Lungenentzündung / Die Gefahr steigt mit dem Alter

"Zu wos brauch ma des?" - so hörte man in früheren Jahren die Altvorderen stets gerne palavern, wenn es um Neu-Anschaffungen oder gar um medizinische Vorbeugung ging. Nun, das Vorbeugen und Impfen ist gerade für die ältere Generation unter uns heutzutage geradezu ein Gebot der Stunde. Foto: oepb

“Zu wos brauch ma des?” – so hörte man in früheren Jahren die Altvorderen stets gerne palavern, wenn es um Neu-Anschaffungen oder gar um medizinische Vorbeugung ging. Nun, das Vorbeugen und Impfen ist gerade für die  ältereGeneration unter uns heutzutage geradezu ein Gebot der Stunde. Foto: oepb

Lungenentzündung ist eine gefährliche Krankheit. Weltweit verursachte sie im Jahr 2015 16 Prozent aller Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren. In den Industriestaaten ist sie vor allem eine Erkrankung des Alters. Je älter jemand wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, an einer Lungenentzündung zu erkranken. Aufgrund der steigenden Anzahl älterer und auch chronisch kranker Menschen in unserer Gesellschaft werden die Erkrankungsraten in den nächsten Jahren voraussichtlich weiter zunehmen. Bei knapp einem Drittel der Patienten wird die Lungenentzündung durch Pneumokokken ausgelöst. Wer sich dagegen schützen will, kann sich impfen lassen.

Ältere Menschen haben andere Symptome als Jüngere
Lungenentzündungen (Pneumonien) treten nicht nur, aber vor allem, in der kalten Jahreszeit auf. Typische Symptome einer (Pneumokokken-)Pneumonie sind bei jüngeren Menschen hohes Fieber, das manchmal mit Schüttelfrost einhergeht, begleitet von trockenem Husten und eitrigem Auswurf. Auch Brustschmerzen und Atemnot kommen vor. Im Alter verändern sich die Symptome. Husten, Schüttelfrost, Fieber und Auswurf sind meist deutlich weniger ausgeprägt. Herzrasen, erhöhte Atemfrequenz und Austrocknung sind häufig. Auch Flüssigkeitsansammlungen zwischen Lunge und Brustkorb, Verwirrtheit, Durchfall sowie eine eingeschränkte Nierenfunktion werden bei älteren Patienten öfter beobachtet. Tritt Verwirrung als einziges Symptom auf, kann das zu einer verspäteten Diagnose führen, was gerade bei älteren Personen besonders gefährlich ist.
 
Höhere Infektanfälligkeit
„Ältere Menschen leiden eher unter chronischen Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes“, erzählt Dr. Birgit Weinberger vom Institut für Biomedizinische Alternsforschung der Universität Innsbruck. Und sie fährt fort: „Außerdem nimmt die Funktionsfähigkeit des Immunsystems ab, was zu einer erhöhten Infektanfälligkeit führt. Die oft unspezifischen Symptome werden auch von den Betroffenen häufig nicht oder nicht rechtzeitig als Zeichen einer akuten Erkrankung wahrgenommen. Daher können Lungenentzündungen bei Senioren leicht lebensbedrohlich werden.“  
 
Erkrankungswahrscheinlichkeit steigt mit jeder Lebensdekade
Die Wahrscheinlichkeit, an einer Lungenentzündung zu erkranken, steigt mit jedem Lebensjahrzehnt. Laut einer Studie des Infektions-Experten Christoph Wenisch sind knapp 70 Prozent aller Patienten, die in Österreich wegen Lungenentzündung im Spital behandelt werden, 65 Jahre oder älter. Etwa ein Fünftel der Patienten dieser Gruppe kommt aus einem Altersheim ins Spital. Und dort müssen sie im Regelfall auch länger behandelt werden als Jüngere – im Schnitt um 2,4 Tage. Insgesamt verbringen sie etwa 12 Tage im Krankenhaus.

Was viele unterschätzen: 12,7 Prozent der über 65-jährigen, die wegen Lungenentzündung im Spital behandelt wurden, überleben die Erkrankung nicht. Von jenen, die aus einem Altersheim kommen, waren es sogar 16,9 Prozent. Auch nach dem Krankenhausaufenthalt benötigen vor allem die über 65-jährigen Patienten weiterhin intensive Betreuung. 22,4 Prozent von ihnen mussten laut Studie in ein Altersheim entlassen werden, 27,3 Prozent benötigten Krankenbetreuung zuhause.

Langzeitrisiko steigt ebenfalls
Nicht unterschätzt werden darf auch das Langzeitrisiko für Patienten, die eine Lungenentzündung überstanden haben. Aktuelle Studiendaten weisen besonders auf einen Zusammenhang zwischen Lungenentzündung und einem erhöhten Risiko für ein nachfolgendes Herzversagen hin. Auch davon sind Patienten über 65 Jahren besonders stark betroffen. „Eine Pneumokokken-Impfung kann jedoch eine Erkrankung und damit auch mögliche Folgeerkrankungen in vielen Fällen verhindern.“, erklärt Dr. Birgit Weinberger.
 
Pneumokokken können invasive Erkrankungen verursachen
Die Haupterreger der Lungenentzündung – die Pneumokokken – können auch andere schwerwiegende Infektionen, die sogenannten invasiven Pneumokokken-Erkrankungen, auslösen. Zu diesen Erkrankungsformen gehören beispielsweise Blutvergiftung (Sepsis) oder Gehirnhautentzündung (Meningitis). Auch sie treten bei Personen über 65 Jahren wesentlich öfter auf als bei jüngeren. Die Häufigkeit der Krankheitsfälle steigt von 4,8 pro 100.000 bei 45- bis 65-jährigen auf 17,9 pro 100.000 bei den 75- bis 79-jährigen an. Insgesamt sind mehr als die Hälfte der registrierten Patienten mit invasiven Pneumokokken-Erkrankungen in Österreich über 65 Jahre alt. Aber nicht nur die Infektionsraten steigen mit dem Alter drastisch an, leider auch die Wahrscheinlichkeit, an der jeweiligen Infektion zu versterben.

Dass Impfen viele Krankheits- und Todesfälle verhindern kann, belegen Daten aus den USA. Sie zeigen, dass die Häufigkeit invasiver Pneumokokken-Erkrankungen mit Einführung der Pneumokokken-Impfung für Kinder und der späteren Impfempfehlung für Erwachsene sukzessive zurückging.

www.impfen-vfi.at

 

 

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