Peter Schöttel / Die Karriere des ÖFB Sportdirektors

Peter Schöttel 27-jährig als ÖFB-Teamspieler des Jahres 1994. Autogrammkarte / Sammlung: oepb

Peter Schöttel 27-jährig als ÖFB-Teamspieler des Jahres 1994. Autogrammkarte / Sammlung: oepb

Als Peter Schöttel 1980 als 13-jähriger zum SK RAPID Wien kommt, zieht dort Heribert Weber als Libero mit der Nummer 5 geschickt die Fäden. Der damals 25-jährige Steirer, der in Österreichs WM-Aufgebot 1978 in Argentinien gestanden war, war zur damaligen Zeit mit RAPID drauf und dran, die uneingeschränkte Vormachtstellung des FK Austria Wien in der österreichischen Fußball-Bundesliga zu durchbrechen zu versuchen. Peter Schöttel verfolgte dies alles als Teenager. Später meinte er zu seinen fußballerischen Anfängen: „Ein Freund hat mich zu RAPID gebracht. Als sie mich dort ins Tor stellten, hat´s mich nimmer g´freut und ich habe zwei Jahre pausiert. Dann hab´ ich wieder ang´fangen, als Linksaußen …!“

Peter Schöttel durchwanderte bei RAPID alle Posten, bis er auf der Libero-Position – wenn man so will – spielerisch zur Ruhe kam. „Ein verantwortungsvoller Job.“, so Schöttel, der am 4. Oktober 1986 als 19-jähriger beim Heimspiel gegen den First Vienna FC zu seinem Bundesliga-Debüt kam. Und diese Premiere konnte sich sehen lassen, die Hütteldorfer schlugen die Döblinger mit 4 : 1, Mario Kempes, der argentinische Fußball-Weltmeister von 1978, konnte die RAPID-Abwehr nur einmal überlisten, aus einem Freistoß heraus.

Angesprochen auf sein(e) Vorbild(er), meinte der sympathische Schlacks, dass er glaube, dass ihm die Rolle von Austria´s Libero Erich Obermayer sehr gut liegen würde. Aber auch jene Spielweise des VfB Stuttgart Abwehrspielers Karl-Heinz Förster hätte ihn beeindruckt. Überhaupt erweckte Peter Schöttel bereits in sehr jungen Fußballer-Jahren einen überaus selbstbewussten Eindruck.

Peter Schöttel (links) gegen Thomas Flögel. Aus SK RAPID Wien gegen FK Austria Wien (3 : 1) vom 23. Oktober 1994. Foto: oepb

Peter Schöttel (links) gegen Thomas Flögel. Aus SK RAPID Wien gegen FK Austria Wien (3 : 1) vom 23. Oktober 1994. Foto: oepb

Als Heribert Weber im Herbst 1986 verletzungsbedingt ausfiel, avancierte der „Notnagel“ Schöttel zur „perfekten Lösung“ – so ein Ausspruch des damaligen RAPID-Trainers Otto Baric. „Wenn Weba wieda gesund, ich muss ibalegen ob Schettl oda Weba wird spielen. Das wird schwer.“, so der kroatische Zungenakrobat Otto „Maximale“ Baric in der Saison 1986/87. Peter Schöttel war darüber zwar erfreut, meinte aber auch, dass seine Zeit kommen würde, und wenn er nun wieder auf der Bank Platz nehmen müsse, dann mache ihm das nichts aus, denn der Kader bei RAPID sei eben groß und er sei froh, überhaupt dabei sein zu dürfen. Diese hier geschilderten Aussagen stammten allesamt von einem knapp 20-Jährigen, der bereits eine Ahnung hatte, was er konnte und was er wollte.

Nun, man kann es vorweg nehmen, geworden sind daraus 524 Pflichtspieleinsätze für den SK RAPID Wien in den Jahren 1986 bis 2002. In dieser Zeit wurde er mit den Hütteldorfern dreimal österreichischer Fußballmeister und zweimal Österreichischer Cupsieger. Aber auch in der Österreichischen Fußball-Nationalmannschaft fasste er Fuß und streifte 63mal den Teamdress über. Zum Debüt kam es hier am 5. Februar 1988 in Monaco. Österreich traf im Zuge eines Turniers auf die Schweiz und unterlag mit 1 : 2. Trotz dieser Premieren-Niederlage stand Peter Schöttel zweimal im WM-Aufgebot Österreichs. Zum einen für die Endspiel-Teilnahme 1990 in Italien und zum anderen war er wie selbstverständlich auch im Kader 1998 für die Fußball-WM in Frankreich.

Peter Schöttel am 13. November 1994 vor dem Trip nach Lissabon zum Länderspiel Portugal gegen Österreich (1 : 0). Foto: oepb

Peter Schöttel am 13. November 1994 vor dem Trip nach Lissabon zum Länderspiel Portugal gegen Österreich (1 : 0). Foto: oepb

Anlässlich seiner Premiere im A-Team ist auch eine lustige Anekdote überliefert: „Als ich das erste Mal dabei war, musste ich das ganze Training in Laufschuhen absolvieren. Ich dachte, meine Fußballschuhe sind im Hotel verloren gegangen, dabei hat sie mir der Andreas Ogris versteckt und 5 Minuten vor dem Trainingsende zur Mittelauflage gestellt. Die Mitspieler haben mich dann tagelang gehäkerlt. Von da an wusste ich, dass man auf den Ogerl von der Austria noch mehr aufpassen muss.“, so Peter Schöttel in seiner Erinnerung.

Josef Hickersberger war in gewisser Weise sein Ziehvater. Bereits in Österreichs Unter 21-Team ist er der Trainer von Schöttel, später holte er ihn in den A-Kader. Wiederum Jahre darauf bildeten beide das erfolgreiche Gespann bei RAPID, der eine als Trainer der andere als Sport-Direktor. Heraus kam dabei die gewonnene Meisterschaft 2004/05, sowie die Qualifikation zur UEFA Champions League im Herbst 2005. Am 11. November 2006 beschloss Peter Schöttel das Amt des Sportdirektors bei RAPID nicht mehr ausüben zu wollen. Was war geschehen? Als RAPID gegen den FC Pasching im Hanappi-Stadion 1 : 1 spielte und in der Meisterschaft mehr schlecht als recht dagestanden war, kam es unmittelbar nach Spielschluss zu einem sogenannten „Ultra-Aufstand“. Schwarz bekaputzte und teilweise vermummte Jugendliche bauten sich vor dem 1,90 Meter großen Sportdirektor auf und plärrten diesem lautstark ins Gesicht: „WIR SIND RAPID und wer bist Du?“ Nun, das konnte und wollte sich Schöttel einfach nicht mehr länger bieten lassen.

Peter Schöttel (rechts) diesmal mit der Nummer 3. Die Nummer 5 trug in diesem Spiel (Bildmitte) Wolfgang Feiersinger. Rechts der Italiener Alessandro Del Piero. Aus Italien gegen Österreich (2 : 1) vom 23. Juni 1998, dem letzten WM-Endrundenspiel einer österreichischen Fußballnationalmannschaft bis dato. Foto: oepb

Peter Schöttel (rechts) diesmal mit der Nummer 3. Die Nummer 5 trug in diesem Spiel (Bildmitte) Wolfgang Feiersinger. Rechts der Italiener Alessandro Del Piero. Aus Italien gegen Österreich (2 : 1) vom 23. Juni 1998, dem letzten WM-Endrundenspiel einer österreichischen Fußballnationalmannschaft bis dato. Foto: oepb

Als Aktiver war Peter Schöttel bei RAPID absoluter Publikumsliebling gewesen. Seine legendäre Rücken-Nummer 5 – ähnlich die seines Vorgängers auf diesem Posten „Ehrenkapitän“ Heribert Weber – hatte Kult-Status. Der Verein beschloss, nach dem Karriereende Schöttel´s die Nummer 5 zehn Jahre lang nicht mehr vergeben zu wollen – was auch geschah.

Was folgte war die zweite Karriere. Über Trainer-Stationen der SK RAPID/Amateure und dem Wiener Sportklub im Unterhaus, folgten Engagements beim SC Wiener Neustadt (2009 bis 2011, die Oberhaus-Klasse konnte zweimal – einmal als 5., einmal als 7. – bravourös gehalten werden), der Kampfmannschaft von RAPID (2011 bis 2013, einmal Vize-Meister und einmal 3. Platz), sowie beim SV Grödig (2015/16, Abstieg aus dem Oberhaus).

In letzter Zeit war es still geworden um ihn, ehe der ÖFB in einer Aussendung verkündete, dass Peter Schöttel am 1. August 2017 den Trainer-Posten der U19 Nationalmannschaft übernehmen wird. Und seit gestern, 7. Oktober 2017 ist bekannt, dass Peter Schöttel neuer Sportdirekor beim ÖFB wird und dieses – sein neues Amt – am 10. Oktober 2017 antreten wird.

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