Hans Menasse – The Austrian Boy / Zum 90. Geburtstag

Der junge Hans Menasse in den frühen 1950er Jahren im Vienna-Dress. Foto: privat

Der junge Hans Menasse in den frühen 1950er Jahren im Vienna-Dress. Foto: privat

Der Wiener Kosmopolit Hans Menasse beging dieser Tage seinen 90. Geburtstag. Die allerbesten Glückwünsche nachträglich noch von dieser Stelle.

Demnach aber auch Grund genug, (s)ein ereignisreiches Leben hier Revue passieren zu lassen;

Heimatstadt Wien

Hans Menasse kam am 5. März 1930 in Wien zur Welt. Er war das jüngste von drei Kindern. Gemeinsam mit den Eltern Adolphine (aus Mähren, heutiges Tschechien, stammend), sowie seinem jüdischen Vater Richard (beruflich als Handelsvertreter für Pelzwaren aktiv), sowie den älteren Geschwistern Gertrude (* 1919) und Kurt (* 1923) lebte die fünfköpfige Familie in einer Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung im 19. Wiener Gemeindebezirk, in Döbling.

Die Religion, als auch die Politik, spielte im Haus Menasse keine Rolle. Die Familie verstand sich als Teil des assimilierten jüdischen Bürgertums. Man identifizierte sich zuerst mit dem Herrscherhaus der Habsburger und nach dem Monarchie-Zerfall mit dem daraus resultierenden Kleinstaat Österreich

Fußball-Interesse alsbald geweckt

Sehr bald schon wird „Klein-Hans“ mit dem Fußball-Virus infiziert. Er erinnert sich dazu: „Meine Beziehung zum Fußball begann im Jahre 1937. Da war ich sieben Jahre alt und mein Vater nahm mich erstmals auf die Hohe Warte mit. Zu dieser Zeit wohnten wir noch auf der Döblinger Hauptstraße und es waren nur drei, vier Stationen mit der Straßenbahn zur Hohen Warte hin. Mein Vater war glühender Vienna-Anhänger. Einer, den mein Vater sehr bewunderte, war der Karl Rainer, Stammspieler und zeitweise auch Kapitän des Wunderteams  ein damaliger Star der Vienna. Und dann, eines Tages, ist der Rainer plötzlich vor unserer Türe gestanden und hat unsere Wohnung arisiert …“

 Im Frühjahr 1959 bot die Wiener Austria folgende Stürmer (von links) auf: Hans Menasse, Johann Riegler, Horst Nemec http://www.oepb.at/allerlei/flugzeugtraeger-horst-nemec-zum-80-geburtstag.html, Peter Hrncir, Dr. Walter Schleger http://www.oepb.at/allerlei/prof-walter-schleger-war-der-doktor-fussball.html. Foto: Menasse

Im Frühjahr 1959 bot die Wiener Austria folgende Stürmer (von links) auf: Hans Menasse, Johann Riegler, Horst Nemec, Peter Hrncir, Dr. Walter Schleger. Foto: Menasse

Flucht vor den Nationalsozialisten

Mit den Worten von Bundeskanzler Kurt Schuschnigg GOTT SCHÜTZE ÖSTERREICH, die dieser zum Ende seiner Rundfunkansprache am Abend des 11. März 1938 gleichzeitig mit seinem Rücktritt verkündete, war auch die bisher unbeschwerte Kindheit von Hans Menasse vorbei. In den frühen Morgenstunden des 12. März 1938 marschierten Deutsche Truppen unbehelligt in Österreich ein, der politische Anschluss an Hitler-Deutschland wurde wenige Tage später vollzogen. Für die Juden in Österreich hieß das nun entweder unterzutauchen, oder aber zu flüchten. „Meine Tochter Eva hat später für ihr Buch „Vienna“ recherchiert und mit einem alten Vienna-Funktionär gesprochen, der hat geschworen, dass der Rainer kein richtiger Nazi war. Er war halt ein Profiteur. Solche hat es viele gegeben.“, so Hans Menasse Jahrzehnte danach über diese Zeit. Und er fährt fort: „Wir hatten drei Tage, um auszuziehen, übersiedelten in die Liechtensteinstraße zur Mutter meines Vaters, wo wir es nicht mehr so behaglich hatten. Sechstes Stockwerk, ohne Lift. Aber auch diese Wohnung wurde arisiert. Die Großmutter kam ins KZ nach Theresienstadt und starb ein paar Tage später. Meine Familie landete auf der sogenannten „Mazzesinsel“ im zweiten Bezirk, der Leopoldstadt, wo viele Juden wohnten.“ Die Nazis versuchten, die katholische Mutter zur Scheidung zu bewegen: „Hätte sie zugestimmt, wäre mein Vater sicher auf schnellstem Weg ins KZ gekommen. Sie weigerte sich. So wurde er „nur“ zum Zwangsarbeiter.“, so Hans Menasse.

Kindertransport nach England

Die Lebens-Situation in Österreich und Wien wurde immer prekärer. Die Eltern wollten ganz einfach ihre Kinder in Sicherheit wissen. Es gelang, die beiden Söhne – die Schwester war mit ihrem künftigen Mann bereits vorher emigriert – mit einem Kindertransport nach England zu schicken: „Ich sollte es nicht als tragisch empfinden, sie haben es mir als „lustiges Abenteuer“ schmackhaft gemacht und gesagt, sie würden bald nachkommen. Es muss aber schrecklich gewesen sein, drei Kinder auf einmal zu „verlieren“ und nicht zu wissen, wie es weitergehen sollte.“, so Menasse heute. Noch vor der Ankunft im Dezember 1938 in London, während der Reise, erkrankte Hans an Scharlach: „Von einer Krankenschwester lernte ich im Londoner Spital die ersten englischen Worte. Sie meinte, wenn der Doktor käme und sich nach meinem Befinden erkundigen würde, sollte ich antworten: „Very well, thank you“. Das sagte ich dann auch, und der Arzt strich mir über die Wange und antwortete: „Good boy!“ Im September 1939 brach der Krieg aus, und weil man fürchtete, die Nazis würden bald London bombardieren, schickte man die Schulkinder und auch uns aufs Land, in die Nähe von Luton.“ Dass dort, im Mutterland des Fußballs natürlich auch dem runden Leder nachgejagt wurde, versteht sich von selbst. Ein Talent-Scout wurde auf den kleinen Hans aufmerksam, und dieser durfte dann in den Knabenmannschaften von Derby County und Luton Town mitkicken. Der Grundstein für eine Fußballer-Karriere ward somit gelegt.

Das Bürohaus der Motion Picture Export Association in Wien VII, Neubaugasse 1 in den 1950er Jahren. Hans Menasse agierte von dort aus viele Jahrzehnte lang in der und für die Film-Branche. Foto: Menasse

Das Bürohaus der Motion Picture Export Association in Wien VII, Neubaugasse 1 in den 1950er Jahren. Hans Menasse agierte von dort aus viele Jahrzehnte lang in der und für die Film-Branche. Foto: Menasse

Ein “Englischer“ Teenager

„Die erste Zeit in England hat man noch Nachrichten aus der Heimat erhalten. Aber zwischen 1939 und 1945 haben die Eltern keine Ahnung gehabt, wie es uns Kindern geht, und wir Kinder wussten umgekehrt auch nicht, wie es den Eltern zu Hause geht, ob sie überhaupt noch leben. Es dauerte sehr lange, bis ich das alles realisieren konnte. Ich bin in Dunstable gelandet, das liegt etwa 60 Kilometer nördlich von London. Von 1940 bis 1947 hab ich nur noch Englisch gesprochen. Es war ja niemand da, mit dem ich Deutsch reden konnte. Ich habe meine Muttersprache komplett vergessen. In Wien, mit acht Jahren, war ich ein lebhaftes, fröhliches Kind. Aber dort? Ich bin auf einmal schüchtern geworden. Ich hab angefangen, Nägel zu beißen, bin leicht rot geworden, habe gestottert, war introvertiert. Ich hatte mich total verändert. Gott sei Dank ist es später, mit den Jahren, wieder besser geworden. Im Winter 1945 kam ein Brief aus Wien … von den Eltern. Da wusste ich, sie sind noch am Leben. Aber erst im Frühling 1947 hat meine Rückreise organisiert werden können. Deutsch hatte ich komplett verlernt, aber es war gespeichert im Hinterkopf und nach drei, vier Monaten wieder da. Was mir über all die Jahre geblieben ist, ist ein leichter Akzent.“, so Hans Menasse in seinen Lebenserinnerungen über seine „englischen“ Jahre.

Zurück in alter Heimat

Im April 1947 kehrte Hans Menasse also endlich wieder nach Hause, nach Österreich und Wien zurück. Da sprach er kein Deutsch mehr. Der ältere Bruder Kurt war der britischen Armee beigetreten: „Am liebsten wäre er, mit dem Gewehr in der Hand, zurückgekehrt, um – wie Rambo – Österreich zu befreien. Das ging natürlich nicht. Hingegen musste er in Burma gegen die Japaner kämpfen. Ein höchst gefährliches Unternehmen. 80 Prozent seiner Regimentskameraden kamen ums Leben. Schließlich landete er, als britischer Soldat, in der Steiermark. Von dort aus gelang es ihm auch, unsere Eltern zu unterstützen. Und was war aus Karl Rainer geworden? Bei dem klopfte mein Bruder in englischer Uniform, in Begleitung unseres Vaters, an. Dem Rainer schlief das Gesicht ein und er wurde kreidebleich beim Anblick der beiden. Mein Bruder meinte nur verächtlich: „Keine Angst, wir wollten uns nur noch einmal die Wohnung anschauen.“ Unsere Familie hätte sie sich damals wohl auch nicht mehr leisten können …“

Blau-Gelb ist sein Herz

In Hans Menasse erwachte die alte Liebe zum Fußballsport und zur Vienna wieder: „Von Arsenal London bekam ich damals einen Brief. Tom Whitaker, ein legendärer Manager, wollte mich für das dortige Amateurteam verpflichten. Aber das war 1949, da war ich schon wieder zurück in Wien und bei der Vienna.“ Sein Oberhaus-Debüt für den Döblinger Nobelverein gab er in der Saison 1950/51, wobei dem damals 20-jährigen in 9 Spielen 8 Tore gelungen waren. Die Vienna, mit dem jungen Hans Menasse, war damals am sportlich gesehen aufsteigenden Ast. So war es auch nicht verwunderlich, dass Menasse zu Teamehren kam. Sein Debüt feierte er am 26. April 1953 im Budapester Nepstadion. Österreich rang der damaligen Weltklassemannschaft Ungarn ein respektables 1 : 1 ab. Hans Menasse gab die Vorlage zum zwischenzeitlichen 0 : 1 für Rainer Hinesser. Eine Gelbsucht verhinderte allerdings, dass Menasse dem Kader der ÖFB-Auswahl, die bei der Fußball-Weltmeisterschaft in der Schweiz 1954 den hervorragenden Dritten Platz belegte, angehörte. Dennoch ging es für ihn sportlich gut weiter, mit der Vienna holte er 1954/55 die bislang letzte gewonnene Meisterschaft nach Döbling.

Als die Wiener Austria am 11. Mai 2009 als erster Fußballverein Österreichs ihr Museum eröffnete, war auch Hans Menasse unter den geladenen Gästen anzutreffen. Im Bild von links: der langjährige Austria-Sekretär Norbert Lopper http://www.oepb.at/allerlei/mister-austria-das-leben-des-norbert-lopper.html, dahinter in der Bildmitte sein Sohn Pierre Lopper, sowie rechts Hans Menasse. Foto: © oepb

Als die Wiener Austria am 11. Mai 2009 als erster Fußballverein Österreichs ihr Museum eröffnete, war auch Hans Menasse unter den geladenen Gästen anzutreffen. Im Bild von links: der langjährige Austria-Sekretär Norbert Lopper, dahinter in der Bildmitte sein Sohn Pierre Lopper, sowie rechts Hans Menasse. Foto: © oepb

Große Liebe FK Austria Wien

Es war sein größter Wunsch, irgendwann einmal für seinen Herzensverein, die Wiener Austria spielen zu können. „Ich kannte den Joschi Walter aus seiner Zeit bei der Vienna. Der war dann ab 1958 Geschäftsführer der Austria. Das war meine Chance, dort wollte ich hin. Die Veilchen waren immer mein Lieblingsverein, weil die am schönsten gespielt haben – das Wiener Scheiberlspiel, das technische ausgereifte Fußballspiel.“, so Hans Menasse weiter. Die Vienna wollte ihren verdienstvollen Akteur allerdings nicht so ohne weiteres ziehen lassen. Erst als die Kasse leer war und man auf der Hohen Warte Geld für ein neues Flutlicht benötigte, kam Leben in die Sache. Die Vienna verlangte von der Austria 120.000 Schilling. (zirka 8.720,00 Euro) Der damalige Marktwert wäre üblicherweise bei der Hälfte gelegen. Die Austria konnte und wollte diese Summe nicht berappen. Mit dem Erreichen der Vize-Meisterschaft 1956/57 und den damit zu erwartenden Einnahmen aus dem Mitropacup zeigte sich die Vienna gnädig und gab ihn nach 113 Spielen für Blau-Gelb mit 55 Toren frei.

Gesundheitliches Problem

Die Austria unterzog den vermeintlichen Neuzugang einem gründlichen Gesundheits-Check. Aus diesem ging hervor, dass Menasse einen Schatten auf der Lunge habe. Der untersuchende Arzt verhängte ein einjähriges Spielverbot. Über Joschi Walter landete Menasse in der Schweiz bei einem Spezialisten. Dieser diagnostizierte, dass der Schatten weder lebensbedrohlich sei, noch müsse er seine Laufbahn beenden. Nach einer intensiven Kur sei er wieder voll belastbar. In der Zwischenzeit einigten sich die Vienna und die Austria auf einen Leihvertrag für Menasse. Die Austria wurde 1958/59 Vierter mit 15 Punkten Rückstand auf den Meister Wiener Sport-Club. Zu schwankend waren die Leistungen der violetten Kicker gewesen. Menasse lief im Frühjahr 1959 in 10 Spielen für den FAK auf, es gelangen ihm dabei 3 Tore. Am Ende der Saison zog die Austria die Kaufoption für ihn jedoch nicht. Die lange krankheitsbedingte Spielpause sorgte dafür, dass er nicht mehr an seine alte Stärke herankam. Im Juli 1959 war für Hans Menasse nach 123 Fußballspielen mit 58 Toren im Oberhaus und 2 A-Länderspielen für Österreich Schluss mit dem aktiven Sport. Zwei Jahrzehnte später gehörte Menasse über 10 Jahre lang dem Vorstand der Wiener Austria an.

Von Wien aus nach Hollywood

Im Fußballsport verdiente man in der damaligen Zeit keine allzu großen Summen. Vater´s Wunsch war es immer gewesen, Hans solle einen „ordentlichen Beruf“ ergreifen. Mithilfe seines Bruders Kurt hätte er einen Job als Dreher bei Siemens bekommen. „Da aber wurde ein Mann zu einer der entscheidenden Menschen meines Lebens, nämlich unser jüdischer Hausmeister, der alles wusste. Als er von diesem Angebot hörte, nahm er sich meinen Vater zur Seite und erklärte: ‚Hören S’, Herr Menasse, wann hat es je einen jüdischen Dreher gegeben?‘ Ich konnte doch Englisch! Ein Riesensvorteil, denn während der Nazizeit hatte es in den Schulen keinen Englischunterricht gegeben. Da würde es einen großen englischen Filmverleih in der Neubaugasse geben, ich möge es doch dort versuchen. Ich ging hin, und es war sogar ein amerikanischer Verleih. Der größte. Und ich wurde genommen und blieb mehr als viereinhalb Jahrzehnte.“, so Hans Menasse über seine Karriere nach der Karriere.

Mit den Filmstars auf Du und Du

Die Stars kamen nach Wien („Der erste, glaube ich, war Danny Kaye, der reiste als UNO-Botschafter an“), oder aber Menasse begleitete die Journalisten zu den Film-Stars ins Ausland. In Wien landeten der Starregisseur Michael Curtiz („Casablanca“) und seine Hauptakteure Sophia Loren und Maurice Chevalier für den Streifen „Olympia“: „Die Loren war ein bisserl mühsam. Sie hatte sich das Recht gesichert, alle Fotos zu sichten und freizugeben. Doch da waren Time, Life, Paris Match, die unbedingt erste Bilder bringen wollten. Was sollte ich angesichts einer solchen Medienmacht tun? Ich hab ihnen Material gegeben, und die Loren hat mich dann zusammengestaucht. In einer Wohnung in der Mahlerstraße, die sie mit ihrem Ehemann Carlo Ponti gemietet hatte. Sie kam mit Bademantel und Handtuch überm Kopf aus der Dusche, und los ging’s mit der Schimpferei …“, erinnert sich Menasse lächelnd an seine erste Jahre „beim Film“.

Ganz anders dagegen war Michael Curtiz, der sich an ihn wandte und fragte: „Ich möchte meine Hauptdarsteller gerne begrüßen. Aber mit welchen Worten? Was, Hans, halten Sie davon, wenn ich sage: „Mit Ihrer Hilfe, Sophia, und mit der Hilfe von Monsieur Maurice möchte ich einen großartigen Film machen“. Ist das gut?“ Hans Menasse: „Herrlich. Er, der Regisseur des legendären Streifens Casablanca, wollte einen so einfachen Tipp von mir haben!“

Auch der „Ben-Hur“-Star Charlton Heston war alles anderes als pflegeleicht: „Der wollte nur Fragen über sich beantworten. Wenn jemand von den Journalisten etwas anderes wissen wollte, schaute er gelangweilt zum Fenster hinaus und schwieg ganz einfach“

Heiter dagegen der Meister-Regisseur Alfred Hitchcock: „Da reiste ich mit drei Journalisten zu einer Pressekonferenz für „Frenzy“ nach München. Er hatte mitbekommen, dass Österreicher im Saal waren, und dann bat er einen Mitarbeiter: „Bring me the Austrians!“ So landeten wir in seinem großen Appartement im Hilton und er spottete: „Habt ihr mitgekriegt, was mich die Germans dauernd gefragt haben? Warum in „Frenzy“ kein Blut fließt. Haben die nicht mitgekriegt, dass alle weiblichen Opfer im Film stranguliert wurden?“ Wir waren gut 90 Minuten bei ihm, und er erzählte, erzählte, erzählte.“

2019 erschien im böhlau Verlag die Lebensgeschichte von Hans Menasse / The Austrian Boy. ISBN 978-3-205-20782-5. Prädikat: Absolut lesenswert!

2019 erschien im böhlau Verlag die Lebensgeschichte von Hans Menasse / The Austrian Boy. ISBN 978-3-205-20782-5. Prädikat: Absolut lesenswert!

„Einmal kam ein Anruf aus Los Angeles. Sie wollten mir einen jungen Regisseur schicken, der einen TV-Film gemacht hatte, der bei uns in den Kinos laufen würde. Er sei ein Wunderkind. Ich möge für ihn Interviews arrangieren. Das war gar nicht so einfach. Nicht alle Journalisten wollten. Doch einiges gelang doch. Mir fiel auch auf, dass der junge Mann dauernd telefonierte und dass die Telefonrechnung höher war als die fürs Appartement im Sacher. Manchmal bekam ich mit, dass es um einen Fisch ging. Und so lud ich ihn zu einem Fischessen nach Fischamend.“, erinnert sich Menasse weiter. Der Wonderboy hieß übrigens Steven Spielberg, und beim Fisch ging es um seinen späteren Welterfolg „Der weiße Hai“.

Jahre später, für „Schindlers Liste“ kam Spielberg wieder nach Wien. Menasse hat auch hier eine herrliche Erinnerung parat: „Ich hatte eine Super-Suite im Hotel Imperial bestellt. Plötzlich ein entsetzter Anruf aus Hollywood: Sofort stornieren! Dort hat ja auch Adolf Hitler gewohnt, und es darf nicht sein, dass Steven am Ende in seinem Bett schlafen muss!” Und weiter: „Kein Zimmer in einem oberen Stockwerk! Nur im Erdgeschoß oder höchstens im ersten Stock. Denn Steven ist klaustrophobisch und könnte eine Panik kriegen!“ Man wechselte das Hotel und der Stargast wurde in die Garage chauffiert: „Demnach mussten wir wohl oder übel den Fahrstuhl nehmen. Doch er hat’s überstanden.“ Gespeist wurde diesmal im „Steirereck“, kein Fisch.

Ein erfülltes Leben

Im Vorjahr – 2019 – erfolgte für Hans Menasse die längst fällige Verleihung des Goldenen Verdienstzeichens des Landes Wien durch Bürgermeister Michael Ludwig. Im Zuge dessen erschien im böhlau Verlag auch seine Autobiographie: Hans Menasse – The Austrian Boy. Ein Leben zwischen Wien, London und Hollywood. Als Pressechef eines US-Filmverleihs betreute er beinahe fünf Jahrzehnte lang die zahlreichen Filmstars bei ihren Besuchen in Wien. Menasse ist in zweiter Ehe mit Gattin Christine, die er beim Filmverleih kennenlernte, verheiratet. Seine Kinder sind der Schriftsteller Robert, die Schriftstellerin Eva und die Biologin Tina.

Quelle: oepb

www.firstviennafc.at

www.austria.wien

www.bundesliga.at

www.oefb.at

comments are closed.