HANS HOLT / „Sein“ Applaus galt nur dem Kaiser

Kammerschauspieler Hans Holt im Jahre 1950. Foto: ÖNB

Kammerschauspieler Hans Holt im Jahre 1950. Foto: ÖNB

Vom attraktiven Liebhaber bis hin zum Pfarrer gelangen Hans Holt in seiner Schauspielkarriere sämtliche Rollen mit Bravur. Heute scheint Hans Holt vergessen und genau diese Rolle hatte er nie gespielt.

Ein Wiener vom Scheitel bis zur Sohle

Karl Johannes Hödl kam heute vor 110 Jahren, am 22. November 1909 in Wien zur Welt. Vater Karl Hödl war beruflich als Glasermeister tätig und hoffte, dass sein Sohn dereinst in seine Fußstapfen treten würde. Mutter Paula jedoch entdeckte sehr bald das schauspielerische – und absolut nicht durchsichtige – Talent ihres Sohnes und förderte dieses auch. Also erlernte Karl jun. in der Akademie für Musik und darstellende Kunst in Wien den Beruf eines Schauspielers. Die Premiere von Hans Holt erfolgte 1930 am Volkstheater in einem Ferdinand Bruckner-Stück. Was sehr bald folgte waren Engagements im böhmischen Reichenberg, in Berlin und Zürich. Dennoch blieb Hans Holt der Wiener Stadt und seinem Publikum ein ganzes Leben lang verbunden und auch erhalten.

Wie Holt war, so spielte er auch

Der stets Konflikten aus dem Weg gegangene Hans Holt besaß eine ungeheure Ausstrahlung. Auch auf die Damenwelt. So stammt von ihm beispielsweise das Bonmot: „Kein Mann ist so stark wie eine Frau, die schwach wird!“ Hans Holt galt als Charmeur der alten Schule und herzensguter Mensch. Und so waren auch meist seine Rollen. Er versprühte Herzenswärme und verkörperte seine Rollen beinahe durch die gesamte Weltliteratur – von Franz Grillparzer, Johann Nestroy, Arthur Schnitzler, über Anton Tschechow, Franz Molnar, Hugo von Hofmannsthal, bis hin zu Luigi Pirandello und Jean Anouilh, usw.

Der 33-jährige Hans Holt im Jahre 1942 in “Wen die Götter lieben”. Titelseite des “Illustrierten Film-Kurier”. Sammlung: oepb

Der 33-jährige Hans Holt im Jahre 1942 in “Wen die Götter lieben”. Titelseite des “Illustrierten Film-Kurier”. Sammlung: oepb

Mit Sindelar beim Film

Im Jahre 1938 drehte Hans Holt in Ungarn mit dem legendären österreichischen Ausnahme-Fußballer Matthias Sindelar „Die entführte Braut oder Roxy und ihr Wunderteam“. Die Premiere des Streifens fiel in den März-Tagen 1938 dem Einmarsch der Hitler-Truppen in Österreich zum Opfer. Hernach galt der Film jahrzehntelang als verschollen. Erst 1998 tauchte der Film in einem Moskauer Archiv wieder auf. Während Sindelar in dem Streifen lediglich eine kleine Rolle verkörperte, merkte man Holt in der Rolle des Mannschaftskapitäns durchaus an, dass Fußball nicht zwingend seine große Stärke war. „Ich war nie ein guter Fußballer, meine Stärken lagen in der Leichtathletik.“, so Hans Holt.

Hollywood rief, Holt hörte aber nicht hin

Das natürlich verlockende Offert aus den USA, nach Hollywood zum Film zu gehen, hatte Holt erhalten … und ausgeschlagen, es aber nie bereut. Um gleich darauf die nächste Feststellung nach seinen beglückendsten Filmrollen zu geben: „Den Ferdinand Raimund in „Brüderlein fein“, Mozart in „Wen die Götter lieben“, sowie mit Ruth Leuwerik „Die Trapp-Familie“, der Vorlage für den Welterfolg „Sound of Music“, „Der Engel mit der Posaune“, „Lumpazivagabundus“, und den „Unsterblichen Walzer“.

Dreharbeiten im Bombenhagel

Im Jahre 1944 tobte der Zweite Weltkrieg  an allen Ecken im Deutschen Reich und das NS-Ende schien bereits nah. Die Nazis produzierten Unterhaltungsfilme und Hans Holt drehte mit Fritz Imhoff, Hans Moser und Paul Hörbiger den Film „Schrammeln“. Das Quartett sollte in einer Einstellung diese Zeile eines Wienerliedes singen: „Wer Salzburg net g´sehn, das Paradis, hat kan Begriff davon, WAS ÖSTERREICH IS!“ Die Nazis verboten jedoch den Begriff Österreich, da das Land ja seit 1938 nurmehr die Ostmark war. Man befahl demnach, den Begriff „WIE SCHÖN´S DA IS“ zu trällern. Doch die Nationalsozialisten hatten die Rechnung ohne das Publikum gemacht. Monatelang lief er Film im „Scala-Kino“ in Wien und just genau dann, wenn die „Schrameln“ das bekannte Lied anstimmten, wurden sie vom kriegs- und nazimüden Publikum mit lauten „ÖSTERREICH“-Rufen überstimmt.

Josefstadt versus Burgtheater

In den frühen 1950er Jahren war Hans Holt für zwei Spielzeiten am Wiener Burgtheater engagiert. Und hatte daran keine guten Erinnerungen: „Einmal musste ich einen Mörder spielen und einen Kirchenschänder. Das ist leider total danebengegangen.“, so Hans Holt in seinen Lebenserinnerungen. Und er ergänzte: „Umso mehr war ich erfreut, als ich an die Josefstadt zurückkehrte. Die Josefstadt ist wie eine Familie, am Burgtheater galt ich als „Zugereister“. Ausserdem spekulierte ich nie auf eine Burgtheater-Pension.“, sagte er und hielt dem Theater in der Josefstadt über 40 Jahre lang hindurch die Treue.

80 Kinofilme bis hin zum „Bockerer“ von Franz Antel

Was 1935 für die Kinoleinwand begann, endete 1981 mit „Der Bockerer“ unter der Filmregie von Franz Antel. Gemeinsam mit Paul Hörbiger stand er auch für Peter Lodynskis „Lied aus Wien“ vor der Fernsehkamera. Zahlreiche Filme und Fernsehproduktionen drehte Hans Holt, darunter auch die in den 1980er Jahren bekannten und beliebten ORF/ZDF-Familien-Serien wie „Ich heirate eine Familie“ oder aber „Der Leihopa“ mit Alfred Böhm.

Erfolgreich auch in der Dramaturgie

Als Bühnen- und Filmschauspieler war Hans Holt einer der Größten in diesem unserem Land, weniger bekannt ist hingegen noch, dass er auch als Dramaturg erfolgreich in Erscheinung trat. Im Jahre 1948 wurde „Es war einmal“ uraufgeführt. Neun Jahre später, 1957 avancierte der „Herzspezialist“ zum überragenden Erfolg. Das Stück handelte von den beiden Krankenschwestern Tina und Fritzi, die froh über die „Zuwendung“ zweier Ärzte sind – bis Tinas erster Mann, den sie im Krieg gefallen glaubte, sich aus Frankreich meldete. Auch er ist ihr nicht ganz so treu geblieben in all der Zeit. Das Boulevardstück wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt.

Auch seine letzte Filmrolle als “Herr Hofrat” im “Der Bockerer” aus dem Jahre 1981 verkörperte Hans Holt mit der ihn stets ausgezeichneten Leichtigkeit und Finesse. Foto: oepb

Auch seine letzte Filmrolle als “Herr Hofrat” im “Der Bockerer” aus dem Jahre 1981 verkörperte Hans Holt mit der ihn stets ausgezeichneten Leichtigkeit und Finesse. Foto: oepb

Zahlreiche Auszeichnungen aber kein Professor

Hans Holt war Kammerschauspieler. Im Jahre 1964 wurde ihm für die Rolle des „George“ in Albees „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ die Kainz-Medaille überreicht. Anlässlich seines 80. Geburtstages bekam er 1989 den Ferdinand Raimund-Ring überreicht. Ehrenmedaillen der Stadt Wien, sowie Ehrenkreuze der Republik wurden ihm verliehen. Einen Titel jedoch, den wollte Hans Holt nie: „Bei uns im Haus lag einen Stock über uns die Wohnung des Dr. Kraus. Der war ein bedeutender Chirurg, und er war Professor. Ich jedoch bin kein Professor. Wovon soll ich Professor sein? Ich habe nie unterrichtet und bin kein Wissenschaftler, was soll ich also mit dem Berufstitel „Professor“ anfangen? Ich war nie einer und werde auch nie einer sein.“, so Hans Holt.

Der Applaus galt dem Kaiser

Im Jahre 1932 spielte ich im Stadttheater Reichenberg in der Fritz Kreisler Operette „Sissy“ den Kaiser Franz Joseph. Die Monarchie gab es zwar nicht mehr, dennoch trauerten zahlreiche Menschen immer noch dem Kaiser nach. Kaum betrat ich die Bühne, schwappte eine Applaus-Welle über mich herein. Es war dies der erste Auftrittsapplaus meines Lebens! Stolz spiele ich die Rolle zu Ende und ging dann im Anschluss hoch erhobenen Hauptes von der Bühne ab.“, so Hans Holt im Original. „Doch die Kollegen holten mich sehr früh schon auf den Boden der Tatsachen zurück. Glaub nur ja nicht, dass der Applaus Dir gegolten hat. Der Applaus war nur für den Kaiser!“

Lebensabend in Baden bei Wien

Hans Holt, der zeitlebens gerne und viel gearbeitet hatte, war zum Schluss sehr traurig darüber, als es für ihn nichts mehr zu tun gab. Nach der Veröffentlichung seiner Biographie „Jeder Tag hat einen Morgen“ im Jahre 1991 zog er sich fast gänzlich aus der Öffentlichkeit zurück. Seine Gattin Renate, mit der er 65 Jahre lang verheiratet war, führte Buch über seine 67 Jahre andauernde Laufbahn. „Wenn man sich ein Leben lang in dem Beruf herumgetrieben hat, dann bleibt natürlich die Sehnsucht danach. Es bleibt einem aber auch nur die Erinnerung, die ist sozusagen der Trostpreis für ein erfülltes Leben!“, so Hans Holt. Seine letzten Lebensjahre verbrachte der Leinwand-Charmeur mit Gattin Renate im Künstleraltenheim in Baden bei Wien. Im Alter von fast 92 Jahren verstarb Hans Holt als einer der letzten großen Stars des Wiener Films am 3. August 2001. Auf dem Neustifter Friedhof in Wien fand er seine letzte Ruhestätte vor.

Quelle: oepb

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