Kaiser Franz II./I. und die „Krafft“ der Bilder

Blick auf ein Wandgemälde von Johann Peter Krafft aus den 1830er Jahren. Foto: SKB / Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H., Alexander Eugen Koller

Blick auf ein Wandgemälde von Johann Peter Krafft aus den 1830er Jahren. Foto: SKB / Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H., Alexander Eugen Koller

Ein Satz aus dem Testament Kaiser Franz II./I. lautet „Amorem meium populis meis“ (Meine Liebe gehört meinen Völkern) und unterstreicht die emotionale Nähe des ersten österreichischen Kaisers zu seinem Volk. Doch auch umgekehrt wurde er von seinen Untertanen verehrt, wie der Maler Johann Peter Krafft in seinen epochalen Wandgemälden eindrucksvoll festhielt.

Historienbilder: Der Kaiser getragen vom Volk
Die Gründung des Kaisertums Österreich 1804 brachte ein neues Selbstverständnis der habsburgischen Dynastie mit sich: Das Kaiserhaus versuchte sich neu zu positionieren und gab sich bewusst volksnah. Diese Entwicklung beeinflusste freilich auch Kunst und Künstler und gelangte in den Werken von Johann Peter Krafft zu besonderer Blüte. Er schaffte es, Kaiser Franz und andere Mitglieder des Hauses Habsburg auf seinen Gemälden so in Szene zu setzen, dass sie als Propagandabilder dieser neuen Monarchie fungierten. Bemerkenswert sind neben den staatstragenden Darstellungen wichtiger Ereignisse die vielen kleinen Details, die seine Bilder sehr lebendig erscheinen lassen. Obwohl es um einschneidende Momente aus dem Leben des Kaisers geht, stellt Krafft den Monarchen in den Schatten des Volkes.

Bei den in enkaustischer Maltechnik ausgeführten Gemälden wurden in Wachs gebundene Farbpigmente heiß auf den Maluntergrund aufgetragen. Zu den drei bekanntesten Werken, die in der Hofburg zu sehen sind, zählen: die „Rückkehr des Kaisers aus Preßburg“ am 27. November 1809, der „Einzug des Kaisers nach dem Pariser Frieden“ im April 1814 – nach dem Abzug der französischen Truppen aus Wien – und schließlich die „Ausfahrt des Kaiserpaares nach langer schwerer Krankheit“ am 09. April 1826.

Im Vordergrund steht das Volk, die Menschen drängen zur Kutsche oder zum Pferd des Kaisers. Sie winken, schwenken Hüte und Zylinder. Kinder streuen Blumen und mancher fällt vor dem Kaiser auf die Knie. Obwohl es um den Kaiser geht, wird er nicht in den Vordergrund des Bildes gestellt. Er überragt zwar die Menschenmenge, aber auch andere sind erhöht dargestellt. Die Darstellung der Bevölkerung nicht als anonyme Masse, sondern als durchaus eigenständige Individuen – das ist das Neue an den Wandgemälden der Hofburg: Der Kaiser getragen vom Volk.

Das bewegte Leben des „guten Kaiser Franz“
Bereits das erste Regierungsjahr des 24jährigen Monarchen war geprägt von zahlreichen Schicksalsschlägen. Kurz nach seinem Vater, Kaiser Leopold II., musste er auch seine Mutter begraben. Sein Onkel und seine Tante, König Ludwig XVI. und Königin Marie Antoinette, wurden abgesetzt, interniert und später hingerichtet. Napoleon wurde sein Erzfeind und dennoch gab er ihm, auf Anraten seines Staatskanzlers Fürst Metternich, die älteste Tochter Marie Louise zur Frau. Oft wurde ihm Gefühlsarmut nachgesagt, auch dass er seine Ehefrauen wie Beamte auswechselte. In der Familie galt er als liebevoller Patriarch, der bei Grundsatzfragen mit politischem Hintergrund unerbittlich sein konnte.

Der vormärzliche Unterdrückungsapparat mit seinen Polizeispitzeln und Zensurmaßnahmen wurde kaum mit seiner Person in Verbindung gebracht. Der „gute Kaiser Franz“ entsprach dem zeittypischen Idealbild eines „Volkskaisers“. Verstärkt wurde das durch seine gelebte Bescheidenheit, seine Abneigung gegenüber dem Zeremoniell und aufwändiger Repräsentation. Spazierfahrten machte er in einfachen Kutschen und seine wienerisch gefärbte Sprache erweckte den Eindruck des Volkstümlichen.

Die vier Gemahlinnen des Kaisers
Seine erste Gattin, Elisabeth Wilhelmine von Württemberg, wurde von seinem Onkel, Kaiser Joseph II., ausgewählt. Die protestantische Braut wurde mit 15 Jahren nach Wien geholt, um im Wiener Salesianerinnenkloster erzogen und auf die verlangte Konversion zum Katholizismus vorbereitet zu werden. 1788 fand die Hochzeit statt. Nur zwei Jahre später starb die Kaiserin an den Folgen einer Frühgeburt.

Seine zweite Ehe ging Franz bereits sechs Monate nach dem Tod der ersten Gattin mit Maria Theresia von Bourbon-Neapel ein. Das Brautpaar war sowohl mütterlicher- als auch väterlicherseits Cousin und Cousine ersten Grades. Dennoch gingen nur aus dieser sehr harmonischen Verbindung 12 Kinder hervor. Die Ehe endete, als Maria Theresia 1807 eine Fehlgeburt erlitt.

Seine dritte Gattin war Maria Ludovica Beatrix von Modena, mit der er ebenfalls verwandt war. 1808 fand die Vermählung mit ihrem um fast 20 Jahre älteren Cousin statt. Die junge, energische Kaiserin verstand es, den Patriotismus der Österreicher gegen Napoleon zu beflügeln und konnte es kaum überwinden, dass ihre Stieftochter Marie Louise dem Erzfeind zur Gemahlin gegeben wurde. Die Ehe der beiden wurde bald von einer schweren Lungenkrankheit der Kaiserin überschattet. Maria Ludovica starb 1815 mit nur 29 Jahren.

Des Kaisers vierte Gattin war Karoline Auguste aus dem Haus Wittelsbach, eine Tochter von König Maximilian I. von Bayern. Ihre erste Ehe mit Wilhelm von Württemberg war 1815 mit päpstlichem Einverständnis annulliert worden. Im folgenden Jahr heiratete sie mit 24 Jahren den doppelt so alten, bereits dreimal verwitweten Kaiser Franz, der angesichts der blühenden Erscheinung seiner jungen Braut den Ausspruch tat: „Wenigstens hab ich dann nicht in ein paar Jahren wieder eine Leich’!“ Karolina Auguste sollte ihren Gatten um 38 Jahre überleben.

Kaiser Franz II./I. und die „Krafft“ der Bilder
Volkskaiser“,Vater des Volkes“ oder der „gute Kaiser Franz“ – Österreichs erster Kaiser Franz II./I. trug viele Namen. Mit ihm erlosch das Heilige Römische Reich und begann das österreichische Kaisertum. „Bekannt wurde er weniger durch seine ruhmreichen Taten, dafür kräftigte er lieber seinen Status als volksnaher Kaiser!“, erklärt Mag. Olivia Lichtscheidl, Kuratorin des Sisi Museums. Mit epochalen Historienbildern und Objekten aus dem Besitz des ersten österreichischen Kaisers wird dem „guten Kaiser Franz“ nun ein Themenschwerpunkt im Audienzwartesaal der Kaiserappartements in der Wiener Hofburg gewidmet.

Österreichs erster Kaiser in der Hofburg
Um seinen Status als Volkskaiser zu festigen, setzte Kaiser Franz II./I. auf die Kraf(f)t der Bilder mit Schlüsselszenen aus seinem Leben, verewigt in den 1830er Jahren auf drei epochalen Wandgemälden im Audienzwartesaal der Kaiserappartements vom berühmten Maler Johann Peter Krafft: „Rückkehr des Kaisers aus Preßburg“, „Einzug des Kaisers nach dem Pariser Frieden“ und „Ausfahrt des Kaiserpaares nach langer schwerer Krankheit“. Im Vordergrund der Gemälde steht das Volk, nicht der Kaiser. Die Menschen drängen zur Kutsche oder zum Pferd des Kaisers, sie winken, schwenken Hüte und Zylinder, Kinder streuen Blumen – ganz nach dem Motto: „Der Kaiser getragen vom Volk“.

Ein weiteres Highlight des Themenschwerpunkts sind die Porträtmedaillons von 10 seiner 12 Kinder, die bisher noch nie in dieser Gesamtheit gezeigt wurden. Zu sehen sind auch Gartenwerkzeuge des leidenschaftlichen Gärtners, eine Büste, Teile eines privaten Reiseservices, sowie Beispiele des wertvollen Grand Vermeil Services aus der Silberkammer. Den Abschluss bilden ein Damenkostüm und ein Kinderkleidchen aus dem Biedermeier, die die Mode der Zeit veranschaulichen, als Johann Peter Krafft die Gemälde im Audienzwartesaal der Kaiserappartements anfertigte.

Liebevoller Patriarch mit Wiener Schmäh
Trotz vieler Niederlagen war Österreichs erster Kaiser in der Bevölkerung sehr populär. Mit seiner gelebten Bescheidenheit und seiner Abneigung gegenüber dem Zeremoniell oder aufwändiger Repräsentation konnte er beim Volk punkten. Seine Regierungszeit war geprägt von Angst und Misstrauen gegenüber Frankreich einerseits und der aufstrebenden Macht des Fürsten Metternich andererseits. Für die Wiener war er jedoch immer „der gute Kaiser Franz“, der sich im Kreise seiner vielköpfigen Familie am wohlsten fühlte.

Was: Themenschwerpunkt Kaiser Franz II./I. und die „Krafft“ der Bilder

Wann: ab sofort bis 11. Juni 2017

Wo: Audienzwartesaal der Kaiserappartements in der Wiener Hofburg, Michaelerkuppel

www.hofburg-wien.at

Und noch ein Tipp zum Thema Kaiser Franz: Die Silberkammer in der Hofburg und das Hofmobiliendepot Möbel Museum Wien beherbergen eine große und äußerst sehenswerte Sammlung an Objekten aus dem Besitz von Kaiser Franz und dessen Familie, sowie aus dem Biedermeier allgemein.

 

 

 

comments are closed.