Frank Goosen / Gedanken zur Fußball-WM

Der deutsche Kabarettist Frank Goosen philosophiert immer wieder einmal gerne über seinen Lieblingssport, den Fußballsport. Foto: philippwente.com

Der deutsche Kabarettist Frank Goosen philosophiert immer wieder einmal gerne über seinen Lieblingssport, den Fußballsport. Foto: philippwente.com

Meines Erachtens sind Fußballfans schwerwiegend bipolar gestört. Sie verachten Kommerz und Show, gehen aber trotzdem immer wieder hin. Ebenso einhellig lehnt man Korruption und Diktatoren ab, guckt aber trotzdem WM. Geht mir nicht anders. Das Böse ist immer und überall. Auch im Fußball, da haben wir uns speziell in Deutschland nur einfach lange etwas vorgemacht.

Wegen dieses bipolaren Zustands kann ich Fußballstars etwa für ihren fortgesetzten Steuerbeschiss verachten, ihre Fallrückzieher aber dennoch bewundern. Oder ich kann hoffen, dass sportliche Großereignisse in diktatorisch regierten Ländern zu einer Öffnung in deren Gesellschaften führen, weil sie von uns tadellosen Demokraten in diesen vier Wochen Freiheit und Lebenslust vorgelebt bekommen. Andererseits: Wenn das funktionieren könnte, würden sich nicht so viele Diktaturen um die Austragung dieser Ereignisse bemühen.

Fußball, speziell so etwas wie die gerade laufende Weltmeisterschaft, scheint immer mehr zu dem zu werden, was man neudeutsch „guilty Pleasure“ nennt. Wie das heimliche Weinen zu ABBA-Schnulzen oder Jumbo-Tafeln Vollmilch-Nuss zu einem alten Liebesfilm mit Meg Ryan. Als Mann, meine ich.

Aber es gibt natürlich auch objektiv Schönes für mich bei dieser WM. Das hat mit meinem fiesen Charakter und meinem Status als Freiberufler zu tun. Es ist doch wunderbar, wenn man bei schwülen 30 Grad schon um 14 Uhr im angenehm temperierten ausgebauten Keller unter einem HD-Beamer sitzen und andere anrufen und fragen kann, wie es ihnen auf der Arbeit geht. „Echt, Du lässt Dir den Kracher wie Kolumbien gegen Japan entgehen? Ja, schlimm diese Hitze. Klimaanlage ausgefallen? Warte, mein Praktikant reicht mir gerade einen neuen Caipi. Ach Gott, ich kenne das, wenn die Hose am Kunstleder des Schreibtischstuhls festpappt. Du, ich muss Schluss machen, mein Fußbad ist fertig!“

Und wenn dann die Angela (Merkel) mit dem Wladimir (Putin) treuherzig auf der Tribüne schäkert, weiß ich, höre ich mir erst „I have a dream“ an, von dem bahnbrechenden „Voulez-Vous“, und danach wird es mal wieder Zeit für zwei Stunden „Schlaflos in Seattle“.

Von Frank Goosen, dessen Fußball-Fan-Herz für den VfL Bochum von 1848 pocht. Der Kabarettist und Romanschreiber ist derzeit mit seinem Live-Programm „Was ist da los?“ auf Tournee.

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