Impfen zahlt sich IMMER aus

Mag. Renée Gallo-Daniel - Präsidentin des Österreichischen Verbandes der Impfstoffhersteller. Foto: Franz Pflügl

Mag. Renée Gallo-Daniel – Präsidentin des Österreichischen Verbandes der
Impfstoffhersteller. Foto: Franz Pflügl

Kaum eine medizinische Maßnahme wird so kontrovers diskutiert wie das Impfen. Und das, obwohl kein anderes Mittel, abgesehen von sauberem Wasser, Infektionskrankheiten derart erfolgreich bekämpft hat. Impfprogramme haben aber noch weitere Vorteile: Neben der Verhinderung von menschlichem Leid und einem Beitrag zu mehr sozialer Gerechtigkeit – unter anderem durch die Stärkung von Frauen in Entwicklungsländern –  helfen sie sogar dabei, dem Steuerzahler Geld zu sparen.

Fakt ist: Die staatlichen Ausgaben für Impfungen sind alles andere als hoch. Im Schnitt geben die EU-Staaten weniger als drei Prozent aller Gesundheitsausgaben für Prävention aus. Eine Studie in 7 westeuropäischen Staaten zeigt, dass die Kosten für Impfstoffe nicht einmal 0,5 Prozent aller nationalen Gesundheitsausgaben betragen. Die wissenschaftliche Datenlage belegt aber klar, dass Impfungen eine der kostengünstigsten Interventionen im Rahmen der öffentlichen Gesundheit sind, die Renditen auf individueller, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene erzielen.

Impfungen sparen dem Steuerzahler Geld
Senioren ohne regelmäßig überprüften aufrechten Impfschutz sind besonders anfällig für Infektionskrankheiten, mit den entsprechenden Auswirkungen auf Behandlungs- und Spitalskosten sowie die Mortalität. Aufgrund der demografischen Situation mit immer mehr älteren Menschen, stellt dies ein zunehmendes Kostenproblem für die Gesellschaft dar. In einer Fallstudie in den Niederlanden wurden daher die finanziellen Auswirkungen eines Impfprogramms (Influenza, Pneumokokken, Keuchhusten, Herpes Zoster, Diphtherie, Tetanus) für Erwachsene über 50 Jahre analysiert.

Die Ergebnisse waren eindeutig: In der Gruppe der Menschen, die 2012 50 Jahre alt waren, könnten im Laufe ihres Lebens durch entsprechende Impfungen über 34.000 Infektionskrankheiten, knapp 5.800 vorzeitige Todesfälle und 127.000 Krankenstandstage vermieden werden. Dazu kommen 10,8 Millionen Euro eingesparte Ausgaben für Gesundheits- und Sozialversicherungsausgaben. Als positive Folge der Impfungen könnten auch 537 Millionen Euro an Steuereinnahmen generiert werden, die es sonst nicht geben würde. Zusammengefasst bedeutet das, dass jeder Euro, der in die Erwachsenenimpfung investiert wird, etwa vier Euro an zukünftigen Einnahmen für die Regierung bedeuten würde. Dazu Mag. Renée Gallo-Daniel, Präsidentin des Österreichischen Verbandes der Impfstoffhersteller unterstreicht: „Die Daten aus den Niederlanden sind mit Österreich durchaus vergleichbar und sollten eigentlich ein Weckruf für unser Gesundheitssystem sein. Denn: Impfungen bringen nicht nur der individuellen Gesundheit etwas, sondern auch der Volkswirtschaft und somit dem Steuerzahler.“

Durchimpfungsraten erhöhen – Kosten senken
Dass Impfen dem Steuerzahler Geld spart, zeigt auch eine EU-weite Studie zur Influenza-Impfung aus dem Jahr 2014. Von den 180 Millionen Europäern, für die eine Influenza-Impfung empfohlen wird, sind nur etwa 80 Millionen auch tatsächlich geimpft. In der geimpften Gruppe werden jährlich mindestens 1,6 Millionen Krankheitsfälle, 45.000 Hospitalisierungen, 25.000 Todesfälle und 715.000 Krankenstandtage vermieden. Ebenso Kosten in der Höhe von knapp 250 Millionen Euro. Würde die empfohlene Durchimpfungsrate von 75 Prozent in den gefährdeten Bevölkerungsgruppen tatsächlich erreicht, könnten die mit Influenza im Zusammenhang stehenden gesundheitlichen Folgen um zusätzliche 1,6 Millionen Fälle reduziert werden, weitere 24.000 Hospitalisierungen wären nicht notwendig und 10.000 Todesfälle könnten darüber hinaus vermieden werden. Ebenso 680.000 Arztbesuche und knapp 900.000 verlorene Arbeitstage. Insgesamt könnten durch Erreichung der empfohlenen Durchimpfungsrate in den Zielgruppen etwa 190 Millionen Euro an zusätzlichen jährlichen Kosten gespart werden. Österreich ist von den 75 Prozent übrigens meilenweit entfernt, einer aktuellen Befragung aus dem Jahr 2016 zufolge sind in Österreich nur 14 Prozent der über 60jährigen gegen Influenza geimpft. „Sogar, wenn eine Impfung, wie die Influenza-Impfung keine 100prozentige Schutzwirkung hat, aber zumindest schwere Krankheitsfälle verhindern kann, zeigen diese Zahlen eindeutig, dass es nicht nur aus individueller, sondern auch aus volkswirtschaftlicher Sicht Sinn macht, mehr in Impfaufklärung zu investieren. Es ist ganz wichtig, mehr Menschen zu motivieren, sich auch tatsächlich impfen zu lassen.“, so Frau Mag. Gallo-Daniel dazu.

Masern – eine Kinderkrankheit, die kostet
Auch wenn Infektionskrankheiten bei älteren Erwachsenen besonders gefährlich und kostenverursachend sind, sind auch Kinderkrankheiten nicht immer harmlos. Weder gesundheitlich, noch finanziell. Eine deutsche Studie aus dem Jahr 2009 zeigt, dass die durchschnittlichen Kosten einer Masernerkrankung bereits damals 520 Euro betrugen. Dazu kommen im Fall des Falles auch die Kosten für Arbeitsausfälle der Eltern. Schon bei einem unkomplizierten Masernfall können Mütter oder Väter erkrankter Kinder an einem bis mehreren Tagen nicht arbeiten (acht bis 24 Stunden Arbeitsausfall), wie eine weitere Studie zeigt.

Interessant ist auch ein anderer Kostenvergleich: Infolge eines Masernausbruchs in Italien (2002-2003) mussten mehr als 5.100 Menschen (zwei Drittel davon Kinder) im Spital behandelt werden. Es entstanden direkte Kosten von 17,6 bis 22 Millionen Euro, (40 bis 50 Prozent davon entfielen auf die Spitalsbehandlungen). Mit diesem Geld hätte man 1,5 bis 1,9 Millionen Kinder mit einer Dosis MMR (Masern, Mumps, Röteln) impfen können, was zusätzlich viele Fälle von Mumps und Röteln vermieden hätte. In Österreich hat man die Kostenvorteile einer Masern-Impfung übrigens bereits in den 1970er Jahren berechnet: Das jährliche Impfen von 100.000 einjährigen Kindern könnte innerhalb von 12 Jahren 528 Millionen Schilling (€ 38.371.256,00) einsparen (die Abwesenheit von Eltern am Arbeitsplatz mitgerechnet), so die Studienautoren damals.

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