Influenza-Impfung / Eigenverantwortung notwendig und wichtig

Mit einer Schutz-Impfung lässt sich immer wieder vorbeugen. Leider gibt es hierzulande nur allzu viele Impf-Verweigerer. Foto: Gregor Knoblauch

Mit einer Schutz-Impfung lässt sich immer wieder vorbeugen. Leider gibt es hierzulande nur allzu viele Impf-Verweigerer. Foto: Gregor Knoblauch

Die Influenza-Durchimpfungsrate in Österreich ist schlecht. So viel ist sicher, auch wenn es keine offiziellen Zahlen dazu gibt. Nach Hochrechnungen der Hersteller liegt sie nur bei etwa 6 Prozent. In Deutschland ist sie zwar auch nicht gut, aber immerhin besser. Und es wird erwartet, dass sie dieses Jahr steigt. Das hoffen Experten auch für Österreich, selbst wenn die Voraussetzungen nicht ganz vergleichbar sind. Da wie dort ist die vergangene Influenza-Saison jedenfalls schwer verlaufen, was die Impfbereitschaft für heuer erhöhen könnte. Allerdings ist die Influenza-Impfung bei uns – im Unterschied zu Deutschland – im Regelfall selbst zu bezahlen. Experten raten dennoch dazu, die vergleichsweise geringen Kosten von knapp über 20 Euro pro Impfung auf sich zu nehmen und sich und andere zu schützen. Zur Auswahl stehen verschiedenen Impfstoffarten, unter anderem der neue Vierfachimpfstoff, der zwei A- und zwei B-Stämme abdeckt, ein spezieller, adjuvierter Impfstoff für ältere Personen und ein Nasenspray für Kinder ab zwei Jahren. Bestimmte Personengruppen sollten auf jeden Fall an die Impfung denken.

Drei Beispiele:

Senioren: Impfung kann vor Influenza-bedingten Komplikationen schützen
Senioren gelten bezüglich Influenza als besonders gefährdet. Aus Umfragen der Hersteller lässt sich für diese Altersgruppe eine Durchimpfungsrate von etwa 14 Prozent errechnen. „Damit sind wir Lichtjahre von der empfohlenen Durchimpfungsrate von 75 Prozent bei älteren Menschen entfernt.“, erklärt Univ.-Prof.in Dr.in Ursula Köller, Vorsitzende der Arbeitsgruppe „Impfen“ der Bioethikkommission des Bundeskanzleramtes. In Deutschland haben sich 2017 zumindest 46 Prozent der über 60-jährigen impfen lassen, 58 Prozent haben es dieses Jahr vor. „Wir wären froh, wenn wir das auch in Österreich schaffen könnten. Dabei sollte gerade diese Personengruppe nicht zögern und zur Impfung gehen. Ältere leiden schließlich deutlich häufiger als jüngere Menschen unter Komplikationen wie zum Beispiel Lungenentzündungen, an denen man auch sterben kann. Oft wäre das durch eine Impfung pro Saison zu verhindern.“, so Köller.

Kinder: Influenza gilt gefährlicher als viele andere Infektionskrankheiten
Apropos Durchimpfungsraten: Laut einer Umfrage der Grazer Universitätsklinik lag die Durchimpfungsrate bei Influenza bei Kindern in Österreich in der letzten Saison sogar nur bei 4,8 Prozent. Die Konsequenz war mit neun toten Kindern zwischen 3 und 12 Jahren erschütternd. 2017/2018 gab es in Österreich bei Kindern mehr Todesfälle mit einer nachgewiesenen Influenza-Infektion als im gesamten Jahr 2017 durch Infektionen mit Meningokokken, Pneumokokken und Hämophilus influenzae (Erreger der eitrigen Meningitis) zusammen, gegen die schon Impfprogramme laufen. „Gründe für die niedrige Durchimpfungsrate bei Kindern dürften sein, dass die Impfung nicht im Gratisimpfkonzept enthalten ist und dass es der Bevölkerung nicht bekannt ist, dass es auch bei kindlicher Influenza schwere Verläufe gibt. Weiters ist die Influenza die häufigste impfpräventable Infektion, die zu Spitalsaufnahmen von Kindern führt.“ unterstreicht Univ. Prof. Dr. Werner Zenz von der Universitätsklink für Kinder- und Jugendheilkunde in Graz die Wichtigkeit der Influenza-Impfung.

Gesundheitspersonal: Potenzieller Überträger und Impf-Vorbild
Ganz besonders empfohlen wird die Influenza-Impfung für das Gesundheitspersonal (HCW). Darunter fallen alle Personen, die in irgendeiner Form mit Patienten zu tun haben – von Ärzten über Pfleger, Rettungsdienste, Heimhilfen und Apothekern bis hin zum Reinigungspersonal in medizinischen Einrichtungen. So sieht es zumindest das zuständige Ministerium. Zwar wurde in den letzten Jahren immer wieder über verpflichtende Impfnachweise für diese Personengruppe diskutiert, in die von manchen Spitälern nun eingeforderten Immunitätsnachweise für Mitarbeiter hat es die Influenza aber dennoch nicht überall geschafft. Und das, obwohl fast ein Viertel aller HCWs in einer milden Saison Antikörper gegen Influenza entwickeln und somit Kontakt mit dem Erreger haben müssen. Das wiederum legt nahe, dass den HCWs eine große Bedeutung bei der Übertragung des Virus zukommt.

In Deutschland wollen sich 2018 60 Prozent des medizinischen Personals gegen Influenza impfen lassen. Das ist beinahe eine Verdoppelung im Vergleich zum Vorjahr. In Österreich ist nur von den Wiener Kinderärzten eine hohe Durchimpfrate bekannt, 70 Prozent geben an, gegen Influenza geimpft zu sein. Bei allen anderen dürften die Zahlen deutlich darunter liegen. „Das Gesundheitspersonal spielt aber nicht nur eine große Rolle bei der Übertragung der Viren, sondern es kann durch viele Erkrankungen auch zu Engpässen in der Versorgung kommen.“, betont Köller. „Außerdem haben Ärzte, Pflegepersonen und Apotheker eine besondere Vorbildrolle gegenüber den Patienten. Sie müssten also allein deswegen mit gutem Beispiel vorangehen. Daher appellieren wir auch an das Gewissen aller Kolleginnen und Kollegen, nicht nur sich, sondern auch den Patienten etwas Gutes zu tun und sich impfen zu lassen. Gleichzeitig sollten die Arbeitgeber einen einfachen Zugang zu Impfungen zum Beispiel auf den Krankenhausstationen ermöglichen.“

Eigeninitiative setzen und Impfen gehen
Wir hoffen, dass zumindest den besonders gefährdeten Gruppen klar ist, dass sie hier selbst die Initiative ergreifen müssen und ähnlich wie die Deutschen heuer häufiger zur Impfung gehen“, so die Impfexpertin. „Es geht ja nicht nur um den eigenen Schutz, sondern auch darum, jene zu schützen, die nicht geimpft werden können, wie zum Beispiel Säuglinge. Der Aufwand ist überschaubar, der Nutzen kann aber sehr groß sein. Ganz besonders jetzt, wo auch der neue Vierfach-Impfstoff zur Verfügung steht, der alle wesentlichen Influenza-Stämme abdeckt.“

Quelle: Fine Facts Health Communication

Mehr zum Thema Vorsorge und Impfen lesen Sie bei uns bitte hier;

www.oevih.at 

 

 

comments are closed.