Hugo Meisl´s langer Weg nach Hause

meisl1Am 16. November wäre Hugo Meisl 130 Jahre alt geworden. Just zwei Tage später eröffnete die Wiener Austria im hauseigenen FAK-Museum den „Hugo Meisl-Gedenkraum“. Damit schloss sich der Kreis und viele Devotionalien in Form von Bildern, Möbeln und andere Erinnerungsstücken an den großen Österreicher stehen nun im ersten Fußball-Museum Österreichs für die Nachwelt bereit.

Wie kam es dazu:
Hugo Meisl zog mit seiner Gattin Maria, sowie den Kindern Martha, Helga und Herbert am 6. Februar 1930 in den Karl Marx-Hof in Wien-Döbling. Die darin vorhanden Möbel wurden teilweise nach seinen persönlichen Vorgaben entworfen. Hugo Meisl erlebte von seiner Wohnung aus hautnah die Wirren um den 12. Februar 1934 und den Bürgerkrieg in Österreich mit. Gerade auch der Karl-Marx-Hof wurde von der Heimwehr und dem Militär unter argen Beschuss genommen. Ein nun ausgestellter Pokal – dieser stammt vom 29. November 1931, Österreichs „Wunderteam“ bezwang in Basel die Schweiz mit 8 : 1 – samt Einschussloch dient als stummer Zeuge an diese unrühmliche Zeit.

FAK-Stadion-Stimme Erwin Gruber (links) moderierte und FAK-Museums-Kurator Gerhard Kaltenbeck referierte. Foto: oepb

FAK-Stadion-Stimme Erwin Gruber (links) moderierte und FAK-Museums-Kurator Gerhard Kaltenbeck referierte. Foto: oepb

Seine Tochter Martha lebte bis 2009 im Karl Marx-Hof, ehe die alte Dame in ein Seniorenheim übersiedelte. Die Wohnung sah bis in die heutigen Tage so aus, als würde der Vereinsfunktionär und ÖFB-Verbandskapitän jederzeit zur Tür hereinkommen, um an seinem Schreibtisch die Arbeit zum Wohle des österreichischen Fußballsports fortzusetzen.

Zahlreiche Versuche, die Möbelstücke, Bilder, Pokale, Urkunden und dergleichen aufzuheben, sowie die Wohnung in ein Museum zu verwandeln, scheiterten kläglich. Die Erinnerungen an Hugo Meisl und das „Österreichische Wunderteam“ waren zu sehr verblasst, ebenso die akute Wohnungsnot im Großraum Wien sprachen sich eindeutig gegen dieses Vorhaben aus. Die Gefahr war demnach groß, dass das Inventar der gesamten Wohnung quasi in Pausch und Bogen auf dem Müll landen würde.

Dieser drohende Umstand rief einige Herren der Austria auf den Plan. Seit 11. Mai 2009 betreut der FK Austria Wien als erster Fußballklub Österreichs sein eigenes Museum. Die langjährige und ruhmreiche Geschichte der Wiener Violetten schrie förmlich danach. Und so adaptierte man den ehemaligen Kino-Saal im Museum zum „Hugo Meisl-Gedenkraum“, der nun für die Besucher geöffnet ist.

An der feierlichen Eröffnung am 18. November 2011 nahmen neben zahlreich geladenen Ehrengästen auch die Enkel Andreas, Brigitte und Wolfgang Hafer, sowie Herbert Meisl teil.

Erwin Gruber beim Interview mit den Nachfahren von Hugo Meisl. Foto: oepb

Erwin Gruber beim Interview mit den Nachfahren von Hugo Meisl. Foto: oepb

Einige Stimmen dazu:
ÖFB-Präsident Leo Windnter:Hugo Meisl war zweifellos der Leonadro da Vinci des Fußballsports. Gerade die Erinnerungen an ihn und seine Taten im und um den ÖFB sind Auftrag für uns, den Versuch zu starten, an die einstmals großen Zeiten wieder anzuschließen.“

Austria Wien-Vorstand Markus Kraetschmer:Austria Wien ist mehr als nur ein Fußball-Verein. Im Zuge der Adaptierungen im Horr-Stadion, nunmehrige Generali-Arena, wurde es für uns zur Verpflichtung, anhand eines Museums die Geschichte unseres Vereins aufleben zu lassen. Es freut mich ganz besonders, dass wir mit diesem Gedenkraum an Hugo Meisl erinnern können, der als „Circketer“ im Vorgängerverein aktiv war und später bei der Gründung der Amateure – unsere heutige Austria – maßgeblich beteiligt gewesen ist.

Museums-Kurator Gerhard Kaltenbeck:Dies ist eine ganz wunderbare Sache für mich. Ich möchte all jenen danken, die mit ihrer tatkräftigen Unterstützung an der Realisierung mitgewirkt hatten. Genau genommen war es bereits „5 Minuten vor 12“, denn die Wohnungsräumer standen bereits an der Türschwelle zum Leeren im Karl Marx-Hof bereit. Ich bin sehr froh, dass wir viele Exponate und Originalmöbel noch retten konnten.“

Von links: FAK-Vize-Präsident Rudi Reisner, ÖFB-Präsident Leo Windtner, sowie FAK-Vorstand Markus Kraetschmer im Austria Museum. Foto: oepb

Von links: FAK-Vize-Präsident Rudi Reisner, ÖFB-Präsident Leo Windtner, sowie FAK-Vorstand Markus Kraetschmer im Austria Museum. Foto: oepb

Meisl-Enkel Andreas Hafer: Die Wohnung lebte von Erinnerungsstücken. Als man früher zur Tür hereinkam, sah man ein großes Bild vom Länderspiel 1931 in Berlin-Grunewald. Deutschland – Österreich: 0 : 6. Für mich als Deutschen immer wieder schmerzvoll. Meine Mutter erzählte immer wieder von Spaziergängen mit Hugo. Alle paar Meter zog jemand den Hut und ging mit „Grüß Gott Herr Meisl“ freundlich vorbei. Dies hat sie sehr beeindruckt.”

Meisl-Enkel Wolfgang Hafer: „Hugo Meisl war eine Legende, der quasi über unseren Köpfen geschwebt ist. Unsere Tante hatte ihn noch sehr intensiv erlebt und ging viel mit ihm auf Reisen. Wir hatten uns daher entschlossen, ein Buch – Hugo Meisl oder Die Erfindung des modernen Fußballs/VERLAG DIE WERKSTATT – zu veröffentlichen. Er war quasi nie zu Hause. Dieser Mythos schwingt in der Familie mit. Dieser große, in Wien weltberühmte Vater und sein Nichtvorhandensein. Darum ranken sich viele Geschichten.“

Norbert Lopper (links) und sein Sohn Pierre. Foto: oepb

Norbert Lopper (links) und sein Sohn Pierre. Foto: oepb

Austria-Sekretär (von 1956 bis 1983) Norbert Lopper: „Ich bin überwältigt und freue mich über die Huldigung Hugo Meisl´s. Gerade zum 100jährigen Bestehen der Austria diese Erinnerung an einen großen violetten Fußball-Funktionär aufleben zu lassen, ist eine gute Sache. 1961 konnte ich das „50 Jahr-Jubiläum“ der Austria vorbereiten. Dies war mit den Feierlichkeiten der heutigen Zeit nicht zu vergleichen, wir saßen in einem kleinen und überschaubaren Rahmen in einem Wiener Cafe.“

Den gelungenen Abschluss dieser denkwürdigen abendlichen Veranstaltung im „Viola-Pub“ im Bauch der Ost-Tribüne der Generali-Arena nahm der Schulchor der HLW10/Reumannplatz unter der Leitung von Florian Pejrimovsky gemeinsam mit der Eisenbahner Kapelle/Musiksektion Wien Südost, Leitung: Ehrenkapellmeister Prof. Johann Österreicher mit dem wiederentdeckten „Wunderteam“-Marsch aus dem Jahre 1933 – aus dem Nachlass Hugo Meisl´s – vor.

WUNDERTEAM-MARSCH
Wir sind das Team, das Wunderteam der Wiener!
Und unser Stolz ist, jedes Spiel zu g´winner.
Für unser Österreich, für unser Wean, denn unsre Vaterstadt hab´n wir so gern.
 
Wir sind das Team, das Wunderteam der Wiener!
Und wenn´s die Leut´ nicht glauben, zeig´n wir´s ihner.
Ein jeder Schuss muss drinnen sein im Goal!
Ein so ein Team ist wundervoll.
 
Musik: Alois Kreuzberger (1933)
Text: Hans Weidt (1933)

www.fk-austria.at

www.bundesliga.at

 

 

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