Ludwig van Beethoven / Menschenwelt und Götterfunken

Ludwig van Beethoven; Lithografie nach einer Zeichnung von August von Kloeber; 1841 - Foto: © Österreichische Nationalbibliothek

Ludwig van Beethoven; Lithografie nach einer Zeichnung von August von Kloeber; 1841 – Foto: © Österreichische Nationalbibliothek

Ludwig van Beethoven: Der Name steht für ein musikalisches Lebenswerk, das bis heute die Menschen weltweit begeistert.

Zum 250. Geburtstag des großen Komponisten im Jahr 2020 widmet ihm die Österreichische Nationalbibliothek / kurz ÖNB schon ab 19. Dezember 2019 im Prunksaal die Sonderausstellung „Beethoven. Menschenwelt und Götterfunken“.

Über 100 Objekte präsentieren darin den Menschen ebenso wie das überragende Musikgenie. Das Spektrum reicht von wichtigen Originalpartituren über eine umfangreiche Sammlung von Briefen bis hin zu interessanten Bilddokumenten, die alle aus den Beständen der Österreichischen Nationalbibliothek stammen.

Bereichert werden diese historischen „Zeitzeugen“ um eine kostbare Leihgabe der Staatsbibliothek zu Berlin, die erstmals in Österreich öffentlich ausgestellt ist:

Ein Teil des Originalmanuskripts der 9. Sinfonie, des wahrscheinlich bekanntesten Werkes Beethovens. Aufgeschlagen ist jene Seite, die die berühmten Textworte „Freude, schöner Götterfunken“ enthält.

Die Partitur zählt seit 2001 zum UNESCO-Weltdokumentenerbe und ist aus konservatorischen Gründen nur bis einschließlich 8. März 2020 im Original zu sehen.

Gleichzeitig mit der Ausstellung startet auch „Beethoven Digital“: Auf diesem Portal stehen erstmals alle Objekte mit direktem Bezug zu Beethoven, die in den Archiven der Österreichischen Nationalbibliothek verwahrt werden, allen Interessierten online zur Verfügung.

Eintragung von Graf Ferdinand Waldstein: „Durch ununterbrochenen Fleiß erhalten Sie: Mozart’s Geist aus Haydns Händen.“; Beethovens Stammbuch; 1792 – Foto: © Österreichische Nationalbibliothek

Eintragung von Graf Ferdinand Waldstein: „Durch ununterbrochenen Fleiß erhalten Sie: Mozart’s Geist aus Haydns Händen.“; Beethovens Stammbuch; 1792 – Foto: © Österreichische Nationalbibliothek

Von Bonn nach Wien

Ludwig van Beethoven wurde am 17. Dezember 1770 in Bonn getauft, weshalb die Welt 2020 seinen 250. Geburtstag feiert. Ihren Ausgangspunkt nimmt die Ausstellung beim jungen Beethoven, der 1792 von Bonn nach Wien aufbrach, um dort sein Studium der Musik fortzusetzen. Dass aus dem geplanten Studienaufenthalt ein Bleiben bis zu seinem Tod am 26. März 1827 werden würde, ahnte zu diesem Zeitpunkt noch niemand. In das im Original ausgestellte Stammbuch, das die Bonner Freunde zum Abschied Beethovens verfassten, trug sich auch Graf Ferdinand Waldstein ein mit der prophetischen Formulierung: „Durch ununterbrochenen Fleiß erhalten Sie: Mozart’s Geist aus Haydns Händen.“ Damit wird der 21-jährige Musiker erstmals in der direkten Verbindung mit Haydn und Mozart genannt.

In Wien nahm Beethoven Unterricht bei mehreren musikalischen Autoritäten, darunter etwa Johann Fux, Johann Albrechtsberger und Antonio Salieri. Der Unterricht umfasste Kontrapunktstudien ebenso wie Vokalkomposition. Das Verhältnis zu seinem Lehrer Joseph Haydn war nicht völlig ungetrübt: Beethovens ungestümer Habitus und sein Selbstbewusstsein ließen seinen alternden Lehrer mitunter vom „Großmogul“ sprechen.

Die Menschenwelt

Beethovens Begegnungen mit Zeitgenossen, mit seinen Lehrern, SchülerInnen, Musikern und Mäzenen, mit Frauen und Freunden, aber auch mit seiner Familie stehen in der Ausstellung für seine „Menschenwelt“. Denn er war nicht der „einsame Kämpfer“, als den ihn seine Nachwelt idealisierte, sondern ein Komponist, der mit seiner Umwelt auf vielfältige Weise in Kontakt stand. Handschriftliche Briefe Beethovens an seinen Mäzen Erzherzog Rudolph, den Bruder von Kaiser Franz II., an Wiener Musiker und Freunde machen die unterschiedlichen Facetten seiner Persönlichkeit – und auch seinen sarkastischen Humor – erkennbar. Da Beethovens Handschrift nahezu unleserlich ist, werden zu den wichtigsten Briefstellen Transkriptionen gelegt.

Besonderes Augenmerk wird beim Thema Frauen seit jeher auf die anonyme Adressatin des berühmten Briefes an die „Unsterbliche Geliebte“ gelegt, die Beethoven als „Mein Engel, mein alles, mein Ich“ bezeichnete.

Wien zur Zeit Beethovens, Kohlmarkt mit Artaria-Haus; Radierung von Karl Schütz und Johann Ziegler; um 1800 – Foto: © Österreichische Nationalbibliothek

Wien zur Zeit Beethovens, Kohlmarkt mit Artaria-Haus; Radierung von Karl Schütz und Johann Ziegler; um 1800 – Foto: © Österreichische Nationalbibliothek

Obwohl Beethoven zeitlebens die Freundschaft zu seinen Bonner Jugendfreunden aufrecht hielt, erschwerten sein misstrauischer und leicht reizbarer Charakter das Schließen neuer Freundschaften.

Die in den späteren Jahren hinzukommende angeschlagene Gesundheit und die zunehmende Gehörlosigkeit waren hierfür ebenso nicht förderlich. Zu den wenigen Wiener Freunden konnte sich der Hofsekretär, Cellist und Komponist Nikolaus Paul Zmeskall von Domanovecz zählen, aus dessen Nachlass die Österreichische Nationalbibliothek über hundert Briefe, Billetts und Notizen von Beethoven besitzt und die intime und manchmal auch humorvolle Einblicke in den freundschaftlichen Umgang Beethovens gewähren.

In der Ausstellung werden auch Beethovens spannungsreiche familiären Beziehungen thematisiert. Nach dem Tod seines Bruders Kaspar Anton Karl, der ebenfalls Musiker war, übernahm Ludwig van Beethoven 1815 die Vormundschaft über dessen Sohn Karl. Diese wurde zu einem jahrelangen Kampf mit seiner Schwägerin Johanna, die auf ihre Mutterrechte nicht verzichten wollte. Karl, der sich den hohen Anforderungen des Onkels nicht gewachsen fühlte, unternahm am 8. August 1826 einen Selbstmordversuch, der für Beethoven eine der größten Erschütterungen und schmerzlichsten Niederlagen seines Lebens bedeutete.

Weitere biografische Lebensdokumente, darunter der berühmte Rentenvertrag, mit dem Beethoven von seinen Wiener Mäzenen zum Verbleib in Wien überzeugt wurde, runden den „menschlichen“ Aspekt der Schau ab.

„Freude, schöner Götterfunken“ aus dem Finalsatz der 9. Sinfonie, op. 125; Originalhandschrift von Ludwig van Beethoven; 1823 – Foto: © bpk/Staatsbibliothek zu Berlin/Carola Seifert, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv;

„Freude, schöner Götterfunken“ aus dem Finalsatz der 9. Sinfonie, op. 125; Originalhandschrift von Ludwig van Beethoven; 1823 – Foto: © bpk/Staatsbibliothek zu Berlin/Carola Seifert, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv;

Der Götterfunken

Für den „Götterfunken“ Beethovens stehen in der Ausstellung die Originale jener Meisterwerke, die bis heute zum klassischen Kanon gehören, wie etwa sein Violinkonzert op. 61 oder die „Frühlingssonate“ op. 24.

Beethovens Violinkonzert op. 61 aus dem Jahr 1806 ist sein einziges Werk dieser Gattung und gilt als Prüfstein für das Können jedes Violinvirtuosen. Sehr ungewöhnlich ist bereits der Beginn: Das Werk wird mit vier leisen Paukenschlägen eröffnet. Die zeitgenössische Kritik war daher zwiegespalten, seinen Durchbruch erlebte das Konzert erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Das Manuskript gelangte als Teil des Nachlasses von Carl Czerny, einem Schüler und Freund Beethovens, in die Österreichische Nationalbibliothek.

Die Violinsonate op. 24, besser bekannt als „Frühlingssonate“, ist eines der beliebtesten Kammermusikwerke Beethovens. Sie entstand 1801 und ist dem Grafen Moritz von Fries gewidmet. Eine handschriftliche Randglosse auf diesem wichtigen Ausstellungsobjekt dokumentiert den Zorn Beethovens, der entdeckt hatte, dass ein Kopist in seine Handschrift unbefugt – und unrichtig – die Bezeichnung für Triolen (3) und Triolenpaare (6) notiert hatte. Er schrieb mit Rötelstift an den Rand: „Der Copist der die 3 und 6 hier hinein gemacht war ein Esel“.

„Die Intimen bei Beethoven“: Anton Schindler, Sigmund Anton Steiner, Georg Joseph Vogler und Gottfried van Swieten; Stich nach einem Gemälde von Albert Gräfle; um 1892 – Foto: © Österreichische Nationalbibliothek

„Die Intimen bei Beethoven“: Anton Schindler, Sigmund Anton Steiner, Georg Joseph Vogler und Gottfried van Swieten; Stich nach einem Gemälde von Albert Gräfle; um 1892 – Foto: © Österreichische Nationalbibliothek

Originalhandschrift der 9. Sinfonie

Zusätzlich zu den Objekten aus dem Bestand der Österreichischen Nationalbibliothek ist in den ersten drei Monaten der Ausstellung ein Teil jenes Werkes zu sehen, das wie kein anderes mit Beethovens Namen identifiziert wird: die 9. Sinfonie in d-Moll op. 125, die seit 1985 auch die offizielle Europahymne ist. Anlass zur Komposition war ein Auftrag der Londoner Philharmonic Society für zwei Sinfonien, den Beethoven 1817 erhielt. Es entstanden erste Skizzen und Entwürfe, an denen erkennbar ist, wie beharrlich er an der Themenbildung arbeitete.

Die 9. Sinfonie gelangte in einem Konzert zur Uraufführung, das Beethoven am 7. Mai 1824 im Wiener Kärntnertortheater veranstaltete. Beethoven, zu dieser Zeit bereits völlig ertaubt, stand beim Schlusssatz mit dem Rücken zum Publikum und las die Worte der Sänger von deren Munde ab. Nach der Aufführung brach ein stürmischer Beifall los! Die Mitwirkenden mussten den Komponisten zum Publikum drehen, damit er sich vom großen Erfolg seines Werkes überzeugen konnte.

Der in der Schau präsentierte Teil der Originalhandschrift zeigt die Übereinanderstellung der musikalischen Themen „Freude, schöner Götterfunken“ und „Seid umschlungen Millionen“ in dem Abschnitt, wo beide auf kunstvolle Weise miteinander verschränkt werden.

Das Werk, eine großzügige Leihgabe der Staatsbibliothek zu Berlin, gehört seit 2001 zum Weltdokumentenerbe der UNESCO und ist im Original erstmals im Rahmen einer Ausstellung in Österreich zu sehen. Am 9. März 2020 wird es aus konservatorischen Gründen durch ein Faksimile ersetzt.

Beethoven-Inszenierung im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek; Atelier Wunderkammer, 2019 – Foto: © Österreichische Nationalbibliothek

Beethoven-Inszenierung im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek; Atelier Wunderkammer, 2019 – Foto: © Österreichische Nationalbibliothek

Beethoven Digital

Zusätzlich zur Sonderausstellung macht die Österreichische Nationalbibliothek Ludwig van Beethoven auch im Internet erlebbar: Alle Objekte mit direktem Bezug zu Beethoven, die in den Archiven der Österreichischen Nationalbibliothek verwahrt werden, wurden für das neue Web-Portal „Beethoven Digital“ vollständig digitalisiert und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Dank der großzügigen Unterstützung durch die Raiffeisen Bank International sind so erstmals zahlreiche Musikhandschriften, Erstdrucke seiner Werke, Briefe und bildliche Darstellungen online verfügbar.

Die Werke werden in drei Sammlungen der Österreichischen Nationalbibliothek verwahrt: In der Sammlung von Handschriften und alten Drucken liegen über 130 Originalbriefe Beethovens, in der Musiksammlung befinden sich 13 Originalhandschriften seiner Kompositionen und eine beeindruckende Sammlung mit Erst- und Frühdrucken von Beethovens Werken.

Letztere umfassen insgesamt 941 Bände mit über 43.000 Seiten und sind Teil der Sammlung Anthony van Hobokens – eine der weltweit größten Sammlungen ihrer Art und seit 2016 auf der nationalen UNESCO-Liste des Weltdokumentenerbes „Memory of Austria“.

Über 1.000 Objekte aus Bildarchiv und Grafiksammlung wie Beethoven-Portraits, Plakate zu Ausstellungen und Konzerten, Fotos von Beethoven-Denkmälern und Druckgrafiken wie das berühmte „Beethoven bei Mozart“ runden dieses Portal ab.

Quelle: ÖNB / Österreichische Nationalbibliothek

Was: Beethoven. Menschenwelt und Götterfunken

Wann: vom 19. Dezember 2019 bis 19. April 2020

Wo: Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek, Josefsplatz 1, 1015 Wien

www.onb.ac.at

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