Medikamenten-Sparen ist möglich

Präsident der NÖ-Ärztekammer Dr. Christoph Reisner

Präsident der NÖ-Ärztekammer Dr. Christoph Reisner

5. Oktober 2010

Mit Sorge reagiert Dr. Christoph Reisner, Präsident der NÖ-Ärztekammer auf die Diskussion rund um billigere Medikamentenkosten auf Basis des so genannten Salzburger Modells: „Bei diesem Ansatz handelt es sich wieder einmal um versteckte Rationierung zu Ungunsten der Patienten auf dem Rücken der Ärzte“, so der Ärztekammerpräsident. „Wir Ärzte unterliegen einem Berufsrecht, wonach wir verpflichtet sind, nach den Regeln der ärztlichen Heilkunst zu behandeln“, so Christoph Reisner weiter. „Wenn ein Arzt der Meinung ist, einem Patienten würde ein bestimmtes Medikament helfen, macht er sich sogar strafbar, wenn er ihm ein anderes gibt, von dem er weiß, dass es nicht so gut wirkt.“ Für Präsident Dr. Reisner ist es daher evident, dass dieses Modell nicht mit dem Ärztegesetz vereinbar oder zumindest berufsrechtlich als problematisch zu sehen ist.

Auch der Medikamentenreferent der NÖ Ärztekammer, Dr. Wolfgang Geppert, schließt sich dieser Meinung an: „Wenn verschiedene Medikamente wirklich gleich wären, sollte es doch aus Sicht der Sozialversicherungsträger kein Problem sein, sich auf ein einziges Medikament, beispielsweise das billigste einer Auswahl, zu beschränken und nicht wirklich alle Medikamente einer Wirkstoffgruppe zuzulassen. Tatsache ist, dass es innerhalb einer Wirkstoffgruppe sehr wohl Unterschiede gibt. Wer das ignoriert, nimmt die moderne Medizin nicht ernst.“

Mit dem Salzburger Modell wird den Ärzten daher eine Kostenverantwortung übertragen, ohne auf die medizinische Verantwortung der Ärzte gegenüber den Patienten zu achten. Das kann aus Sicht von Dr. Geppert nicht akzeptiert werden. „Sparen im Bereich der Medizin und auch der Medikamente ist möglich. Aber das Salzburger Modell ist sicherlich der falsche Ansatz.“

Das Salzburger Modell ist wieder einmal ein Versuch der Verwaltungsbeamten, Geld an den falschen Stellen einzusparen und die Verantwortung dafür Unbeteiligten zuzuschieben. „Wenn die Politik weniger Geld in die Hand nehmen will soll sie es sagen“, so Präsident Dr. Reisner. „Die primäre Aufgabe der Ärzteschaft ist es jedenfalls, die Patienten nach den Regeln der ärztlichen Heilkunst zu behandeln.“ Natürlich kann und wird auch der einzelne Arzt auf das längst bestehende Ökonomiegebot achten. Aber die Ärzteschaft in Sachen Verschreibung unter Druck zu setzen, wodurch möglicherweise Fehler entstehen, ist aus Sicht von Präsident Dr. Reisner der falsche Ansatz.

„Die Entscheidung, welche Medikamente vom öffentlichen System bezahlt werden, muss an oberster Stelle fallen. Und die Politiker sollten diese Verantwortung gegenüber der Wählerschaft auch übernehmen. Den Politikern fehlt jedoch der Mut, wirklich Entscheidungen zu treffen. Wenn es tatsächlich politischer Wille ist, dass nur das billigste Medikament verschrieben werden soll, dann dürfen alle anderen nicht zugelassen werden, oder sollten aus der grünen oder gelben Box genommen werden. Den Ärzten erst eine breite Palette an Auswahl zu bieten, diese dann bei der Verschreibung berufsrechtlich problematisch wieder drastisch einzuschränken, ist aus meiner Sicht sicherlich der falsche Weg“, fasst Präsident Dr. Christoph Reisner zusammen.

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