Raphael Holzhauser / Spiele genießen, mitnehmen was geht

Foto: Fritz Duras

Raphael Holzhauser am 15. Mai 2016 als letzter Torschütze in der Generali-Arena vor dem Abriss. Foto: Fritz Duras

Der Kapitän und Spielgestalter des FK Austria Wien bezieht in einem AUSTRIA live-Interview (Ausgabe 06/2017/18) Stellung zur derzeitigen nationalen Lage bei den Wiener Violetten, er blickt aber auch auf die UEFA-Europa-League, die nun in die entscheidende Phase einbiegt:

A.l.: Was ist in dieser Gruppe noch möglich?

R.H.: Zuerst möchte ich betonen, dass es nicht selbstverständlich ist, dass wir in der Gruppenphase sind und trotz der vielen Veränderungen alle gute Arbeit geleistet und an einem Strang gezogen haben. Die Gruppenphase nähert sich jetzt ihrer Entscheidung. Wir haben in Griechenland gegen AEK Athen (2 : 2) gesehen, dass wir durchaus mithalten können und auch unser Erfolg bei HNK Rijeka (4 : 1) konnte in diesem Ausmaß nicht erwartet werden. Dafür verloren wir gegen die Kroaten (1 : 3) in Wien. Es entscheiden oft nur Kleinigkeiten. Ich denke, AC Milan ist außer Konkurrenz. AEK Athen, HNK Rijeka und wir sind ungefähr auf Augenhöhe. Da wird auch die Tagesform entscheidend sein. 

A.l.: Wohin kann die Reise in der Meisterschaft Ihrer Meinung nach noch gehen?

R.H.: Unser Ziel muss es sein, dass wir bis zur Winterpause den Kontakt nach oben und den Anschluss an die Spitze – so gut dies eben geht – halten, um dann im Frühjahr voll anzugreifen, wenn dann auch wieder einige verletzte Spieler zurückkehren.

A.l.: Auch der Konkurrenzkampf wird größer, wenn die Langzeitverletzten Venuto und Alexander Grünwald zurückkommen. Vor allem im zentralen Mittelfeld ist die Austria nun breiter aufgestellt. Wie sehen Sie bisher die Neuzugänge?

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Raphael Holzhauser (Bildmitte) am 20. Oktober 2016 im Olympiastadion zu Rom nach einem 3 : 3 seiner Austria. Foto: Fritz Duras

R.H.: Ich denke, alle Neuzugänge haben einen sehr ordentlichen Einstand gehabt. Jinhyun Lee, Ibrahim Alhassan Abdullahi und Ruan Renato Augusto haben gleich Tore gemacht. Das sind erfreuliche News. Sie sind aber auch alle sehr junge Spieler, deshalb ist es auch normal, dass es zu Leistungsschwankungen kommt. Ich habe selbst an meiner Person gelernt: Das wichtigste ist, Konstanz in sein Spiel zu bekommen. Ich glaube, ich spiele jetzt seit zwei Jahren konstant auf einem Level. Mit 19, 20 oder 21 wird man aber auch einmal schlechtere Spiele haben, das ist ganz normal und gehört dazu.

A.l.: Sie sind mit Ihren 24 Jahren beinahe schon ein Routinier in dieser sehr jungen Mannschaft, sind seit knapp drei Jahren bei der Austria, Stammspieler und mittlerweile ein Führungsspieler. Seit den Verletzungen von Robert Almer und Alexander Grünwald sind Sie auch Kapitän. Wie fühlen Sie sich in dieser Rolle?

R.H.:  Ich brauche nicht unbedingt die Schleife, mir wäre es natürlich lieber, „Grüni“ und Robert wären fit. Ich kann auch sonst gut Verantwortung übernehmen und der Mannschaft als Führungsspieler weiterhelfen. Ich denke, wir haben die Situation aber super angenommen. Wir sind ein eingeschworener Haufen. Ich habe in jungen Jahren schon deutsche Bundesliga Gespielt (Anm.: VfB Stuttgart und FC Augsburg) und mir von großen Spielern etwas abschauen können. Diese Erfahrungen versuche ich natürlich auch einzubringen. 

A.l.: Zahlreiche Reisen, Spiele und „englische Wochen“ in letzter Zeit. Wie geht Raphael Holzhauser mit dieser hohen Belastung mental und körperlich um?

R.H.: Natürlich ist das schon ein riesiger Druck, der da auf uns lastet, aber als Spieler freust du dich immer mehr auf Matches als auf Trainings. Spiele machen am meisten Spaß. Wir haben und hatten viele interessante Partien, es bleibt spannend. Letztes Jahr im Oktober hatten wir unsere besten Leistungen gebracht. Heuer ist uns das leider nicht gelungen. Jetzt schauen wir von Spiel zu Spiel.

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Der violette Spielgestalter, Denker und Lenker in der so für ihn typischen Pose. Foto: Fritz Duras

A.l.: Zu Ihrer Position auf dem Platz: Sie haben im zentralen Mittelfeld schon unterschiedliche Positionen gespielt. Wo fühlen Sie sich persönlich wohler, auf der Sechserposition, oder etwas weiter vorne mit Tarkan Serbest hinter Ihnen?

R.H.: Ich fühle mich auf beiden Positionen wohl. Es kommt natürlich darauf an, wie wir in der Innenverteidigung besetzt sind. Wenn Tarkan auf der Sechserposition spielt, rücke ich weiter nach vor. Ich fühle mich im Zentrum wohl, ob das jetzt defensiver oder etwas offensiver ist, ist mir eigentlich ziemlich egal. Ich versuche einfach immer, meine Leistung zu bringen, und das gelingt, glaube ich, ganz gut.

A.l.: Seit fast zweieinhalb Jahren spielen Sie nun auch schon unter Cheftrainer Thorsten Fink. Was macht seine Arbeit aus und so erfolgreich?

R.H.: Entscheidend ist, glaube ich, der klare Plan, den er verfolgt. Wir ziehen sein System seit dem ersten Tag knallhart durch. Es ist ganz klar zu erkennen, wie die Austria spielt. Er ist sehr ehrgeizig, motiviert und erreicht die Mannschaft sehr gut. Das zeichnet ihn aus.

 

Anmerkung:

Raphael Holzhauser hat bis dato, Stand 21. November 2017, 173 Spiele für die Wiener Austria absolviert. In diesem Zeitraum, vom 21. Jänner 2015 bis heute, konnte er dabei auch 31 Tore erzielen. Der gebürtige Niederösterreicher ist derzeit der Dreh- und Angelpunkt im Spiel der Veilchen. Er ist Denker und Lenker, über ihn läuft das „violette Werkel“. Aber, er ist mit seinen 24 Jahren natürlich auch noch sehr jung und man könnte es ihm kaum verdenken, wenn er der Verlockung Ausland dereinst nicht mehr widerstehen kann. Fakt ist, dass sein Vertrag im Sommer 2018 auslaufen wird. Die Austria setzt natürlich alles daran, ihren Spielgestalter weiterhin zu halten. Bis zur Stunde gibt es – gemäß Auskunft des Management des FAK – auch kein konkretes Angebot für ihn. Man darf demnach gespannt sein, wie sich die Wege von Spielgestalter und Verein in Zukunft gestalten werden.

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