Japanische Enzephalitis / Asiatische Version der FSME

whd2014_infographicImmer mehr Menschen wollen ihren Urlaub abseits des Massentourismus verbringen und planen diesen auch außerhalb der üblichen Reisezeiten. Dabei gilt es allerdings einiges zu beachten. Wer zum Beispiel in Zeiten des Monsuns (meist Frühjahr bis Herbst) in Asien Land und Leute kennenlernen möchte, der setzt sich einem erhöhten Risiko für bestimmte Infektionen aus. Darunter fallen Krankheiten wie Malaria, das Dengue Fieber oder auch die Japanische Enzephalitis, die entfernt mit der in Österreich sehr bekannten FSME verwandt ist. Allerdings wird sie nicht durch Zecken, sondern durch Moskitos übertragen und kann deutlich schwerer verlaufen. Eine Basisvorbeugung gegen all diese Krankheiten ist durch Mückenschutz begrenzt möglich, gegen Japanische Enzephalitis gibt es eine sehr gut wirksame und nebenwirkungsarme Schutzimpfung.

Moskitos übertragen Infektionskrankheiten
Alle vier genannten Krankheiten, aber auch beispielsweise die Lyme-Borreliose, die Leishmaniose oder das Gelbfieber, sind sogenannte vektorübertragene Erkrankungen. Ein Vektor ist in diesem Kontext ein kleiner, lebender Organismus, der Krankheitsüberträger von einem infizierten Lebewesen auf ein anderes überträgt. In Asien häufig anzutreffende Vektoren sind Moskitos, die in der Regenzeit besonders verbreitet sind und sich gerne in der Nähe von stehenden Gewässern wie Reisfeldern aufhalten. Generell besteht hier die Gefahr, sich mit Krankheitserregern, wie zum Beispiel mit dem Japanischen Enzephalitis-Virus, zu infizieren. Die Japanische Enzephalitis gehört zu den gefährlichsten impfpräventablen vektorübertragenen Krankheiten. Allgemein ist das Risiko sich zu infizieren – ähnlich wie hierzulande bei der FSME – am Land größer als in der Stadt, weshalb bei Einheimischen die Landbevölkerung, wo möglich, bevorzugt geimpft wird. „Für Reisende gilt aber – unabhängig von der Saison, ihrem Verhalten, dem genauen Aufenthaltsort und der Reisedauer -, dass sie Moskitostiche als Basisvorsorge stets bestmöglich vermeiden sollten.“, erläutert Prof. DDr. Martin Haditsch, Facharzt für Hygiene, Mikrobiologie, Infektiologie und Tropenmedizin im Travel Med Center Leonding / bei Linz.

24 Länder in Asien von Japanischer Enzephalitis betroffen
Japanische Enzephalitis ist die häufigste Ursache für eine virale Enzephalitis (Gehirnentzündung) in vielen Ländern Asiens. Weltweit gibt es geschätzt etwa 68.000 klinische Fälle pro Jahr. Bis zu 20.000 Personen versterben jährlich daran. Die jährliche Fallrate variiert stark und liegt zwischen weniger als 10 und mehr als 100 Fällen pro 100.000 Einwohner. Die meisten Fälle von Japanischer Enzephalitis werden aus China und Indien gemeldet. Einen deutlichen Anstieg verzeichnete man in den letzten Jahren in Bangladesch, Myanmar, Nepal, Thailand, Vietnam und Indonesien. In den Hochrisikogebieten wurde das Virus bei über 20 Prozent der getesteten Personen festgestellt. „Man muss allerdings einerseits von einer hohen Dunkelziffer ausgehen, da die Erkrankung schwer zu diagnostizieren ist, andererseits kann es durch Kreuzreaktionen (v.a. mit Dengue-Fieber) auch zu Fehldiagnosen kommen“, berichtet Haditsch. „Auch in Vietnam gab es immer wieder epidemische Ausbrüche. Was in vielen Verbreitungskarten jedoch falsch ist: Im kontinentalen Australien gibt es keine Endemiegebiete.“

Grundsätzlich ist das Endemiegebiet seit einiger Zeit unverändert. Allerdings kann es sein, dass bisher voneinander getrennte kleine Risikogebiete langsam miteinander verschmelzen, weil es immer öfter zu Waldrodungen für Agrarflächen und innerstädtischen Veränderungen kommt, wodurch neue Brutgebiete für Moskitos entstehen“, so der Experte.

Schwerer Verlauf
Ähnlich wie bei FSME verlaufen die meisten Japanische Enzephalitis-Infektionen mild, das heißt mit Fieber und Kopfschmerzen, oder sind sogar symptomlos. Im Schnitt verläuft jede 250. Infektion schwer. Symptome sind hohes Fieber, Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Desorientierung, Koma, Ohnmachtsanfälle und spastische Lähmungen, die bis zum Tod führen können. Bis zu 30 Prozent all jener mit schweren Symptomen versterben an der Krankheit. Von den Überlebenden leiden 20 bis 30 Prozent in der Folge unter permanenten intellektuellen, Verhaltens- oder neurologischen Problemen wie Lähmungserscheinungen, wiederkehrenden Ohnmachtsanfällen oder Sprechstörungen.

„Japanische Enzephalitis gehört zur gleichen Krankheitsfamilie wie FSME, allerdings ist der klinische Verlauf meist ein deutlich schwererer.“, so Haditsch. „Und auch sie kann nicht ursächlich behandelt werden. Bei den Betroffenen kann man auch im Krankenhaus nur bestenfalls versuchen, die Symptome zu bekämpfen.“

Wichtige Vorbeugungsmaßnahmen
In Risikogebieten sollten unbedingt alle Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden, um Moskitostiche zu vermeiden. Dazu gehören das Tragen von imprägnierten langen Hosen und langärmeligen Oberteilen in heller Farbe, der Schutz nackter Haut durch das Auftragen von Moskitosprays beziehungsweise das Schlafen unter intakten und imprägnierten Moskitonetzen und das bestmögliche Meiden von stehenden Gewässern und Reisfeldern. „Im Vergleich zu Zecken bringt das routinemäßige Absuchen des Körpers nach diesen Blutsaugern allerdings nichts, da diese unmittelbar nach der vergleichsweise kurzdauernden Blutmahlzeit wieder wegfliegen. Außerdem kann man nach einem Moskitostich ohnedies nichts mehr tun, um die Krankheit zu verhindern“ so der Tropenmediziner. „Man kann nur rechtzeitig vorbeugen. Gegen Japanische Enzephalitis wurde ein hochwirksamer und nebenwirkungsarmer Impfstoff entwickelt, die Möglichkeit zu einer Impfung sollte insbesondere vor Reisen nach China, Indien und Südostasien unbedingt besprochen werden.“, empfiehlt der Tropenmediziner. „Für besonders schnell Entschlossene gibt es sogar ein Kurzschema, das innerhalb einer Woche abgeschlossen werden kann und für mindestens ein Jahr schützt. Durch eine weitere Schutzimpfung innerhalb von zwei Jahren lässt sich der Schutz sogar auf 10 Jahre verlängern.“

Quelle: Fine Facts Health Communication

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