Nationalbibliothek erwirbt Brief-Bestand zu Ludwig Wittgenstein

Korrespondenz zwischen dem Schuldirektor Ludwig Hänsel und dem Philosophen Ludwig Wittgenstein. Foto: © Österreichische Nationalbibliothek

Korrespondenz zwischen dem Schuldirektor Ludwig Hänsel und dem Philosophen Ludwig Wittgenstein. Foto: © Österreichische Nationalbibliothek

Die Österreichische Nationalbibliothek / kurz ÖNB konnte einen großen Bestand zu Ludwig Wittgenstein erwerben, einem der bedeutendsten Philosophen des 20. Jahrhunderts. Die 259 Briefe und Karten ergänzen die umfangreichen Wittgenstein-Bestände, die sich bereits in der Österreichischen Nationalbibliothek befinden und seit 2017 zum UNESCO-Weltdokumentenerbe zählen.

259 Briefe und Karten

Die wichtigste Quelle zur über 30 Jahre dauernden Freundschaft zwischen dem Schuldirektor Ludwig Hänsel und dem Philosophen Ludwig Wittgenstein ist ein umfangreiches Konvolut von Korrespondenzen. Dieses umfasst 259 Briefe und Karten aus den Jahren 1919 bis 1951, darunter 115 Briefe Wittgensteins an Hänsel, 12 Briefe von Hänsel an Wittgenstein, sowie weitere Schreiben Hänsels an Mitglieder der Familie Wittgenstein bzw. an enge Freunde der Familie. Dabei handelt sich um eine der letzten großen, noch im Antiquariatshandel erhältlichen Sammlungen von Originaldokumenten zum berühmten Philosophen. Die Österreichische Nationalbibliothek konnte sie vor kurzem um 175.000 Euro erwerben. Der Ankauf sichert nicht nur den Verbleib dieses bedeutenden Briefwechsels in Österreich, sondern ergänzt die umfangreiche Wittgenstein-Sammlung, sowie den Teilnachlass Ludwig Hänsel. Der Bestand ist bereits über den Online-Katalog QuickSearch abrufbar.

Portrait Ludwig Wittgenstein, Foto: Moritz Nähr, 1930 – © Österreichische Nationalbibliothek

Portrait Ludwig Wittgenstein, Foto: Moritz Nähr, 1930 – © Österreichische Nationalbibliothek

Die Freundschaft zwischen Ludwig Wittgenstein und Ludwig Hänsel

„Es bleibt Dir – bei Deinen Qualitäten – ja doch nichts übrig, als ein Heiliger zu werden“, schreibt Ludwig Hänsel vor ziemlich genau 100 Jahren, am 27. September 1920, an seinen Freund Ludwig Wittgenstein. Die beiden lernten sich 1919 im italienischen Kriegsgefangenenlager in Monte Cassino kennen. Hänsel, selbst Mittelschullehrer, später Schuldirektor, hatte wohl wesentlich Anteil an Wittgensteins Entscheidung, nach dem Ersten Weltkrieg ebenfalls den Lehrerberuf zu ergreifen. Hänsel interessierte sich lebhaft für Philosophie und publizierte auch zahlreiche Artikel, die von Wittgenstein jedoch teilweise schonungslos kritisiert wurden. Trotz dieser inhaltlichen Differenzen blieben sie bis zu Wittgensteins Tod freundschaftlich eng verbunden.

Ludwig Wittgenstein als Weltdokumentenerbe

Ludwig Wittgenstein, dessen Todestag sich im April 2021 zum 70. Mal jährt, ist einer der bedeutendsten Philosophen des 20. Jahrhunderts. Da er außer dem berühmten Frühwerk „Tractatus Logico-Philosophicus“ aus dem Jahr 1918 zu Lebzeiten nichts publizierte, ist es sein rund 20.000 Seiten umfassender philosophischer Nachlass, der sein Gesamtwerk auf beeindruckende Weise dokumentiert. Die Österreichische Nationalbibliothek besitzt einen wichtigen Teil dieses Nachlasses, darunter die Urfassung der „Philosophischen Untersuchungen“ und zwei Originaltyposkripte des „Tractatus“. Dieser philosophische Nachlass wurde 2017 in die Weltdokumentenerbe-Liste der UNESCO aufgenommen.

Ebenfalls im Bestand der Österreichischen Nationalbibliothek sind umfangreiche Fotoalben der legendären Industriellenfamilie Wittgenstein.

Quelle: ÖNB / Österreichische Nationalbibliothek

www.onb.ac.at

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