Graz / Ultra-Hooligans versus Hallenfußball

Volle Ränge, herrliche Stimmung, viele Tore. Dies machte den Reiz des Hallenfußballspieles aus. Hier eine Szene vom Dezember 1989 aus der Linzer Sporthalle. SK VÖEST Linz versus SG Eintracht Frankfurt. Foto: oepb

Volle Ränge, herrliche Stimmung, viele Tore. Dies machte den Reiz des Hallenfußballspieles aus. Hier eine Szene vom Dezember 1989 aus der Linzer Sporthalle. SK VÖEST Linz (in weiß) versus SG Eintracht Frankfurt. Foto: oepb

Eines bitte gleich vorweg: Der Verfasser war ein Freund des Bandenzaubers. Warum war? Nun, weil es hierzulande seit Jahren kein Hallenfußballturnier mehr gibt. „Der Zauber der Halle“, die Banden als Spielfeldbegrenzung, die – bei richtigem Ausführen dieses Sports – zahlreichen Tore, die enge Atmosphäre und last but not least die Stimmung – all das machte den Hallenfußballsport in Österreich jahrzehntelang aus.

Neben dem berühmten Wiener Stadthallenturnier, der Mutter aller Hallenfußballturniere – wenn man so will – gab es in früheren Zeiten auch in Graz, Linz und Innsbruck derartige Traditions-Veranstaltungen, die regelmäßig in der kalten Jahreszeit abgehalten wurden. Die Fans nahmen diese Events stets und gerne an, die Hallen waren voll und die Protagonisten fühlten sich auf dem Parkett pudelwohl. Wie meinte doch einst Austria-Jahrhundert-Fußballer Herbert Schneckerl“ Prohaska so treffend: „Weihnachten mit der Familie war für mich wichtig und schön, aber es kribbelte bereits und wenn dann am Stefanietag, am 26. Dezember, die Tore der Wiener Stadthalle geöffnet wurden, dann war ich da, war in meinem Wohnzimmer und bereit, für die Austria den Turniersieg einzufahren!“ Das Wiener Stadthallenturnier war ein fester Bestandteil im Terminkalender der Fußballvereine und es prasselte so in der meisterschaftslosen Zeit auch ein warmer Geldregen auf die oft finanziell nicht auf Rosen gebetteten Klubs.

In Linz wurde seitens der LIVA, der Linzer Veranstaltungsgesellschaft, und seinem emsigen Vorstandsdirektor Karl Gerbel jahrelang ein Turnier aus dem Boden gestampft, das die Fans in Scharen in die Halle zog. Da traten Spitzenteams wie Dynamo Kiew mit Oleg Blochin in seinen Reihen, SG Eintracht Frankfurt, Bayer 04 Leverkusen, TSV 1860 München, FC Luzern, Dynamo Berlin – damals Serienmeister der DDR – Spartak Moskau, und ähnliche Vereine an. Neben den Lokalmatadoren SK VÖEST Linz, LASK und SK Vorwärts Steyr konnten auch „kleinere“ Klubs der OÖ-Landesliga im Vorfeld anhand eines eigenen Turniers am Geldkuchen ein bisserl mitnaschen.

Was hier jedoch immer klappte, war das Verhalten der Zuschauer. Gewiss gab es stets stimmungsmäßige Reibereien und wenn das Linzer Stadtderby zwischen VÖEST und LASK anstand, brodelte es in der Sporthalle auf der Gugl. Und auch Vorwärts war aus Steyr stets mit einem zahlreichen und lautstarken Anhang vertreten. Aber – die Veranstaltungen verliefen stets ohne Ausschreitungen und in geregelten Bahnen ab und das, obwohl auch einige Eintracht-Fans und Löwen-Anhänger bei ihren Turnieren vor Ort in Linz waren. Dies alles ist – und jetzt sind wir bei des Pudels Kern – ist über 20 Jahre her.

Linz galt in der Zeit der späten 1980er, frühen 1990er Jahre als österreichische Hooligan-Hochburg. Die selbsternannte Linzer Szene“ rekrutierte sich aus Protagonisten der VÖEST-Fan-Anhängerschaft zusammen. Das einzige, was diese Bewegung anhand der Turniere jedoch von sich negativ zum Besten gab, war ein Polizeiwagen der Linzer Exekutive, der beim Auszug aus der Halle kurzerhand umgedreht und auf den Kopf gestellt wurde. Der Wagen war leer, stand wohl im Weg und einzig und allein die Blaulichter am Dach des Dienstfahrzeuges mussten dran glauben.

Sonst verlief alles jahrelang gesittet und ruhig und selbst der BILD-Reporter Roland Palmert war von Linz begeistert: „Bei uns in Frankfurt ist bei Hallenturnieren ein großes Polizeiaufgebot vonnöten. Hier bei euch geht´s enorm fair zu, sogar beim Lokalderby. Ein gutes Turnier!“

Was ist nun geschehen und den letzten 25/30 Jahren? Warum rasten die Leute regelmäßig beim Betrachten eines Fußballspieles – sowie davor und danach – aus? Wo ist die Hemmschwelle geblieben? Was ist das überhaupt?

Die Frage muss gestattet sein: Was ist das für eine Gesellschaft geworden, die nicht mehr imstande ist, ein simples Hallenfußballturnier auszurichten? Warum plant man ein Turnier in Graz, will dieses – wie diese Woche allerorts verlautbart wurde – nach einer 14jährigen Durststrecke aufleben lassen, um es dann zwei Tage später wieder abzusagen? Befürchtete und erwartete Zuschauer-Ausschreitungen sollen der Grund dafür sein. Wenn man sich bereits im Vorfeld fürchtet und „Out-Laws“ eine Plattform bietet, damit sich irgendwelche dumme unreife Buben in die Teenager-Fäustchen lachen können und man diesen Subjekten bereits im Vorfeld nicht die Stirn bietet, sondern Fersengeld zeigt, dann wird man wohl im Operetten-Landl Österreich über kurz oder lang auch nicht einmal mehr einen Kinderfasching ausrichten können.

Verlierer sind viele, am meisten der Fußballsport. Die Vereine sollten endlich aufwachen und sich von den diversen Ultra-Veranstaltungen nicht blenden lassen. Denn so farbenfroh, lautstark und anspornend diese Aktionen auch sein mögen, die Kehrseite der Medaille ist doch, dass sich zahlreiche Fan-Gruppierungen nur mehr selbstdarstellerisch allzu wichtig nehmen. „Zuerst steht die Gruppe, und dann kommt der Verein!“, so das Credo der Ultras. Sollte es nicht umgekehrt sein?

Quelle: oepb

www.bundesliga.at 

www.oefb.at

 

 

 

 

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