Jetzt online / Hebräische Handschriften der ÖNB

Ketubba aus dem Jahr 1392 mit der Darstellung des Brautpaars. Foto: Österreichische Nationalbibliothek

Ketubba aus dem Jahr 1392 mit der Darstellung des Brautpaars. Foto: Österreichische Nationalbibliothek

 

Rund 240 wertvolle hebräische Handschriften der Österreichischen Nationalbibliothek / ÖNB wurden im Rahmen eines mehrjährigen Projekts von der Israelischen Nationalbibliothek digitalisiert. Dank dieser internationalen Kooperation zwischen Wien und Jerusalem sind diese historisch bemerkenswerten Dokumente zur jüdischen Geschichte in Europa nun auch online verfügbar.

Die Österreichische Nationalbibliothek besitzt heute etwa 240 hebräische Handschriften und eine große Anzahl an Fragmenten; zusätzlich verwahrt sie einen umfangreichen Bestand an hebräischen Drucken. Die Werke stammen aus der Zeit vom 12. bis zum 19. Jahrhundert, ein Großteil davon aus dem Mittelalter. Sie sind besonders frühe Dokumente jüdischer Buchkunst in Europa, weshalb die Sammlung auch von hohem internationalem Rang ist. Die Israelische Nationalbibliothek sorgte im Rahmen dieser internationalen Kooperation nicht nur für die Digitalisierung der Objekte selbst, sondern half auch bei der Identifikation von einigen nur fragmentarisch überlieferten Objekten maßgeblich mit. Wer im Online-Katalog QuickSearch auf www.onb.ac.at die einzelnen Handschriften aufruft, findet den Link zu den Digitalisaten, die auf der Website der Israelischen Nationalbibliothek gespeichert sind.

Zu den bedeutendsten Stücken der digitalisierten Sammlung gehört eine Hochzeitsurkunde des 14. Jahrhunderts, eine so genannte Ketubba (Cod. Hebr. 218 ). Sie ist das früheste erhaltene Exemplar einer illustrierten Ketubba aus dem aschkenasischen Sprachraum und enthält einen reichverzierten Rahmen, auf dem das Brautpaar dargestellt wird.

Bibel aus dem Jahr 1298/1299 mit figürlichem Kommentar. Foto: Österreichische Nationalbibliothek

Bibel aus dem Jahr 1298/1299 mit figürlichem Kommentar. Foto:
Österreichische Nationalbibliothek

Von besonderem Interesse ist auch eine Bibel aus dem Jahr 1298/1299 mit der Bibelauslegung in Mikrographie (Cod. Hebr. 16). Bei dieser Technik wird der in kleiner Schrift geschriebene Bibelkommentar verwendet, um Ornamente, Tiere, aber auch Schriftzüge darzustellen. In einem dieser Schriftzüge widmet der Schreiber die Handschrift seiner Familie, die bei einem Pogrom in einer bisher nicht identifizierten Stadt ermordet wurde.

Hintergrund-Information zu den hebräischen Beständen

Schon im ältesten Katalog der ehemaligen Hofbibliothek aus dem Jahr 1576 werden hebräische Handschriften genannt, die Sammeltätigkeit setzte also sehr früh ein. Erweitert wurde der Bestand in den folgenden Jahrhunderten durch Stücke aus den Nachlässen gelehrter Bibliothekare ebenso wie durch Schenkungen und Ankäufe. Heute wächst die Sammlung durch die Entdeckung von Fragmenten, die als Buchbindematerial in späteren Handschriften und Drucken verwendet wurden. Diese Fragmente gehen teilweise auf Handschriften zurück, die bei der Vernichtung jüdischer Gemeinden im Mittelalter, z. B. im Zuge der Wiener Gesera von 1421, zerstört wurden; die erwähnte Ketubba fand sich etwa im Einband lateinischer Handschriften.

 

 

 

 

 

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