HORST HRUBESCH / Die Biografie

Hort Hrubesch_Die Biografie_Scan oepbZu Beginn wollte er sich ganz und gar nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass aus Anlass seines 65. Geburtstages über ihn und sein Leben eine Biografie verfasst werden sollte. Später dann jedoch fand er daran großen Gefallen und stand dem Autor Andreas Schier auskunftsfreudig Rede und Antwort. Die Rede ist hier von Horst Hrubesch, dem Ivica Horvat, seines  Zeichens jugoslawischer Trainer des SC Rot-Weiss Essen vor der Spielzeit 1975/76 den alles entscheidenden Spitznamen mitgab: „Geheuer! Wir haben da im Sturm „Geheuer“. Lippens wird flanken auf Geheuer und Bumm – Tor!“ Das „Kopfballungeheuer“ war somit geboren.

Horst Hrubesch ist kein Mensch, der sich gegenüber Dritten wichtig nimmt. Er mied in seiner aktiven Fußballer-Laufbahn gerne das Rampenlicht, blieb bescheiden und wollte nur seine Ruhe. Dass dies, gerade bei dem im Rampenlicht stehenden Fußball-Sport nur sehr schwer zu erreichen ist, war ihm stets klar. Der Biograf bat daher nicht nur Hrubesch vor das Diktafon, sondern interviewte auch zahlreiche Freunde, Verwandte, Weggefährten, Fußballer-Kollegen und dergleichen für dieses Werk. Gemeinsam begab man sich auf Spurensuche, nach dem Wesen von Horst H., um dessen Wirken auch abseits der Fußball-Plätze näher zu kommen.

Autogrammkarte vom ersten Länderspiel. Deutschland trifft am 2. April 1980 in München auf Österreich (1 : 0) Links: Debütant Horst Hrubesch, rechts Bruno Pezzey († 1994). Sammlung: oepb

Autogrammkarte vom ersten Länderspiel. Deutschland trifft am 2. April 1980 im Münchner Olympiastadion auf Österreich (1 : 0) Links: Debütant Horst Hrubesch, rechts Bruno Pezzey († 1994). Sammlung: oepb

In 20 Kapiteln schildert Andreas Schlier den Fußball-Profi, den Trainer, aber auch den Ehemann, Vater und nunmehrigen Großvater, der als handwerklich begabter Dachdecker nach wie vor Ruhe und Entspannung beim Fliegenfischen findet, der aber auch vor einigen Jahren ein Pferdenarr geworden war.

Während seiner aktiven Fußballer-Laufbahn wurde Horst Hrubesch gerne als Spätberufener bezeichnet. Nach den Vereinen 1. FC Pelkum, Germania Hamm, Hammer SpVg und SC Westtünnen kam mit 24 Jahren das Angebot von Rot-Weiss Essen gerade recht. Hrubesch wechselte 1975 an die Essener Hafenstraße und war nun endlich in der 1. Deutschen Bundesliga angekommen. Nach zwei Jahren im Oberhaus musste RWE jedoch absteigen, Hrubesch blieb den Rot-Weissen treu und erzielte während der Zweitliga-Spielzeit 1977/78 sagenhafte 42 Tore – bis heute (s)ein einsamer Rekord. Dennoch wurde es mit dem Aufstieg nichts, in der Relegation scheiterte man denkbar knapp, aber doch, am 1. FC Nürnberg. Ein Angebot der SG Eintracht Frankfurt war das Papier nicht wert, auf dem es geschrieben stand, so folgte Hrubesch den Lockrufen Günther Netzers zum Hamburger Sport-Verein. Von diesem Augenblick an, 1978, sollte es mit ihm und dem HSV steil bergauf gehen. Gleich im ersten Jahr, 1979, wurde Hrubesch mit dem HSV Deutscher Fußball-Meister. Und spätestens mit der Trainer-Verpflichtung des Wieners Ernst Happel im Sommer 1981 erklomm der HSV sportliche Sphären, die der Verein in jenem Ausmaß dem Vernehmen nach wohl nie wieder erreichen wird können:

Vom 30. Jänner 1982 an bis 22. Jänner 1983 in 36 Bundesliga-Spielen saisonübergreifend ungeschlagen. Deutscher Meister 1981/82, sowie 1982/83. Und quasi zum Drüberstreuen holte man am 25. Mai 1983 in Athen auch noch den Europapokal der Landesmeister (heutige Champions League) gegen die „große alte Dame“ Juventus Turin (1 : 0, Tor durch Felix Magath).

Horst Hrubesch-Autogrammkarte im Dress des Hamburger SV, Saison 1978/79. Sammlung: oepb

Horst Hrubesch-Autogrammkarte im Dress des Hamburger SV, Saison 1978/79. Sammlung: oepb

Während seinen Hamburger Jahren wurde Horst Hrubesch auch von TeamchefJupp Derwall in den Kader der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft berufen. Das Debüt feierte er am 2. April 1980 im Münchner Olympiastadion gegen Österreich. Deutschland gewann zwar mit 1 : 0, Hrubesch konnte sich aber gegen den österreichischen Weltklasse-Libero Bruno Pezzey in keinster Weise durchsetzen. Und er blieb im DFB-Aufgebot nicht unumstritten.

Lediglich einer Verletzung von Klaus Fischer war es zu verdanken, dass er in das EM-Aufgebot 1980 für Italien rutschte. Dort ließ sich der streng gläubige Katholik anhand einer Audienz beim Papst „sagen“, dass er zwei Tore erzielen wird. Bloß in welchem Spiel, das vermochte der „Heilige Vater“ nicht zu beantworten. Deutschland erreichte das Finale von Rom, Gegner war Belgien, die sich im übrigen aus der Österreich-Gruppe mit einem Punkt Vorsprung auf die ÖFB-Auswahl qualifiziert hatten. Und Hrubesch sorgte mit seinen ersten beiden Toren im DFB-Dress zum 2 : 1-Finalsieg, gleichbedeutend für den Europameistertitel 1980 für die Bundesrepublik Deutschland. Der Pabst sollte somit recht behalten.

Der HSV stand 1983 als Meister und Meisterpokal-Sieger am Zenit. Manager Günther Netzer wollte verjüngen und holte mit Dieter Schatzschneider den Torschützenkönig aus der 2. Bundesliga von Hannover 96. Hrubesch wechselte zu Standard Lüttich. Er war zwar auch in Belgien für seine berühmten Kopfballtore bekannt, nach zwei Jahren erfolgte jedoch die Rückkehr in die Bundesliga zu Borussia Dortmund. Hrubesch war 1985 34 Jahre alt. Zur damaligen Zeit für einen Profi, der einen dermaßen großen Aufwand, quasi ohne Rücksicht auf Verluste, für sein Spiel betrieb, ein sehr fortgeschrittenes Alter. Nach 17 Spielen für den BVB beendete Horst Hrubesch im März 1986 seine aktive Laufbahn, die sich folgendermaßen lesen lässt:

226 Bundesliga-Spiele, 136 Tore
Dreimal Deutscher Meister: 1979, 1982 und 1983, jeweils mit dem HSV
Torschützenkönig 1. Bundesliga 1982, 27 Tore für den HSV
Gewinner des Europapokals der Landesmeister 1983 mit dem HSV
35 Zweitliga-Spiele, Rekord-Torschützenkönig 2. Bundesliga mit 42 Toren für Rot-Weiss Essen
Fußball-Europameister mit Deutschland 1980
Vize-Weltmeister mit Deutschland 1982
21 Länderspiele, 6 Tore

Sein fußballerisches Karriere-Ende dauerte nur kurz. Nach einer Alaska-Reise mit Freunden rief im Juni 1986 die alte Liebe – der SC Rot-Weiss Essen hatte sich in der Aufstiegsrunde zur 2. Deutschen Bundesliga durchgesetzt und man bot Horst den Trainer-Stuhl an, der dankend annahm. Die Trainer-Karriere nach der Spieler-Karriere begann. Es folgten Engagements beim VfL Wolfsburg, beim FC Tirol an der Seite von Ernst Happel und nach dessen Bestellung zum ÖFB-Teamchef als Chef-Trainer in Innsbruck, beim FC Hansa Rostock und bei der SG Dynamo Dresden, beim FK Austria Wien und in der Türkei bei Samsunspor. Seit April 1999 ist Horst Hrubesch überaus erfolgreich im DFB-Betreuer-Stab des Nachwuchses zuständig. Die U18, U19, U20 und U21 wird von ihm betreut und gecoacht. Das Gerüst des Fußball-Weltmeisters von 2014 wurde von ihm bereits im Nachwuchs geformt und geschmiedet. Lars & Sven Bender, Jerome Boateng, Julian Draxler, Benedikt Höwedes, Mats Hummels, Sami Khedira, Manuel Neuer, Mesut Özil, Sandro Wagner und dergleichen – allesamt wurden sie vom „sanften Riesen“ geholt, gefördert und geformt.

Horst Hrubesch-Autogrammkarte als Trainer beim FK Austria Wien, Saison 1995/96. Sammlung: oepb

Horst Hrubesch-Autogrammkarte als Trainer beim FK Austria Wien, Saison
1995/96. Sammlung: oepb

Horst Hrubesch zu charakterisieren ist mannigfach: Am Platz als Aktiver gab er für sein Team stets alles. Das gleiche fordert er nun als DFB-Trainer von seinen Jungs, die er behutsam Zug um Zug für Jogi Löw und das A-Nationalteam aufbaut und heranführt. Wenn er als Coach merkt, dass die Spieler für ihn durchs Feuer gehen, dann ist er zufrieden, dann hat er sein Ziel erreicht. Und der Privatmann Hrubesch ist jemand, der schon auch einmal einlädt, nur um mit netten Nachbarn und sehr guten Bekannten tolle Tage – beispielsweise beim Fliegenfischen zur Entspannung – erleben zu können. Er ist aber auch ein Typ – so quasi nach dem Geschmack: „Wo steht das Klavier?“ Wenn Not am Mann ist, hilft er ohne langes Federlesen aus, packt kräftig mit an und arbeitet für Dritte, und das ganz ohne große Dankbarkeit dafür zu erwarten. Einem großen HSV-Fan vermachte er seine gesamte Devotionalien-Sammlung. Dass für diesen HSVer Weihnachten, Geburtstag und sonst noch was auf einen Tag fiel, versteht sich von selbst. Medaillen, Zinnteller, Fotos, Abzeichen, Erinnerungs-Stücke und dergleichen wechselten so den glücklichen Besitzer. Er meinte lediglich, dass er vor dem geistigen Auge jene erfolgreichen Jahre stets abrufen könne. Wenn jemand anderer mit diesen Erinnerungsstücken mehr anzufangen weiß, so hat auch er damit auch eine riesengroße Freude.

Es war in den frühen 1980er Jahren. Die Schule war öde und fad und Mathematik war der Höhepunkt dieser Tristesse. Aber eines blieb dem Erzähler in der Erinnerung an jene Zeit allgegenwärtig – der „H hoch Drei hatte wieder zugeschlagen!“ So das Credo am frühen Montag-Morgen, als man auf der Garderobenbank mit gleich gesinnten Klassenkameraden sitzend den Bundesligaspieltag vom Wochenende Revue passieren ließ. „H hoch Drei“ – gleichbedeutend für Horst Hrubesch aus Hamburg. Der lange Blonde mit dem Eisenkopf lehrte seinen Gegenspielern wieder das Fürchten und zauberte so seinem Trainer, dem stets grantelnden Wiener Ernst Happel immer ein kleines schier unscheinbares Lächeln auf die Lippen.

Am Rande der Bande: Als Trainer mit dem FK Austria Wien beim Hallenturnier in Danzig am 21. Jänner 1996. Foto: oepb

Am Rande der Bande: Als Trainer mit dem FK Austria Wien beim Hallenturnier in Danzig am 21. Jänner 1996 aktiv. Foto: oepb

Der „Zauberer“ hatte es Happel überhaupt von Anfang an angetan. Die beiden sahen und verstanden sich – auf Anhieb. Auch im „Nichtangriffspakt von Gijon“ gegen Österreich 1982 hatte Hrubesch seine “Utensilien” im Spiel. Er traf nach Flanke von Pierre Littbarski nach 11 Minuten äußerst kurios, indem er sich selbst den Ball auf den Oberschenkel köpfelte und dieser von dort den Weg vorbei an Friedl Koncilia ins Tor fand. Deutschland führte gegen Österreich, beide Nationen hatten vier Punkte und stiegen auf. Anhand der verbliebenen 79 Minuten wurde wohl der Begriff „Rasenschach“ geboren, denn weder die DFB-, noch die ÖFB-Auswahl tat irgendetwas für das Spiel. Die Gelackmeierten waren die Algerier, die heimfahren mussten. Und Jahre später fand Horst Hrubesch in Austria-Mäzen Beppo Mauhart einen großen Freund und Fürsprecher. Der FAK setzte 1995/96 auf die Jugend und Horst tat wie ihm befohlen. Er bot zahlreiche hoffnungsvolle Jungspunde auf und verpasste am Ende der Saison nur knapp die UEFA-Cup-Plätze. Es kam ein neuer FAK-Präsident und Horst Hrubesch wurde gegangen.

Das letzte Wort im Buch hat Horst Hrubesch selbst: „Nochmal, ich bin so, wie ich bin. Das muss man einfach wissen. Entweder man kann damit umgehen oder man kann es nicht. Das ist ne einfache Geschichte. So. Ende der Durchsage.“

 

Eine Horst Hrubesch-Karikatur im HSV-Dress der Saison 1980/81. Sammlung: oepb

Eine Horst Hrubesch-Karikatur im HSV-Dress der Saison 1980/81. Sammlung: oepb

 

HORST HRUBESCH

DIE BIOGRAFIE
von Andreas Schlier
306 Seiten, gebunden, zahlreiche Fotos
ISBN: 978-3-579-07059-9
 
Direkt zu bestellen bitte h i e r:
 
www.dfb.de
 
www.bundesliga.de
 
www.hsv.de
 
www.rot-weiss-essen.de
 
 
 
 

 

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