Lasst mich durch, ich bin der Torwart

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Norbert Nigbur Autogrammkarte aus den 1970er Jahren. Sammlung: oepb

Der deutsche Fußballspieler Norbert Nigbur begeht heute seinen 70. Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch dazu. Dies ist – sieht man einmal vom runden Jubiläum ab – an sich nichts besonderes, außer, dass es dem sympathischen Bundesliga-Torhüter von einst gemäß eigener Aussage gut geht und er sein Leben genießen kann. Und das ist doch auch schon sehr viel wert.

Eine lustige Episode aus seiner langen Laufbahn ist jedoch überliefert, die ihn bereits zu Lebzeiten unsterblich werden lässt. Lesen Sie selbst:

Die Deutsche Fußball-Bundesliga stand in ihrer 12. Saison, als am 4. Spieltag der Spielzeit 1974/75 der VfL Bochum den FC Schalke 04 im Bochumer Ruhrstadion zum Derby empfing. 29.000 Zuschauer waren am 14. September 1974 Zeuge eines sehr kuriosen Zwischenfalls.

Norbert Nigbur erinnert sich dazu: „Es gab damals im Ruhrstadion drei Kabinen nacheinander für jede Mannschaft. Ich erlitt in der ersten Spielhälfte beim Stand von 1 : 1 einen Schlag auf das Sprunggelenk und erlitt dadurch eine Prellung. Gemeinsam mit unserem Masseur Ede Lichterfeld ging ich in der Halbzeitpause in die hinterste Kabine um mich behandeln zu lassen. Der Ede legte mir einen Eisbeutel auf und meinte, er komme mich dann später abholen. Die Zeit verging und irgendwie kam mir das alles sehr seltsam vor. Plötzlich schien auch keiner mehr in der Nähe zu sein. Um Himmels Willen, die spielen schon, ich muss raus, dachte ich mir. Also sprang ich von der Liege, lief mutterseelenallein durch den bereits leeren Spieler-Tunnel, bis plötzlich ein Polizist vor mir stand. „Ich muss da mal durch, ich bin der Torwart!“, rief ich dem Beamten zu. Draußen kickten bereits die Kollegen. Darauf das gestrenge Wachorgan: „Das kann ja jeder behaupten, nix da!“ Gott Lob erkannte mich der Eisverkäufer und meinte zur Exekutive, dass das der Torwart des Gegners sei, der muss da jetzt durch. Kurios dabei war, dass weder der Schiedsrichter (Anm.: Volker Roth aus Salzgitter) noch seine beiden Linienrichter noch sonst irgendjemand bemerkt hatte, dass ich fehlte.” Und Michael „Ata“ Lameck ärgerte sich noch nach dem Spiel, dass der VfL daraus kein Kapital schlagen konnte, wenngleich Bochum die Partie durch ein Josef Kaczor-Tor doch noch gewinnen konnte.

Norbert Nigbur war damals 26 Jahre alt und seit 1966 für Schalke aktiv. Auch war er in der Nationalmannschaft hinter Sepp Maier der zweite DFB-Torhüter, als Deutschland im Juni 1974 in München den zweiten Fußball-Weltmeister-Titel holen konnte. Dies alles nützte ihm nichts, der Bochumer Polizist wusste nicht, wer er war.

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