzern Bayer in Leverkusen aktiv. Dort war sein vielseitiges Aufgabengebiet die Belebung und Vermarktung der Fußball-Abteilung. Und es gelang ihm. Die TSV Bayer 04 Leverkusen avancierte in seiner Amtszeit von einem mittelständischen Zweit-Bundesligisten zu einem der ganz Großen im Deutschen Klubfußball. So stieg unter Reiner Calmunds-Manager-Ära die TSV Bayer 04 im Jahre 1981 in die höchste Deutsche Spielklasse auf und blieb dieser fußballerischen Belletage in Deutschen Landen bis heute erhalten. Wenngleich der ganze große Wurf, der Gewinn der Deutschen Meisterschaft, nie gelang, so war man in Calmunds Ära sehr oft sehr nahe daran und ärgerte die Großen ganz gehörig. 1988 gewann Bayer 04 Leverkusen den UEFA-Pokal und 1993 siegte man in Berlin im Rahmen des DFB-Pokalfinales gegen die Hertha BSC/Amateure. Anno 2000 vergeigte man in Unterhaching am letzten Spieltag die sicher geglaubte Meisterschaft und wurde wieder „nur” Vize. Im Jahre 2002 dann die ganz große Zeit – Bayer tanzte auf allen Hochzeiten, um jedes Finale oder Endspiel zu verlieren. Jedoch dass es überhaupt soweit gekommen war, dass ein selbsternannter Emporkömmling mit den fußballerisch Großen der europäischen Bühne mithalten konnte, das, ja das gehört auch gehuldigt. Gelungen war es ihm, Reiner Calmund, als Manager, der die so genannten Pillen-Kicker aus der deutschen Kleinstadt Leverkusen, vor den Toren Düsseldorfs und Kölns, salon- und auch wettbewerbsfähig gemacht hatte.

Die Biografie schildert – no na – sehr viel aus seiner managerischen Zeit.

Der Leser erfährt die ganze Geschichte, wie es Bayer gelungen war, unmittelbar nach dem Fall der Berliner Mauer im November 1989 die DDR-Aushängeschilder Andreas Thom und Ulf Kirsten nach Leverkusen zu eisen. Es ereilen den Leser aber auch die Hintergrund-Infos, wie es Bayer immer wieder gelang, hervorragende südamerikanische Kicker in die Bundesliga zu lotsen. Hier ging es oftmals sehr turbulent und lebhaft zu. Reiner Calmund widmet in seinem Buch sehr vielen Zeitzeugen und Wegbegleitern höfliche Erinnerungen und nette Anekdoten. Kurzum, das Buch ist absolut lesenswert und sehr lebendig verfasst und geschrieben. Herrlich ist auch folgende Anekdote: Reiner Calmund ruft ganz ausser Atem Rudi Völler fahrend in dessen Auto an, um ihm geschwind mitzuteilen, dass er jetzt keine Zeit zu telefonieren hätte, und ihn später anrufen werde …

Reiner Calmund räumt auch mit dem unausgesprochenen Vorurteil auf, dass dicke Menschen eine überfunktionierende Drüse und somit ein Problem hätten. Er meint, es schmecke ihm und er ist ein absoluter Genussmensch, der sehr gerne isst. Darum kam auch sein Übergewicht zustande im Laufe der Zeit. Er arbeite aber derzeit an einem Abnehmprogramm. Und so ist er auch nach wie vor seinem geliebten Fußball-Sport verbunden, nachdem er im Jahre 2004 als Manager von Bayer 04 abgedankt hatte. Schließlich ist die Idee der „Public Viewing”, die im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland ihre Geburtsstunde hatte, auf seinem „Mist” gewachsen. Runter vom Sofa, hinaus in die Stadt, hin auf die Plätze zum Fußball schauen – dies bewährte sich auch ganz hervorragend bei der EURO 2008 in Österreich und der Schweiz.

Reiner Calmund, ein Besessener, ein Getriebener, ein niemals müde Werdender, ja – ein „Fußball-Bekloppter”, im positiven Sinn.

Reiner Calmund / Die Biographie,
256 Seiten mit Bildteil, gebunden zum Preis von EUR 20,60
ISBN: 978-3-570-01061-7
 
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