FSME kann auch bei Kindern gefährlich sein

Es wird dringend empfohlen, eine FSME-Impfung bereits bei Kindern spätestens mit einem Jahr vorzunehmen, denn nur so haben die Zecken keine Chance. Foto: zecken.at

Es wird dringend empfohlen, eine FSME-Impfung bereits bei Kindern spätestens mit einem Jahr vorzunehmen, denn nur so haben die Zecken keine Chance. Foto: zecken.at

Lange hat man angenommen, dass eine FSME-Infektion bei Kindern meist glimpflich ausgeht. Mittlerweile mehren sich aber Daten, die zeigen, dass Kinder nach durchgemachter Erkrankung häufig länger unter kognitiven Einschränkungen leiden.

In Einzelfällen kann auch die akute Infektion sehr schwer verlaufen und sogar zum Tod führen. In Österreich ist das in den letzten Jahren immer wieder vorgekommen. Die FSME-Impfung wird daher im österreichischen Impfplan schon ab dem ersten Lebensjahr empfohlen. In Ausnahmefällen kann auch bereits ab dem vollendeten sechsten Lebensmonat geimpft werden, hier gilt seit heuer ein neues Impfschema.

Spielplätze wieder offen – für Kinder und Zecken

Das Wetter ist gut, die Spielplätze haben nach den COVID-19-Ausgangsbeschränkungen der letzten Wochen wieder überall geöffnet. Somit werden sich viele Kinder nun vermehrt im Freien aufhalten. Egal ob auf Spielplätzen oder auf der Wiese – hier müssen sie sich das Revier mit den Zecken teilen. Dass Zecken FSME übertragen können, ist seit Jahren hinlänglich bekannt. Allerdings hat man lange angenommen, dass Kinder kaum schwere Verläufe oder langfristige Folgen aufgrund einer FSME-Erkrankung erleiden. „Heute weiß man, dass das so nicht ganz stimmt.“, erklärt Dr. Rudolf Schmitzberger, Kinderarzt und Impfreferent der Österreichischen Ärztekammer.

Auch Kinder mit FSME im Spital

2019 waren 14 Prozent der in Österreich aufgrund von FSME hospitalisierten Personen Kinder unter 15 Jahre. 2018 waren es sogar 18 Prozent, 2017 17 Prozent.  „Man kann also nicht davon sprechen, dass FSME nur Erwachsene betrifft.“, so Schmitzberger. 2019 ist sogar ein Baby im Alter von sechs Monaten erkrankt. Ein 13-Jähriger erlitt eine Enzephalomyelitis (Gehirn- und Rückenmarksentzündung) und musste auf der Intensivstation behandelt werden.1

SME bei Kindern nicht immer erkannt

Studien zeigen außerdem, dass FSME bei Kindern womöglich nicht so selten vorkommt, wie man das lange angenommen hatte. Serologische Untersuchungen zum Nachweis von Antikörpern im Blut haben gezeigt, dass Infektionen bei Kindern vor dem Schuleintritt oft nicht erkannt werden. Die Symptome können vage und unspezifisch sein und es gibt nicht immer einen zweigipfeligen Verlauf, wie er bei Erwachsenen häufig vorkommt. Außerdem können kleine Kinder ihre Symptome oft nicht entsprechend ausdrücken. Bis zu einem Viertel aller Erkrankungen bei Kindern könnten somit unerkannt bleiben.

Langzeitkonsequenzen möglich

Frühe Studien zu FSME bei Kindern sind zu dem Schluss gekommen, dass dauerhafte neurologische Folgeerscheinungen bei ihnen selten sind. Neuere Studien widersprechen dem nun. Mittlerweile werden nicht mehr nur die bisher bekannten neurologischen Folgeerscheinungen untersucht, sondern auch die kognitiven Einschränkungen lange nach der initialen Diagnose gecheckt. Und da zeigen sich in manchen Untersuchungen neben Veränderungen im EEG, mit der die elektrische Aktivität des Hirns gemessen wird, dass Kinder nach einer FSME-Erkrankung auch häufiger unter Aufmerksamkeits- und Konzentrationsbeeinträchtigungen sowie einer verringerten psychomotorischen Geschwindigkeit leiden. Auch Unwohlsein, Müdigkeit, Reizbarkeit und häufige Kopfschmerzen traten nach FSME-Erkrankungen bei Kindern häufiger auf. Aus dem Verlauf der akuten Erkrankungsphase lässt sich keinerlei Schluss auf potenzielle langfristige kognitive Einschränkungen ziehen.

Schmitzberger: „Besser ist es also, wenn Eltern dieses Risiko nicht eingehen und ihr Kind so früh wie möglich impfen lassen. Es gibt spezielle Impfstoffe für Kinder, die gut verträglich sind.“

Impfplan angepasst

Schon länger sieht der österreichische Impfplan in Ausnahmefällen eine Impfung vor dem ersten Lebensjahr vor, wenn eine erhöhte Expositionsgefahr für das Kind besteht. Möglich ist diese frühestens ab dem vollendeten sechsten Lebensmonat. Allerdings wird davon ausgegangen, dass die Wirksamkeit der Impfung in diesem jungen Alter schwächer ausfallen könnte als bei einer Impfung ab dem ersten Lebensjahr. Daher ist für diese ganz frühe Impfung ab heuer erstmals eine weitere Impfung drei Monate nach der zweiten Dosis vorgesehen (3+1 Schema). Danach geht das Grundimmunisierungsschema wie vorgesehen weiter. Für Kinder ab einem Jahr erfolgt die Grundimmunisierung in den gleichen Abständen wie bei Erwachsenen (drei Teile). Wichtig: Impfungen erfolgen nur nach Terminvergabe und unter Einhaltung der Covid-19-Sicherheitsmaßnahmen!

Quelle: FINE FACTS Health Communication

Und noch eine ganze Menge mehr Artikel zum Thema IMPFEN und VORBEUGUNG finden Sie – wie immer – bei uns bitte hier;

www.oevih.at

 

comments are closed.