Hinter den Fassaden der Ringstrasse

hinter-den-fassaden-der-ringstrasseGeschichte, Menschen, Geheimnisse

Der Beginn der Wiener Ringstrasse fand am Heldenplatz statt. Der Historienmaler Hans Markart war zur damaligen Zeit, im Jahre 1879, der Künstlerstar schlechthin. Als Kaiser Franz Josef mit Elisabeth seine silberne Hochzeit zelebrierte, übertrug eine noch unfertige Ringstrasse den Reigen an Opulenz, die das Bild eines einsamen Monarchen für ein paar Stunden zudecken sollte. Der Festzug selbst wurde ein großer Erfolg. Durch ihn wurde die junge Ringstrasse erst so richtig berühmt und beliebt bei der Wiener Bevölkerung. Dieses Massenspektakel machte aus ihr “den Ring”. Einer der wichtigsten Bauplätze der Ringstrasse wurde die kaiserliche Residenz, die Hofburg . Der Kaiser wollte etwas aussergewöhnliches schaffen und wusste damals nicht, wie geschichtsträchtig dies werden würde.

1857 erteilte Kaiser Franz Josef die Genehmigung zum Bau der Ringstrasse

Aber die Ironie der Ringstrassenbebauung lag darin, dass Kaiser Franz Josef einen Architekten aus Sachsen beauftragte. Gottfried Semper, der beispielsweise die berühmte Semper-Oper zu Dresden entwarf. Er wäre für alles mögliche prädestiniert, nur nicht zum Planer eines monarchischen Bauprojekts. Der Bau verlief schleppend. Es wurde das Maria-Theresia-Denkmal eingeweiht. Während unter der Bauleitung Gottfried Sempers die Burg allmählich Formen annahm, spekulierten die Geschäftspartner, ob der finanziellen Baukosten. Man wollte zum 50igjährigen Kaiser-Jubiläum einen möglichst fertigen Zustand präsentieren. Doch dann wurde die Kaiserin in Genf erschossen, und die Bauleitung übertrug der Kaiser seinem Thronnachfolger Franz Ferdinand. Man konnte die Pläne nicht verwirklichen, es fehlte das Geld und die Lust. Mit Ausbruch des 1. Weltkrieges 1914 und dem späteren Zusammenbruch der Monarchie wurden die Dinge immer schwieriger.
Man verschob alles auf unbestimmte Zeit.

Kein Ort in Wien hat quer durch die Jahrhundertwende so viel Düsternis gesehen, kein Prachtbau dieser Stadt ist durch so eine quälende Bauzeit gegangen, wie die Hofburg. Ein Stück noble Welt war der Corso. Er führte von der Oper Richtung Schwarzenbergplatz. Die Ringstrasse erblühte zum Stil der Zeit. Am Corso war die Creme de la Créme der Gesellschaft.

1866 wurde das heutige Wiener Rathaus auf den Ring verlegt

Die Ringstrassenatmosphäre wurde besonders beliebt durch die vielen Kaffeehäuser. Das Cafe Schwarzenberg diente früher den Stallburschen, die auf die Pferde der Fiaker aufpassten. Die Kutscher wichen im Laufe der Zeit den Autos, die Ställe verschwanden, und es wurden immer mehr Cafes mit hellen großen Räumen gebaut. Die Nobelcafes Museum, Imperial, Sacher und Heinrichhof lagen um die Oper gruppiert und bildeten den Anfang des Ringstrassencorsos. Das Cafe Schwarzenberg am dortigen Platz war anders als die noblen Cafes in Wien, dort war die Finanzwelt daheim. Dort gab es gelebte Geschlechtertrennung. Die Herren residierten im Großen Salon, deren Gattinnen nahmen im kleinen Salon Platz. Nach dem Anschluss an Nazi-Deutschland am 13. März 1938 wurde das Cafe Schwarzenberg arisiert und es hieß 7 Jahre lang Cafe Deutschland. Das Cafe Landtmann war das meistfrequentierte Ringcafe und auch das Cafe Prückl.

Zum Ringstrassencafe gehört auch die typische Wiener Torte, die heute mehr denn je zur Tradition gehört – die Sachertorte. So, wie die Torte, war und ist auch das Hotel Sacher nicht wegzudenken. Luxus auf Englisch gab es im Hotel Bristol, wohnen wie ein Prinz im Hotel Imperial. Natürlich darf man die vornehmen Palais am Ring nicht vergessen – das Palais Epstein neben dem Parlament, das Ephrussi-Palais, direkt am Schottentor und das Palais Todesco, das an der Flanke der Oper erbaut wurde und später viele Jahre Sitz der Österreichischen Volkspartei war.

Einen prominenten Toten gab es zu verzeichnen – Van der Nüll, der Erbauer der Wiener Oper erhängte sich

Aber wer erbaute die Ringstrasse wirklich? Viele von ihnen waren Arbeiterinnen der k.u.k. Wienerberger Ziegelfabrik, die am Ende mit größter Wahrscheinlichkeit körperliche Wracks waren. Dank deren unermüdlichen Einsatzes konnte erst dieses gigantische Bauvorhaben am Wiener Ring bewältigt werden.

Wenn der Wiener heute in den 1. Bezirk geht, dann fährt er nicht ,ins Zentrum´ sondern ,in die Stadt´. Der Ring hat die Stadtmauer längst abgelöst und genauso genommen steht und fällt Wien mit der Inneren Stadt. Hier pulsiert das Leben, hier trifft man sich, hier gibt es die zahlreichen Cafes, den Stephansplatz, das Kabarett Simpl, den Graben, die Kärntnerstraße, hier ist der Sitz des Parlaments und der Wiener Stadtregierung. Wien ist 1. Bezirk und Innere Stadt, das ist und bleibt das alte Wien mit seinen Gässchen, seinem Kopfsteinpflaster, seinen Pferdeäpfeln der Fiaker, der Freyung, am Hof, Judenplatz, Tuchlauben, Wollzeile, Fischerstiege, Singerstraße, Ringstraßen-Galerien und so weiter und so fort.

Kurzum that´s Vienna.

Otto Schwarz
Hinter den Fassaden der Ringstraße

Geschichte, Menschen, Geheimnisse
ISBN: 978-3-85002-589-8
www.amalthea.at
 
Das Buch ist hier zu beziehen:
 

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