HdGÖ / Die vielen Gesichter des Urlaubs in Österreich

“Urlaub zu Hause” bringt sehr viele Vorteile mit sich. Kein Stau bei Hitze auf der Autobahn, keine ungezogenen Kinder im Flugzeug, sowie kein Mitmach-Stress in einem 14tägigen “All inklusive-Urlaub” in einem Land, in dem die Touristen ohnehin nicht gerne gesehen sind. “Österreich ist schön! Komm, bleib!” so lautete einst die Botschaft auf einer Auslandspostkarte der Österreichischen Post AG. Und unserer Hotellerie und Gastronomie hilft es auch, wenn der Schilling, Pardon, der Euro im schönen Lande Österreich verbleibt. Foto: © Haus der Geschichte Österreich

“Urlaub zu Hause” bringt sehr viele Vorteile mit sich. Kein Stau bei Hitze auf der Autobahn, keine ungezogenen Kinder im Flugzeug, sowie kein Mitmach-Stress in einem 14tägigen “All inklusive-Urlaub” in einem Land, in dem die Touristen ohnehin nicht gerne gesehen sind. “Österreich ist schön! Komm, bleib!” so lautete einst die Botschaft auf einer Auslandspostkarte der Österreichischen Post AG. Und unserer Hotellerie und Gastronomie hilft es auch, wenn der Schilling, Pardon, der Euro im schönen Lande Österreich verbleibt. Foto: © Haus der Geschichte Österreich

„Daheim bleiben!“ lautet das Motto 2020: Urlaub in Österreich ist heuer angesagt. Das Haus der Geschichte Österreich (hdgö) begleitet den ungewöhnlichen Sommer 2020 seit Juli mit einem eigenen Themenschwerpunkt.  Das Zeitgeschichte-Museum blickt dabei zurück auf die Entwicklung von der „Sommerfrische“ zum Urlaub und sammelt gleichzeitig aktuelle Sommer-Erlebnisse.

Als Zeitgeschichte-Haus ist das hdgö besonders an den heurigen Urlaubserfahrungen interessiert: Wie fühlt sich der Sommer in Österreich an? Ist die Kulisse wie in einer Tourismus-Werbung oder doch ganz anders? Macht der Strand oder eher die Couch das Rennen um den beliebtesten Platz? Seit Juli können alle Interessierten ihren Urlaub ins Museum bringen. In einer ständig wachsenden Web-Ausstellung sammelt das Haus Fotos in unterschiedlichen Kategorien wie „Balkonien“, „frischer Sommer“, „Süße Mitbringsel“ oder „Hoch hinaus“. In den letzten Ferienwochen ruft das hdgö nochmals auf, teilzunehmen und die eigenen Bilder hochzuladen. So entsteht interaktiv und dynamisch eine Web-Ausstellung, die das hdgö-Team kuratiert und mit zeit- sowie kunsthistorischen Bildern bereichert. Jedes Foto erscheint nicht nur im Web, sondern ist auch als Teil der Ausstellung im hdgö selbst am Wiener Heldenplatz zu sehen.

Wir machen im hdgö nicht nur Zeitgeschichte erlebbar, sondern thematisieren und dokumentieren auch die Gegenwart. In einem außergewöhnlichen Jahr wie diesem ist das besonders interessant. Wie erleben die Menschen den „Sommer daheim“? Welche Bilder und Erlebnisse bringen sie mit? Das kann jede und jeder auf unserer Webseite teilen. Wenn wir in einem Jahrzehnt zurückschauen, sind das nicht nur Erinnerungen, sondern auch mitgeschriebene Geschichte!“, so die hdgö-Direktorin Monika Sommer.

Von der Sommerfrische zum Urlaub

Der Blick zurück zeigt, dass der heute selbstverständliche Urlaub am Anfang des 20. Jahrhunderts noch eine Errungenschaft war: Erst seit rund 100 Jahren gibt es offiziellen Anspruch auf Erholung. In der „Sommerfrische“ entdeckte eine kleine Oberschicht die österreichische Landschaft neu. Die Auszeit am Land wurde zum Inbegriff für Erholung und Inspiration, Berge und Seen zum Sehnsuchtsort.

Durch den Zweiten Weltkrieg wurde diese Praxis jäh unterbrochen. Obwohl gerade Zugstrecken stark zerstört worden waren, gelang vor 75 Jahren Unglaubliches: Noch im Jahr des Kriegsendes nahm der Arlberg-Express wieder seine Fahrt auf. Das hdgö ermöglicht auf seiner Homepage auch eine filmische Rückschau: Die internationalen Filmnachrichten präsentierten die wieder eröffnete Eisenbahnverbindung als Beweis, dass Österreich wieder mit der Welt verbunden war und Hoffnung auf Normalität bestand. Sie betonten aber auch die Leistungen der Technik und vor allem die Schönheit von Bergen und Natur im vergleichsweise wenig zerstörten Westösterreich.

Erst in der Konsumgesellschaft der Nachkriegszeit und durch das „Wirtschaftswunder“ wurde Urlaub ein breites Phänomen. Ab den 1950er Jahren suchte ein neuer Patriotismus das typisch Österreichische in der schönen Landschaft, vermittelte Stolz auf diese Regionen und stellte es als staatsbürgerliche Pflicht dar, „daheim“ zu bleiben. Mit den immer häufiger werdenden Motorrädern und teils auch Autos, aber auch mit dem Fahrrad wurden die ÖsterreicherInnen dazu eingeladen, sich ihr „Vaterland“ anzueignen. 1955 veranstaltete der Arbeiter-Rad-und-Kraftfahrer-Bund Österreichs (ARBÖ) eine „Non Stop Fahrt“ durch Österreich. Anlässlich der Unterzeichnung des Staatsvertrags sollte so durch das gemeinsame Erleben betont werden, dass das Land nun durchquert werden konnte – auch wenn die Zonengrenzen schon davor die Bewegung kaum mehr eingeschränkt hatten. Das spiegelt sich auch in einer Plakette wieder, mit der 1955 die „Freie Fahrt“ durch Österreich gefeiert wurde. Zu sehen ist sie im hdgö und online.

Mehr zur Geschichte des Urlaubs in Österreich, zu Geschichten und Objekten sowie den aktuellen Eindrücken des Sommers 2020 erfahren Interessierte auf der hdgö Webseite unter www.hdgoe.at oder direkt im Museum, das im Sommer von Donnerstag bis Sonntag geöffnet hat

Quelle: Haus der Geschichte Österreich

Das Haus der Geschichte Österreich

Das HdGÖ ist das erste zeitgeschichtliche Museum der Republik. Angesiedelt am geschichtsträchtigen Heldenplatz in der Neuen Burg, bietet das hdgö in seinen Ausstellungen Einblicke in die wichtigsten politischen, gesellschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklungen des letzten Jahrhunderts bis ins Heute. Außergewöhnliche Objekte, teils noch nie gezeigte Dokumente und interaktive Medienstationen machen Zeitgeschichte für Klein und Groß erlebbar – in historischen Räumen mit zeitgemäßer Architektur und Gestaltung. Viele interessante Fragen und Themen der österreichischen Zeitgeschichte mit Blick auf Gegenwart und Zukunft werden in Themenführungen, Workshops und Veranstaltungen diskutiert. Für alle, die unterwegs oder zu Hause neugierig auf Geschichte sind: Eigene Web-Ausstellungen, aktuelle Schwerpunktthemen und interaktive Bildersammlungen bieten immer wieder Neues aus der Vergangenheit.

Öffnungszeiten bis Ende August 2020

Donnerstag bis Sonntag 10–18 Uhr

Wenn nicht anders angegeben, gelten diese Öffnungszeiten auch an Feiertagen.

Öffnungszeiten ab September 2020

Dienstag bis Sonntag 10-18 Uhr, Donnerstag 10-21 Uhr

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