HERA LIND / Der Prinz aus dem Paradies / Tatsachen-Roman

Der Prinz aus dem Paradies von Hera LindRosemarie, Ende 40, ist gar nicht begeistert, als ihr Sohn ihr eine Reise nach Sri Lanka schenkt. Sie wollte wohl ins Warme, aber tut es nicht Griechenland oder Spanien auch, muss es gleich so weit weg sein? Da die 49-Jährige nicht an Zufälle glaubt, überwindet sie ihre Ängste vor dem Ungewissen. Und auch als sie am Ferienort ankommt ist erst einmal nichts mit Idylle. Lauwarmes Poolwasser und keine Möglichkeit, ohne Schutz die Hotelanlage zu verlassen, hört sich für Rosemarie nicht nach einem Traumurlaub an. Sie fragt sich, wie sie bloß die beiden Wochen hier aushalten soll … bis sie eines Tages merkt, dass der hübsche junge Kellner sie genauso verstohlen anzublicken scheint wie sie ihn. Getreu dem Gesetz „Wenn nicht jetzt, wann dann?“, geht die seit Jahren geschiedene Rosemarie mit Hilfe ihrer Urlaubsbekanntschaft – einem Paar aus Deutschland – den ersten Schritt auf den einheimischen Mann zu und ahnt dabei nicht, wie sehr er ihre Welt auf den Kopf stellen wird. Kasun, ein Singhalese, sehr viel jünger und ganz anders als sie ist die Liebe ihres Lebens. Rosemarie lässt nur ihr Herz sprechen und heiratet Kasun ein Jahr später in seinem exotischen Land, von buddhistischen Mönchen gesegnet. Sie nimmt ihren Ehemann mit nach Deutschland, sendet viel Geld an seine Familie, doch nach sechs Monaten verschwindet er unter geheimnisvollen Umständen. Wird sie je die Gründe erfahren?

Dazu das oepb:

Nachdem uns das letzte Buch von SPIEGEL Bestseller-Autorin Hera Lind sehr begeistert hat, war für uns selbstverständlich, auch diese Geschichte zu lesen. Dieses Buch basiert natürlich wieder auf einer wahren Geschichte.

Zunächst denkt man sich, wenn man die tragische Roman-Figur Rosemarie anhand der Lektüre kennenlernt, oh je, was muss das für eine dumme und naive Frau sein, die an die große und wahre Liebe eines Insulaners glaubt. Aber man muss die Geschichte schon bis zum Ende lesen, um dabei festzustellen, dass man zu Beginn des Buches auf eine sehr kritische Frau traf, die sehr sympathisch wirkt und sehr wohl mit beiden Beinen im Leben steht. Rosemarie, gerade 49 Jahre alt geworden, ist Therapeutin und versucht anderen Menschen im Leben Halt zu geben.

Ein großes Lob an dieser Stelle an die Autorin und deren Hauptfigur Rosemarie Sommer, die uns in aller Offenheit ihre Geschichte erzählt hat. Und man bewundert Rosemarie, wie sie im Nachhinein mit dieser, mit ihrer Geschichte umzugehen vermag. Die Erzählung geht einem unter die Haut, denn so abwegig ist es doch gar nicht, auf sein Herz zu hören. Und wenn es um die Liebe geht, gehört doch immer auch Vertrauen mit dazu. Man taucht ein in Rosemarie´s Erzählungen, vergisst dabei alles irdische um sich herum und die Reise nach Sri Lanka avanciert für sie – und auch den neugierigen Leser – zu einem großes Abenteuer … 

Rosemarie hörte nur auf ihr Herz, wenngleich der Verstand ihr etwas anderes geraten hatte. Dass Liebe blind machen kann und auch immer wieder verletzend ist – Tatsachen-Roman-Hauptfigur Rosemarie ist der lebende Beweis dafür. Auf den ersten Blick denkt man, sie ist am erlittenen Liebes-Schiffbruch selbst schuld, auf den zweiten Blick jedoch sieht man eine frisch verliebte Frau, die auf die große Liebe gehofft hatte und dabei sämtliche Warnsignale übersah.

Und dennoch bleiben Fragen offen:

Da kämpften ganze Armeen von Frauen Generationen vor unserer Zeit für mehr Achtung, Anerkennung, oder Wertschätzung – und dann kommt eine Frau daher und schreibt (Buch-Zitat Nachwort der Hauptfigur Rosemarie Sommer): „Bestimmt war ich naiv, aber was soll’s! Ich habe einfach auf mein Herz gehört. Liebe schließt Vertrauen mit ein. Sonst wäre es keine Liebe. So einfach ist das! Lieben heißt geben, nichts erwarten und immer wieder verzeihen. Zu hundert Prozent. Meine Liebe zu Kasun war die beste und intensivste Zeit meines Lebens. Ich bereue nichts. Ich habe ihm die Weichen gestellt, dafür gesorgt, dass er sein Leben aus eigener Kraft verbessern konnte. Dafür hat er mich aus einem langen Dornröschenschlaf wachgeküsst und mich liebesfähig gemacht.“

Der Versuch einer späten Rechtfertigung ist dabei nicht zu überlesen. Es stellt sich jedoch die Frage, warum sie meint, sich rechtfertigen zu müssen. Soll dies womöglich ein Zeichen einer gewissen Einsicht, wenn auch unbewusst, aber immerhin, darstellen? Dabei stellt sich dem geneigten Leser / der geneigten Leserin auch die Frage: „Wenn es Kasun jetzt beruflich und auch finanziell so super-toll geht, warum gibt er ihr das Geld nicht retour oder revanchiert sich? Ach ja, das tut er ja – er schickt ihr immer wieder Fotos von seiner tollen jungen und hübschen Frau, auf die er schon (s)ein Auge geworfen hatte, als er mit ihr noch ins Bett gegangen war, weil er sie noch einmal „in aller Form um Verzeihung bitten“ wollte. Wenn das nicht selbstlos ist … Der Insel-Don Juan hätte Rosemarie auch einfach das Geld zurückgeben können, das sie jahrelang wie eine Melkkuh in ihn und seine Sippe gepumpt hatte. Aber nein, das wäre wohl zu einfach. Kasun nützte Rosemarie schamlos aus – er bot ihr als 56-Jährige einfach die Chance mit ihm, einem 34-Jährigen zu schlafen. 

Der Schreibstil ist – wie immer bei Hera Lind – flüssig und überaus angenehm zu lesen. Die Sprache ist einfach und trifft mitten ins Herz.Die Autorin verurteilt niemanden, sie zeigt nicht wer die größere Schuld hat, sie erzählt nur und überlässt das Urteil den Lesern.

Ergo – das Buch kaufen, lesen und sich selbst ein Urteil bilden. Doch Vorsicht – wer mit der Lektüre beginnt, vergisst jedwedes Zeit- und Raumgefühl um sich herum.

Dazu noch ein Hera Lind-Interview zu ihrem aktuellen Roman:

Eine Frau verliebt sich im Urlaub in einen sehr viel jüngeren Einheimischen – was hat Sie gereizt, diese Geschichte aufzuschreiben?

Hera Lind: Diese Frau ist mutig, sie traut sich was, sie verlässt das für Damen in unserem Alter vorgesehene Fahrwasser. Sie lässt sich auf ein fantastisches Abenteuer ein, sie vertraut zu hundert Prozent dem Schicksal. Und sie lässt sich auf die Liebe ein – alles zusammen ein großartiger Romanstoff.

Ist Rosemarie Sommer nicht trotzdem etwas zu gutgläubig?

Hera Lind: Das liegt im Auge des Betrachters. Die Bedenkenträger unter uns werden das sicher so sehen. Aber was verpassen die misstrauischen Menschen? Nein, Rose vertraut sich dem Leben und der Liebe an, sie geht aufs Ganze, sie will es noch einmal wissen. Und am Ende hat sie etwas erlebt, das ihr keiner mehr nehmen kann. Davor ziehe ich meinen Hut.

Konnten Sie nachvollziehen, warum Kasun sich in Deutschland nicht wohlgefühlt hat?

Hera Lind: Natürlich. Er kommt aus dem engen festen Familienzusammenhalt, aus dem warmen, vertrauten Land in die graue Kälte, in die Enge und oft sicher auch Spießigkeit. Da prallen Welten und Kulturen aufeinander, aber genau das finde ich ja so interessant und auch anrührend an der Geschichte. Man kann beide Seiten so gut nachvollziehen.

In Ihren Romanen geht es oft um Frauen, die trotz vieler Schicksalsschläge wieder aufstehen. Wie muss man gestrickt sein, um das zu schaffen?

Hera Lind: Ich denke, dass Frauen einfach anders gestrickt sind als Männer, sonst würde die Natur sie ja nicht ausgewählt haben für das Austragen, Gebären und Großziehen von Kindern. Und sie haben oft diesen Optimismus, diese Leuchtkraft, dass alles zu schaffen ist, wenn man nur dran glaubt.

Sind Männer und Frauen gleichermaßen belastbar in Krisensituationen?

Hera Lind: Ich möchte den Männern ihre Belastbarkeit in gewissen Situationen nicht absprechen. Bestimmt können sie besser Bäume fällen und Autos reparieren, und vielleicht kennen sich manche mit Elektronik besser aus, aber wir Frauen holen in jeder Hinsicht auf.

Welche Voraussetzungen müssen die Geschichten, die bei Ihnen eingehen, erfüllen, damit Sie daraus einen Tatsachenroman machen?

Hera Lind: Für mich ist es wichtig, dass die Protagonistin aus Liebe handelt, nicht aus Hass, Rachsucht oder Verbitterung. Wenn sie aus Liebe etwas wagt, etwas aufs Spiel setzt und vielleicht auch mal was Törichtes macht, ist sie mir umso sympathischer. Das macht uns Frauen doch aus.

Biografie
Hera Lind studierte Germanistik, Musik und Theologie und war Sängerin, bevor sie mit ihren zahlreichen Romanen von „Die Champagner-Diät“ und „Verwechseljahre“ bis „Eine Handvoll Heldinnen“ sensationellen Erfolg hatte. Auch mit ihren Tatsachenromanen „Kuckucksnest“, „Die Frau, die zu sehr liebte“ und „Mein Mann, seine Frauen und ich“ eroberte sie die SPIEGEL-Bestsellerliste. Hera Lind lebt mit ihrer Familie in Salzburg.

Hera Lind
Der Prinz aus dem Paradies
Roman nach einer wahren Geschichte
Taschenbuch, 416 Seiten, Diana Verlag
www.randomhouse.de/diana
ISBN: 978-3-453-35927-7
Zum Preis von € 10,30 (Österreich), € 9,99 (Deutschland)
 
Direkt zu bestellen bitte hier:
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www.heralind.com

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