Influenza-Risiko für Diabetiker unterschätzt

Es hilft alles nichts – eine Impfung ist immer noch der beste Schutz zur Erhaltung unserer Gesundheit. Foto: Gregor Knoblauch

Es hilft alles nichts – eine Impfung ist immer noch der beste Schutz zur Erhaltung unserer Gesundheit. Foto: Gregor Knoblauch

Lungenentzündungen, Herz-Kreislauf-Probleme, Blutzuckerentgleisungen. Das sind nur drei mögliche Komplikationen einer Influenza-Erkrankung bei Menschen mit Diabetes. Je schlechter der Blutzuckerspiegel eingestellt ist, desto eher kommt es zu solchen Komplikationen. Aber auch die Wahrscheinlichkeit, überhaupt an Influenza zu erkranken, hängt damit zusammen. Das betrifft übrigens nicht nur ältere Menschen mit Diabetes, sondern auch jene, die noch mitten im Erwerbsleben stehen und sogar Kinder.

Prävention ist möglich: Durch eine gute Blutzuckereinstellung und vor allem durch die jährliche Influenza-Impfung. Wie gut diese wirkt zeigen mittlerweile sogar amerikanische Daten aus dem Alltag von Menschen mit Diabetes, die mit der neuen Technologie, der sogenannten „Wearables“, erhoben wurden.

In Österreich leben derzeit etwa 600.000 Personen mit der Diagnose Diabetes mellitus. 85 bis 90 Prozent von ihnen haben Diabetes Typ-2, ungefähr 30.000 Personen Typ-1. Beide Typen gehen oft mit weiteren schwerwiegenden Erkrankungen – häufig im Herz-Kreislauf-Bereich – einher. Diese sind nach wie vor die häufigste Todesursache. Das Risiko für Infektionen bei Menschen mit Diabetes wurde lange nicht adäquat untersucht, obwohl bereits der erste Mensch, der jemals ein Insulin erhalten hat, an einer Lungenentzündung als Komplikation einer Influenza-Erkrankung gestorben ist. Neuere Untersuchungen zeigen, dass Infektionen wie Lungenentzündungen oder Influenza heute immer öfter Todesursachen bei Menschen mit Diabetes sind.

Je schlechter der Blutzucker eingestellt ist umso höher ist das Hospitalisierungsrisiko

„Menschen mit Diabetes haben generell ein erhöhtes Risiko für Infektionen und damit einhergehenden Komplikationen.“, erläutert OA Dr. Helmut Brath von der Diabetesambulanz am Gesundheitszentrum Wien Süd. Die Blutzuckereinstellung spielt dabei eine wichtige Rolle. Zwei Beispiele: Ein Patient mit Typ-1-Diabetes und schlechter Blutzuckerkontrolle hat ein achtfach erhöhtes Risiko mit einer Infektion im Spital aufgenommen zu werden im Vergleich zu einer Person ohne Diabetes. Für einen Patienten mit Typ-2-Diabtes ist das Risiko „nur“ um das Vierfache erhöht. Das ist übrigens kein Effekt des fortgeschrittenen Alters, im Gegenteil. Bei Personen über 65 mit Diabetes liegt das Infektionsrisiko sogar unter jenem der 40- bis 64-jährigen, ist aber im Vergleich zu Menschen ohne Diabetes immer noch deutlich erhöht.

Spezifisch auf Influenza-Infektionen bezogen ist ein anderer Vergleich aufschlussreich: Etwa 30 Prozent aller influenza-bedingten Spitalsaufnahmen in den USA bei Erwachsenen in den letzten Jahren waren Menschen mit Diabetes, obwohl nur knapp unter 10 Prozent der amerikanischen Bevölkerung an Diabetes erkrankt sind. Was das Risiko zusätzlich erhöht: Etwa 90 Prozent aller Menschen mit Typ-2-Diabetes sind übergewichtig. Und Übergewicht ist ein weiterer Risikofaktor für schwere Influenza-Verläufe.

Influenza bringt den Blutzucker zum Entgleisen

Eine Influenza bei Menschen mit Diabetes ist aber nicht nur aufgrund von klassischen Influenza-Komplikationen gefährlich. Sie macht es auch schwierig, den Blutzucker unter Kontrolle zu halten. Manchmal führt eine Influenza-Infektion dazu, dass der Blutzucker steigt, manchmal können Menschen, während sie krank sind, aber auch nicht essen, worauf der Blutzucker fällt. „Beides ist sehr gefährlich und kann sogar lebensbedrohlich sein.“, betont Brath. „Ungeklärte Blutzuckeranstiege sind oft das erste Warnsignal einer Infektion bei Personen mit Diabetes. Dies sollten die Betroffenen unbedingt ernst nehmen und im Zweifelsfalle lieber sofort zum Arzt gehen, damit dieser der Ursache auf den Grund gehen kann.“ Daten aus einer amerikanischen Langzeitstudie, die mittels App erhoben wurden, förderten weitere interessante Details zutage: Im Zeitraum von zwei Wochen vor der Influenza-Diagnose bis vier Wochen danach hatten Menschen mit Diabetes zusätzlich zu den erhöhten Komplikationsraten für Lungenentzündungen, Sepsis, sowie Herz-Kreislauferkrankungen auch einen höheren Antibiotikaverbrauch, eine schlechtere Schlafqualität und eine eingeschränktere Mobilität als die Kontrollgruppe mit Menschen ohne Diabetes. Dazu kamen um 75 Prozent mehr abnormale Blutzuckerwerte im Vergleich zu den eigenen Werten vor der Erkrankung.

Vorbeugen hilft: Blutzucker einstellen und gegen Influenza und andere Infektionen impfen

Eine Influenza-Erkrankung mit all ihren Komplikationen ist aber auch für Menschen mit Diabetes kein unabwendbares Schicksal.“, meint Diabetes-Spezialist Brath. „Wichtig ist, den Blutzucker auf einem konstant niedrigen Niveau zu halten. Heute gibt es mit Apps und Co auch schon viele technische Möglichkeiten, die das unterstützen können. Mindestens so wichtig ist aber auch die jährliche Influenza-Impfung.“ Laut Studien kann dadurch zum Beispiel das Hospitalisierungsrisiko (egal aus welchem Grund) bei Menschen mit Diabetes im erwerbstätigen Alter um mehr als die Hälfte gesenkt werden. Auch zu älteren Personen mit Diabetes gibt es Daten, unter anderem zur Sterblichkeit: Diese kann durch die Influenza-Impfung um 56 Prozent reduziert werden. Anhand von den mit Apps aufgezeichneten Real Life-Daten kann nun auch jede Befürchtung bezüglich der Impfung selbst endgültig zerstreut werden: Es wurden keine negativen Begleiterscheinungen beobachtet, weder bezogen auf das tägliche Aktivitätsniveau noch auf die getrackten physiologischen Daten.

Quelle: FINE FACTS Health Communication

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