Initiative Dachvisionen / Projekt-Förderung fokussiert auf Nachverdichtung

Wohnhaussanierung und Dachgeschoß-Ausbau mit Steildach in der Mariahilfer Straße 182 in Wien. Foto: © Trimmel Wall Architekten

Wohnhaussanierung und Dachgeschoß-Ausbau mit Steildach in der Mariahilfer Straße 182 in Wien. Foto: © Trimmel Wall Architekten

Im urbanen Bestand stellt das Steildach die beste Option für Raumgewinn dar. Hier kann auf Gründerzeithäusern wertvoller Wohnraum geschaffen werden, und dementsprechend kommt auch das größte Plus am österreichischen Steildachmarkt aus der Bundeshauptstadt Wien. Hier ist zwar das Förderwesen vorbildlich, dennoch wünschen sich Wirtschaft und Planer von der Stadtpolitik zusätzliche Anreize für sanierungswillige private Hausbesitzer. Die Plattform Dachvisionen setzt ein Zeichen und startet mit dem „Steildach Award Österreich“ ins kommende Jahr 2020.

Österreichs Bevölkerung wächst. In der Bundeshauptstadt geht die Prognose davon aus, dass die Bevölkerungszahl zwischen 2018 und 2048 um 289.000 Menschen (+15,5 Prozent) ansteigen wird und im Jahr 2048 nahezu 2,2 Millionen Menschen in Wien leben werden. Diese prognostizierten Bevölkerungszuwächse entsprechen in etwa jenen, die Wien bereits in den zurückliegenden 15 Jahren erlebte.

Aber Wien ist mit dieser Entwicklung nicht alleine. Betrachtet man Österreichs Landeshauptstädte, so sind laut den ÖROK‐Regionalprognosen die Prognosen eindeutig: Innsbruck wird beinahe um 30 Prozent wachsen, knapp gefolgt von Graz mit 27 Prozent und Eisenstadt mit 25,9 Prozent). Die urbanen Gebiete benötigen also immer mehr Raum für immer mehr Menschen und es stellt sich die Frage nach dem benötigten Wohnraum.

Dafür weiter in die Fläche zu gehen, ist angesichts des Umweltkontrollberichts, den das Umweltbundesamt im Auftrag des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT) alle drei Jahre erstellt, kein Thema. Denn laut Nachhaltigkeitsministerin Maria Patek müsse der eingeschlagene Weg konsequent fortgesetzt werden, um in den Bereichen Klimaschutz, Biodiversität, Mobilitäts- und Energiewende weitere Schritte zu setzen. Einer der festgemachten Trends betrifft die tägliche Flächeninanspruchnahme: Sie ist trotz steigendem Nutzungsdruck in den letzten Jahren leicht zurückgegangen. Der Versiegelungsgrad ist mit 41,2 Prozent nahezu gleichgeblieben. Abhilfe können eine effiziente Raumplanung sowie strategisches Flächenmanagement schaffen.

Steildachmarkt wächst

Genau hier setzt die „Plattform Dachvisionen“ an. Dazu Michael Foisel, Präsident Dachvisionen: „Das Steildach ist zum einen eine ausgereifte und traditionelle Lösung bei neu errichteten Einfamilienhäusern. Aber es ist vor allem auch eine zukunftsorientierte Lösung für großvolumige Sanierungen. Hier schafft man Raum, der vorher entweder gar nicht vorhanden war, oder aber nicht sinnvoll genutzt wurde.“ Dementsprechend entwickeln sich die Zahlen, und der Steildachmarkt wird im Jahr 2019 voraussichtlich wieder wachsen. Der Treiber dafür ist mit Abstand der Wohnbau mit knapp über 7 Mio. Quadratmetern. Das größte Plus im Vorjahr kommt aus dem Bundesland Wien mit plus 2 Prozent, und in dieser Größenordnung wird auch die Entwicklung für 2019 prognostiziert. Denn durch einen gut geplanten Ausbau entsteht kostengünstig zusätzlicher wertvoller Wohn- und Lebensraum.

Dachvisionen über den Dächern von Wien. Im Bild von links: DI Dr. Reinhold Lindner (Sprecher Dachvisionen), DI Günther Trimmel (Trimmel Wall Architekten), DI Isabella Wall (Trimmel Wall Architekten), sowie Michael Foisel (Präsident Dachvisionen und Vertriebsleiter Eternit Österreich). Foto: © Dachvisionen / Franz Pflügl

Dachvisionen über den Dächern der Wiener Stadt. Im Bild von links: DI Dr. Reinhold Lindner (Sprecher Dachvisionen), DI Günther Trimmel (Trimmel Wall Architekten), DI Isabella Wall (Trimmel Wall Architekten), sowie Michael Foisel (Präsident Dachvisionen und Vertriebsleiter Eternit Österreich). Foto: © Dachvisionen / Franz Pflügl

Die Aufteilung ist flexibel und meist großzügig, zudem bietet der Ausbau des Dachbodens die Chance, lichtdurchflutete Räume zu schaffen. Vor allem aber entsprechen Wohnbauten aus der Gründerzeit bis hinauf in die 1980er Jahre thermisch und in Bezug auf die Behaglichkeit keineswegs den heutigen Anforderungen. Gerade diese Gebäude verbrauchen damit unproportional viel Energie und tragen somit wesentlich zur Klimaerwärmung bei. Trotz dieses Wissens und einem umfassenden Förderpaket werden jährlich jedoch davon in Österreich nur 0,9 Prozent saniert. Michael Foisel weiter: „Ziel einer Sanierung muss neben einer deutlichen Reduktion des Energieverbrauches auch ein gesteigerter Wohnkomfort und eine Wertsteigerung der Immobilie sein. Bei thermischen Sanierungen ist ein durchdachtes Gesamtkonzept von einem Bauexperten mit entsprechendem Know-how notwendig.“

Vorzeigeförderungen und Forderungen an die Politik

Das Architekturbüro Trimmel Wall Architekten befasst sich mit dem Thema Sanierung schon viele Jahre, und ihr Leistungsspektrum umfasst innovative Projekte in der Stadterneuerung und geförderte Sockelsanierungen mit Dachgeschoßausbauten. Geschäftsführer DI Günther Trimmel und Gesellschafterin DI Isabella Wall sind unter anderem auch Blocksanierungsbeauftragte der Stadt Wien und erarbeiten Baublock- und liegenschaftsbezogene Projektstudien zum Schwerpunkt Althaussanierung- und Dachgeschoßausbauten.

Mit dem Wiederaufbau und der Sanierung eines Gründerzeithauses im 15. Wiener Gemeindebezirk ging das Duo heuer als Gewinner des Staatspreises für Architektur und Nachhaltigkeit hervor. Günther Trimmel: „Ein Abriss des Gründerzeithauses wäre der einfachere Weg gewesen. Doch gemeinsam mit den Eigentümerinnen hatten wir die Chance zu zeigen, wie Gebäude aus dieser Epoche an unsere heutigen Standards angepasst werden können. Und zwar sowohl die Energieeffizienz betreffend als auch den Wohnkomfort.“ Neben der wiederhergestellten Fassade besticht das Haus äußerlich durch den neuen Dachgeschoßausbau. Sieben Maisonetten fanden hier Platz.

Isabella Wall dazu: „Ein Steildach bietet natürlich vor allem in einem Bestandsgebäude den Vorteil, die Dachgeschoßfläche optimal auszunutzen.“ Laut Bauordnung verändert sich die Gebäudehöhe nicht, wenn auf das bestehende oberste Stockwerk ein Dach mit einer Neigung von 45° aufgesetzt wird. Allerdings ginge es noch besser, so Günther Trimmel: „Wenn wir im Bebauungsplan in der Höhe fünf statt der vorgegebenen viereinhalb Meter zur Verfügung hätten, gingen sich ohne großen Aufwand zwei Ebenen mit ausreichender Raumhöhe im Dachgeschoß aus.“ Trimmel hat dazu auch schon einen konkreten Vorschlag: „Um das Dach nachträglich zu dämmen, durfte vor kurzem laut Wiener Bauordnung die Dachhöhe um bis zu 30 cm überschritten werden. Es wäre ökologisch sinnvoll, diese Regelung wieder einzuführen und diesen Wert ein wenig anzuheben.“ Generell zeigen sich die Architekten zufrieden mit der Förderungspolitik in Wien. Trimmel: „Durch die Förderung wird ein Qualitätsstandard gesichert, da die Planungsqualität vom wohnfonds_wien geprüft wird.“ Wall ergänzt: „Wir stellen in den letzten fünf Jahren einen Umdenkprozess fest. Stadt und Eigentümer suchen nach Möglichkeiten der sinnvollen Nachverdichtung. Vor allem die Stadtverwaltung wünscht sich in Gründerzeithäusern eine gesunde soziale Durchmischung.

Dennoch haben die Architekten den Wunsch an die Politik, mit ihren Förderungen mehr klimarelevante Lenkungseffekte zu erreichen. Trimmel: „Was früher die Beletage war, ist heute das Dachgeschoß: Das schönste Stockwerk des Hauses. In den Rohdachböden der Gründerzeit kann hochwertiger Wohnraum geschaffen werden.“ Damit sich das Dach gut in seine Umgebung einfügt und dem äußeren Erscheinungsbild des Hauses zusätzliche Attraktivität verleiht, muss der Planer die Materialien und Farben der Dachdeckung, der Dachflächenfenster und des Sonnenschutzes sorgsam aufeinander abstimmen.

Wohnhaussanierung und Dachgeschoß-Ausbau mit Steildach in der Mariahilfer Straße 182 in Wien. Foto: © Trimmel Wall Architekten

Wohnhaussanierung und Dachgeschoß-Ausbau mit Steildach in der Mariahilfer Straße 182 in Wien. Foto: © Trimmel Wall Architekten

Chance Steildach

Die heimische Industrie bietet dafür eine Fülle an Optionen. Michael Foisel: „Ein Steildach bringt die unterschiedlichsten Vorteile, auf die man bei einer Sanierung keinesfalls verzichten sollte.“ Es sorgt für optimalen Feuchtigkeitsschutz, da durch seine Neigung Niederschlagswasser schnell abgeleitet wird. Da das Steildach eine hinterlüftete Konstruktion ist, können diffundierende Feuchtigkeit und Kondensatfeuchte vom Gebäudeinneren abgeführt werden, ohne einen Schaden zu hinterlassen. Das geneigte Dach bietet Schutz gegen die Hitze, denn in der Regel sind Steildächer zweischalig, was für angenehmere Raumtemperaturen sorgt. Bei der Ausführung mit Unterdach entsteht zwischen Eindeckung und Unterdach ein Entlüftungskanal, wodurch die Hitze im Bereich des Firstes entweichen kann. Gerade in urbanen Gebieten werden so heiße Nächte im darunter liegenden Bereich vermieden. Im Herbst wiederum bietet ein Steildach Schutz vor Wind, Sturm und Hagel, da die Windkräfte am First und die Sogkräfte auf der dem Wind abgewandten Seite brechen und somit nur mehr gering sind. Unter einem Steildach wohnt es sich ruhiger: Wird bei einer Dachsanierung der Schalldämmwert beispielsweise um 10 dB verbessert, wird der empfundene Lärm deutlich reduziert. Eine akustisch ungestörte Atmosphäre – sowohl von außen nach innen als auch umgekehrt – trägt maßgeblich zu Behaglichkeit und Wohnkomfort bei. Michael Foisel weiter: „Planer schätzen unter anderem die hohe Energieeffizienz und die Möglichkeit innovativer Energiesysteme. Denn die Neigung begünstigt die Installation von Photovoltaik- und Solarthermieanlagen und somit die Nutzung der Sonne als alternative Energiequelle!“

Steildach Award Österreich

Die Plattform Dachvisionen hat es sich zum Ziel gesetzt, Architekten, private und öffentliche Bauherren und Sanierer zum Bau von Steildächern zu motivieren und in ihrer Entscheidung für ein Steildach zu unterstützen. 2020 setzt die Initiative einen neuen Schritt und verleiht erstmals den Steildach Award Österreich. Foisel: „Baumeister, Planer und Auftraggeber sind herzlich zur Teilnahme eingeladen. Die Ausschreibungsdetails und Fristen werden wir in Kürze bekanntgeben. Ich freue mich sehr, unserer Initiative damit noch mehr Gewicht zu geben!“

Quelle: ikp

Über die Plattform Dachvisionen

Um Bauherren und Sanierer mit relevanten Informationen rund um das Dach zu versorgen, haben sich die Unternehmen BRAMAC, VELUX, TONDACH, ETERNIT und holzbau austria zur Plattform Dachvisionen – ehemals Initiative pro Steildach – zusammengeschlossen. Auf der Informationsplattform www.dachvisionen.at Facebook und Youtube finden Interessierte unterschiedliche Inhalte zu den Vor- und Nachteilen verschiedener Dachformen. Im Fokus stehen dabei die Nutzungsvorteile von geneigten Dächern – in bauphysikalischer wie wirtschaftlicher Hinsicht.

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