NÖ-Ärztekammer begrüßt Ruf nach unabhängiger Qualitätskontrolle

IMG_9934_Rei_klein450„Die Ärzteschaft hat sich in Bezug auf die Qualität ihrer Arbeit überhaupt nichts vorzuwerfen. Es gibt keine andere Berufsgruppe, die bereits heute in diesem Ausmaß gesetzlich zu qualitätssichernden Maßnahmen verpflichtet ist.“, so Dr. Christoph Reisner, Präsident der NÖ-Ärztekammer. Daher wird seitens der Standesvertretung in Niederösterreich auch der Ruf der so genannten Patientenanwaltschaft nach einer unabhängigen Qualitätskontrolle begrüßt. „Bei der Ärzteschaft funktioniert die derzeitige Qualitätskontrolle streng laut gesetzlichem Auftrag. Wenn der Gesetzgeber etwas anderes haben will, dann muss er das beschließen. Wir haben keinen Grund, uns dagegen zu wehren.“

Bildtext: NÖ-Ärztekammer-Präsident Dr. Christoph Reisner. Foto: NÖ-Ärztekammer

Ein Behandlungsfehler auf eine Million Behandlungen
Dr. Christoph Reisner hält es in diesem Zusammenhang jedoch für völlig inadäquat, dass der niederösterreichische Patientenanwalt anhand von Einzelfällen das ganze System schlecht macht. „Gemessen an der Zahl der medizinischen Behandlungen ist die Fehleranzahl so gering wie bei keiner anderen Berufsgruppe. In Niederösterreich lässt sich aufgrund der veröffentlichten Zahlen der NÖ Patientenanwaltschaft errechnen, dass etwa einmal bei einer Million ambulanten Behandlungen ein Behandlungsfehler bewiesen oder außergerichtlich anerkannt wird.“ Statt sich über Einzelfälle im niedergelassenen Bereich aufzuregen, für die er ganz nebenbei bemerkt überhaupt nicht zuständig ist, sollte sich der Patientenanwalt laut Präsident Dr. Reisner besser um grobe Systemfehler kümmern, die maßgeblich die Qualität der Medizin negativ beeinflussen. „Trotz Kenntnis von Arbeitszeitüberschreitungen, Mängel bei der Ausbildung oder fehlenden Fachärzten wie in mehreren Regionen Niederösterreichs schreitet der Patientenanwalt in solchen Fällen leider nicht ein.“
 
Unabhängige Patientenvertretung dringend notwendig
Ob das daran liegt, dass er als Beamter des Landes den gleichen Dienstgeber hat, der auch alle Spitäler betreibt, sei dahingestellt. „Mit dem Ruf nach unabhängigen Kontrolleinrichtungen hat er natürlich nicht unrecht. Das muss aber für alle gelten, also auch für den Vertreter der Interessen von Patienten, sonst hat das keinen Sinn. Wer in Lohn und Brot beim Spitalserhalter steht, wird wohl wenig Interesse haben, dort vorhandene Missstände aufzuzeigen, auch wenn er eigentlich ausschließlich dafür zuständig ist.“ Präsident Dr. Christoph Reisner appelliert in diesem Sinne an alle Verantwortlichen im Gesundheitssystem, gemeinsam echte Systemfehler ernst zu nehmen und vernünftigen Lösungen zuzuführen statt im Nachhinein anhand von Einzelfällen von der echten Problematik abzulenken.

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