Johannes Heesters / Als Graf Danilo nie mehr ins Maxim

Johannes Heesters-Portrait aus dem Jahre 1964. Foto: Harry Pot / Wikipedia

Johannes Heesters-Portrait aus dem Jahre 1964. Foto: Harry Pot

Johannes „Jopi“ Heesters galt als der älteste aktive Schauspieler der Welt. Als „Jopie“ Heesters just am Heiligen Abend 2011 die müden und beinahe blinden Augen für immer schloss, war er unglaubliche 108 Jahre alt, von denen er über 90 auf der Bühne und deren 87 Jahre vor der Kamera verbracht hatte. Ein ganzes und erfülltes Leben für sein Publikum!

Karrierestart in den Niederlanden

Heute, genau vor 115 Jahren, am 5. Dezember 1903, wurde Johan Marius Nicolaas Heesters als jüngster Spross von drei Söhnen eines holländischen Kaufmanns im niederländischen Amersfoort geboren. Zeit seines Lebens behielt er diesen sympathischen niederländischen Akzent – wie Rudi Carrell, Rinus Michels, Frenkie Schinkels, usw. – bei.

Heesters wollte zuerst Priester werden, beendete dann jedoch seine Lehre zum Bankkaufmann erfolgreich und nahm darüber hinaus Schauspiel- und Gesangsunterricht. Diesen Entschluss fasste er an seinem 16. Geburtstag.

Im Jahre 1921, nach erfolgreich absolvierter Ausbildung, erfolgte der erste Bühnenauftritt in Holland. Drei Jahre später dann die erste Rolle vor der Kamera in einem Stummfilm.

Im Jahre 1934 gab Heesters sein erfolgreiches Debüt an der Wiener Volksoper in Carl Millöckers „Der Bettelstudent“. Der Durchbruch in der leichten Muse war gelungen. Anno 1936 übersiedelte Heesters ins pulsierende Berlin. In der Millionenmetropole an der Spree stieg er zu einem der meistbeschäftigten Stars des NS-Films auf. Nichtsdestotrotz weigerte sich Johannes Heesters damals vehement, die Deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen, als auch Parteimitglied der NSDAP zu werden.

Erfolgreich auch ohne NS-Regime

Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte er die erfolgreich begonnene Karriere auf der Bühne und Leinwand fort, wobei die Rolle des „Grafen Danilo“ in „Der lustigen Witwe“ immer mehr zu seinem Markenzeichen wurde. Johannes Heesters galt überhaupt als der eleganteste und auffallendste Frackträger seiner Zeit. 1997, mit 94 Jahren, wurde er als ältester aktiver Schauspieler in das „Guinness-Buch der Rekorde“ aufgenommen. Die österreichische Tageszeitung KURIER zeichnete ihn 2001 mit der „ROMY in Platin“ für sein Lebenswerk aus. Auch noch mit über 100 Lebensjahren ging er auf Tournee und trat bis zuletzt, als 107-jähriger immer wieder anhand von Auftritten vor sein Publikum, ehe am 24. Dezember 2011 ein langes und erfülltes Leben ein Ende fand.

Eine solch großartige Karriere hingelegt zu haben und darüber hinaus von Generationen geschätzt und geliebt zu werden, dies verdient Respekt und Anerkennung. Johannes Heesters galt ohnehin als Phänomen seiner Zeit – als großer Entertainer und längstdienender Schauspieler der Welt. Man konnte sich damals ohnehin kaum vorstellen, dass er eines Tages nicht mehr da ist und dass „Jopi“ Heesters nie mehr wieder ins Maxim gehen wird …

Rolle des Grafen Danilo

1938 erfolgte sein erster Auftritt als Graf Danilo. Johannes Heesters eroberte damit im Handumdrehen die Welt der Operette. Bereits in jenen Jahren zeichnete sich ab, dass die „Rolle“ des „Frauenhelden“ die Rolle seines Lebens werden würde. Der Komponist der „Lustigen Witwe“ Franz Lehár bescheinigte ihm, dass er, Heesters, „wirklich der beste Danilo sei“. Von diesem Zeitpunkt an schrieb Heesters Film- und Theatergeschichte, als – wie bereits erwähnt – zeitlos elegantester Frackträger der Welt.

Heesters über die Jahre im Dritten Reich

Aufgrund der seinerzeit gedrehten Musikfilme wie „Hallo Janine“, oder „Gasparone“ und „Liebesschule“ hagelte es Kritik für Heesters, weil diese Arbeiten von der NS-Propaganda-Maschinerie bewusst zur Ablenkung von Terror und Krieg eingesetzt wurden. „Unsere Arbeit war die verlogenste, die es damals gab, wir spielten eine heile Welt in Frack und Abendkleid!“, so Johannes Heesters in seinen Lebens-Memoiren.

Frauenschwarm war zweimal verheiratet

Der allseits beliebte „Frauenheld“ galt privat als treu und bürgerlich. Im Jahre 1930 ehelichte Heesters die holländische Schauspielerin Wiesje Ghijs. Die Ehe brachte zwei Töchter, Wiesje und Nicole hervor. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte er mit dem Hauptwohnsitz in Wien seine unvergleichliche Laufbahn fort. Er drehte Musikalisches, angefangen „Vom Weißen Rössl“, bis „Bel Ami“ und stieg zum absoluten Fernsehstar und Publikumsliebling auf, der „Ich werde jede Nacht von Ihnen träumen“, oder „Man müsste Klavierspielen können“, immer wieder zum Allerbesten gab.

Zweite Hochzeit anno 1992

Nach dem Ableben seiner ersten Frau heiratete Johannes Heesters im Jahre 1992 die Schauspielerin Simone Rethel, die um 46 Jahre jünger war als er. Rethel hegte Bewunderung, von Teenagerbeinen an, für Heesters und stand von nun an voller Fürsorge an seiner Seite. Durch eiserne Disziplin wie Gymnastikübungen und Erlernen immer wieder neuer Texte war es dem greisen Schauspielstar bis zuletzt möglich, auf der Bühne zu stehen. Beinahe bereits erblindet sorgte ein Spezial-Bildschirm mit einer x-fachen Vergrößerung der Texte dafür, dass sich Heesters diese noch aneignen konnte.

Was blieb von ihm

Johannes Heesters lebt aber weiter, in seinen Filmen und in der Erinnerung an ihn. Geblieben sind 60 Filme und zahlreiche Operetten-Abende. Als „Danilo“ stand er über 1.600 Mal auf der Bühne, ehe er sich 1983, 80-jährig, von der Rolle seines Lebens verabschiedete. Nichtsdestotrotz blieb es weiterhin ein Höhepunkt eines jeden Auftritts, wenn er „Heut geh ich ins Maxim“ zum Besten gab, war dieses Lied doch längst zu seinem Markenzeichen geworden. Kurios dabei war, dass er privat Nachlokale mied und in seinem Leben das original Maxim in Paris nur einmal betrat. Und dennoch – keiner wird jemals wieder so „ins Maxim gehen“ wie eben er, der Johannes „Jopi“ Heesters.

Apropos Danilo – wie kam es dazu

In einem Georg Markus-Interview aus dem Jahre 2003 erzählte Heesters, wie er zum Danilo wurde: „Ich stand 1938 bei der Ufa im Vertrag, da erhielt ich das Angebot, in Amsterdam am Theater von Direktor Fritz Hirsch zu spielen. Ich sagte zu und nahm mir bei der Ufa Urlaub. Zurück in Berlin wurde ich zu Propagandaminister Goebbels zitiert, der mir vorhielt, in Holland für einen jüdischen Direktor gespielt zu haben. Ich wurde vorerst für weitere Dreharbeiten der Ufa-Filmproduktion gesperrt. Nicht gesperrt war ich jedoch für die Bühne. Und gerade jetzt wurde ich gefragt, ob ich am Münchner Gärtnerplatztheater den Danilo spielen würde. Ich hätte die Rolle nicht angenommen, wäre ich bei der Ufa gewesen, aber in dieser Situation war´s mir gerade recht und so sagte ich zu.“ Heesters mimte also den „Danilo“ und begeisterte damit auch den Führer selbst: „Hitler kam immer wieder ins Theater, um mich als Danilo zu sehen, insgesamt sieben Mal, auch weil die „Lustige Witwe“ seine Lieblingsoperette war. Ich dachte mir noch: Hat denn der Mann nichts Besseres zu tun?“

Letztes Geleit am Münchner Nordfriedhof

Am 30. Dezember 2011 gaben unzählige Freunde, Weggefährten und Fans dem schier Unsterblichen das letzte Geleit. Wie ein Denkmal, in einem weißen Sarg wurde er zu Grabe getragen. Johannes „Jopie“ Heesters bleibt aber in der Erinnerung an einen großartigen Entertainer, Schauspieler und Künstler präsent und am Leben. Das Denkmal an ihn bleibt in zahlreichen Herzen seiner Fans fest verankert.

Quelle: oepb

 

www.johannes-heesters.de

 


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