Gewaltschutzzentrum OÖ / Bilanz 2018

rufzeichenMit 1. Februar 2018 übernahm Fr. Mag.a Eva Schuh (Juristin, Mediatorin, Coach) die Geschäftsführung des Gewaltschutzzentrums OÖ. Sie war zuvor bereits seit 10 Jahren als stellvertretende Geschäftsführerin und Beraterin tätig.

Fr. Mag.a Martina Maurer (Juristin, Mediatorin) hat mit 1. Februar 2018 die stellvertretende Geschäftsführung übernommen. Auch sie war bereits 6 Jahre im Gewaltschutzzentrum OÖ tätig und leitete von September 2011 bis Juli 2016 die Antidiskriminierungsstelle des Landes OÖ.

Angebot des Gewaltschutzzentrum OÖ
Das Gewaltschutzzentrum OÖ berät und unterstützt Personen die in der Familie/im sozialen Umfeld von Gewalt betroffen sind, sowie Stalkingopfer. Das Zentrum bietet Hilfestellung zu Erhöhung der Sicherheit, informiert bei Betretungsverboten, einstweiligen Verfügungen und bietet Prozessbegleitung in Straf- und Zivilverfahren an.

Statistik
Die KlientInnenzahl des Gewaltschutzzentrums OÖ steigt weiter an.Im Jahr 2017 wurden 2.536 Personen beraten und es wurden 1.319 Betretungsverbote ausgesprochen.Obwohl die Klientinnenzahl im Jahr 2018 weiterhin gestiegen ist, musste im 1. Halbjahr ein 10%-iger Rückgang bei den Betretungsverboten festgestellt werden.

81 Prozent der Opfer sind Frauen und diese sind wiederum zu 98 Prozent der Gewalt von Männern ausgesetzt.Männliche Opfer waren zu 79 Prozent ebenso Opfer von männlicher Gewalt.

Dazu Sonja Ablinger: „Die meisten Betroffenen erleben Gewalt durch ihre Ehemänner bzw. Lebensgefährten (41 Prozent) und durch ihre Ex-Ehemänner/Lebensgefährten (18 Prozent).“

67 Prozent der Opfer waren österreichische StaatsbürgerInnen, 11 Prozent EU-BürgerInnen. 58 Prozent der TäterInnen waren österreichische StaatsbürgerInnen, 9 Prozent EU-BürgerInnen.

Die KlientInnen des Gewaltschutzzentrums OÖ zeigten im Jahr 2017 1.564 Gewaltdelikte an (Körperverletzung 639, gefährliche Drohunge/Nötigunge 530, beharrliche Verfolgung = Stalking 145, Vergewaltigungen 29, sexueller Missbrauch 15, fortgesetzte Gewaltausübung 43, versuchter Morde/Totschlag 3).

Hochrisikofälle – Tötungsdelikte
Leider müssen die Gewaltschutzzentren österreichweit einen gravierenden Anstieg der Hochrisikofälle und Tötungsdelikte feststellen.Im Jahr 2017 gab es laut der Kriminalstatistik 54 Tötungsdelikte – davon 36 im Familienkreis – an 24 Frauen, 6 Männer und 6 Kinder, 5 Morde waren in OÖ. 2014 wurden 38 Personen getötet, davon wurden 17 Personen im Familienkreis umgebracht. Somit kam es in den letzten 4 Jahren zu mehr als einer Verdoppelung der Mordfälle im Familienkreis. Medienberichten zufolge, gab es 2018 bereits 15 Morde, mehrere davon im Familienkreis, 2 Morde mit familiärem Bezug in OÖ.

Es besteht daher dringend Handlungsbedarf, wie auch im Grevio- Bericht, Evaluierungsbericht bzgl. der Konvention des Europarates zur Prävention und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt (Istanbul-Konvention) festgehalten wurde:

* Grevio empfiehlt der österreichischen Regierung dringend:

„häusliche Gewalt gegen Frauen und den geschlechtsspezifischen Charakter anderer Gewaltformen im jährlichen Bericht der Polizeilichen Kriminalstatistik sichtbarer zu machen. Dies würde auch bedeuten, dass Informationen über die Anzahl der Tötungsdelikte an Frauen, die von Männern aufgrund ihres Geschlechts getötet wurden (geschlechtsspezifische Tötung von Frauen), sichtbar gemacht werden;“ Zur Zeit wird nur das Geschlecht der Opfer und Täter erhoben, und ob es Familienangehörige sind. Es gibt „keine Aufschlüsselung darüber, wie viele Fälle tatsächlich der Gewalt zwischen Intimpartner zugerechnet werden muss“. Erst bei Sichtbarmachung wird auf die Problematiken eingegangen und es können dementsprechende politische Maßnahmen getroffen werden.

* Wie ebenso im Grevio Bericht festgehalten wird, sind eine „wirkungsvolle Zusammenarbeit und Austausch zwischen den staatlichen Stellen und den spezialisierten Hilfseinrichtungen hinsichtlich aller Formen von Gewalt zu gewährleisten…“, d.h. bei Hochrisikofällen braucht es eine regelmäßige multiinstitutionelle Zusammenarbeit, wie z.B. MARAC (Multi-Agency Risk Assessment Conference).

* GREVIO empfiehlt der österreichischen Regierung dringend:

„..die Maßnahmen zur Beurteilung des tatsächlichen Risikos einer erneuten Tatbegehung in Fällen von häuslicher Gewalt zu verstärken, sodass, falls erforderlich, ein angemessenerer Einsatz der Untersuchungshaft möglich ist.“ Es wird sich „… inFällen schwerer Gewalt und gefährlicher Drohung, in denen Frauen und ihre Kinder eindeutig in Gefahr sind, auf (zivilrechtliche) einstweilige Verfügungen verlassen, um deren Sicherheit zu gewährleisten, anstatt eine Untersuchungshaft zu verhängen.“

* GREVIO empfiehlt der österreichischen Regierung dringend:

„..eine deutliche Erhöhung des Budgets… Und es bedarf einer kontinuierlichen und langfristigen Finanzierung der unterstützenden Einrichtungen.“ Das Gewaltschutzzentrum OÖ benötigt mehr finanzielle Mittel zum Ausbau der Präventionsarbeit und für Beratung, da die vermehrten Hochrisikofälle ein vielfaches an Beratungsleistung erfordern.

Dazu Mag.a Eva Schuh: „ Es muss uns bewusst sein, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Frau, getötet zu werden, im Familienkreis am größten ist. Um die Zahl der Morde zu verringern braucht es genaue Forschung und Analysen der Ursachen, eine multiinstitutionelle Zusammenarbeit der AkteurInnen und entsprechende Maßnahmen.“

Es mehren sich aber auch die Hochrisikofälle und die damit einhergehende Gefahr eines Tötungsdeliktes. Vor allem in der Trennungsphase ist dieses Risiko am größten. Weitere hohe Risikofaktoren sind konkrete Todesdrohungen, Suizidgedanken, Suchtproblematik, Zugang zu einer Waffe, Arbeitslosigkeit, kein positiv unterstützendes soziales Umfeld, andere drohende Verluste (beispielsweise Delogierung) oder wenn bisher gewahrte Grenzen überschritten werden.

Projekt Perspektive Arbeit
Das Projekt unterstützt gewaltbetroffene Frauen beim (Wieder-) Einstieg in den Arbeitsmarkt bzw. beim Joberhalt. Es wurde über einem Social Impact Bond für 3 Jahre finanziert und läuft nun aus. Perspektive Arbeit ist ein sehr erfolgreiches Projekt, da 113 Frauen in den 1. Arbeitsmarkt, 12 in 2. Arbeitsmarkt vermittelt werden konnten, 45 konnten den Job erhalt und 26 eine Ausbildung machten. Eine Fortführung des Projekts ist jedoch leider noch nicht in Aussicht. Das ist sehr bedauernswert, da die Perspektive auf eine wirtschaftliche Unabhängigkeit für viele gewaltbetroffene Frauen die Voraussetzung ist, sich aus der Gewaltbeziehung zu lösen.

Bitte beachten Sie auch diese Artikel bei uns;

www.gewaltschutzzentrum.at/ooe

 

 

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