FK Austria Wien gg. SK Sturm Graz 2 : 3 (0 : 1)

Fabian Koch (links) gegen Kevin Friesenbichler. Sturm blieb heute Nachmittag in Wien mit 3 : 2 erfolgreich. Foto: Fritz Duras

Fabian Koch (links) gegen Kevin Friesenbichler. Sturm blieb heute Nachmittag in Wien mit 3 : 2 erfolgreich. Foto: Fritz Duras

Entdecke das Vergnügen Letzter zu sein!“ – so lautet ein italienischer Werbespruch der Firma TIFO. Man muss sehr lange in den Annalen zurückblättern, um festzustellen, wann der FK Austria Wien zuletzt einen derart miesen Saisonstart hingelegt hat, wie dies eben heuer der Fall ist. Im Herbst 1978 war es ähnlich. Zuerst flog man damals beim SK Vorwärts Steyr aus dem Cup, und dann setzte es in der Meisterschaft jeweils 1 : 3-Pleiten – zuerst gegen SK RAPID Wien und dann auch gegen den SK VÖEST Linz. Erst in der 3. Meisterschaftsrunde gab es den ersten Punktegewinn für Violett, ein 1 : 1 bei Admira/Wacker in der Südstadt. Bei all den Negativ-Meldungen muss aber auch berücksichtigt werden, dass Herbert Prohaska, Walter Schachner, Ernst Baumeister, Erich Obermayr, Karl Daxbacher und Konsorten damals das violette Werkel dermaßen auf Vordermann gebracht hatten, dass am Ende der Saison 1978/79 der Österreichische Meistertitel gefeiert werden konnte. Ob dies auch für die Spielzeit 2017/18 und für die „Enkel“ der violetten „Legenden“ gilt, bleibt freilich abzuwarten.

2. Spieltag tipico-Bundesliga / Sonntag, 30. Juli 2017, 16 Uhr / Wiener Prater – Ernst Happel-Stadion, 6.172 Besucher, Schiedsrichter Mag. Markus Hameter (aus Niederösterreich)

Die Austria verlor ihr Auftakt-Spiel mit 0 : 3 beim SCR Altach, der Gast aus Graz gewann sein erstes Spiel zu Hause gegen den SKN St. Pölten mit 3 : 2. Unter der Woche kickten die einen 0 : 0 gegen Limassol, während die anderen 1 : 2 gegen Fenerbahce Istanbul verloren hatten – im Europapokal. Und im Vorjahr setzte es für den SK Sturm Graz zwei Pleiten in Wien gegen die Austria mit 0 : 2 und 1 : 4. Alles Schnee von gestern, die Gegenwart ist es, die zählt und da hatte der FAK bisher gehörig Ladehemmung, was seine Angriffsreihe anlangt. Und es sah auch heute ganz und gar nicht danach aus, dass sich da großartig etwas ändern könnte, denn Kevin Friesenbichler befindet sich derzeit in einem Tief und verhaut die besten Möglichkeiten, Felipe Pires tut es ihm gleich und der als frischer Wind geholte Christoph Monschein wirkte bemüht, doch auch das war zuwenig.

Sturm wirkte von Anbeginn an spritziger, frischer und auch engagierter. Die Steirer setzten die Wiener unter Druck und versuchten so, die Verunsicherung im violetten Spiel schamlos auszunutzen. So entwickelte sich im Ernst-Happel-Stadion ein interessantes Fußballspiel.

Eine Co-Produktion von Philipp Huspek und Thorsten Röcher war dann auch die Gästeführung: Röcher ließ David De Paula stehen, passte quer auf Huspek und der Oberösterreicher hatte keine allzu große Mühe in der 33. Minute zum 0 : 1 einzuschießen. Die Austria drückte, versuchte ihr Glück, scheiterte aber meist an fehlenden Ideen oder an Sturm-Keeper Jörg Siebenhandl. Ein herrlicher Schuss von Raphael Holzhauser aus gut und gerne 50 Metern hätte den Weg unter die Torlatte gefunden, doch Siebenhandel war auf seinem Posten.

Nach dem Seitenwechsel drehte die Austria auf. Wie unter der Woche gegen Limassol gewann man nun den Eindruck, dass es vielleicht endlich klappen könnte mit dem ersten Saisontor. Ausgerechnet in dieser Phase verpasste Peter Zulj den Hausherren den nächsten Denkzettel. Ein guter Angriff über Huspek und Zulj kommt in der Mitte zum 0 : 2-Abschluss gegen Osman Hadzikic (56. Spielminute).

Die Austria gab  jedoch nicht auf, drückte weiter aufs Tempo. Sturm stand tief und gut und fand aufgrund von Abspielfehlern auch immer wieder Kontermöglichkeiten vor, die aber nicht fertiggespielt wurden. Und plötzlich zappelte der Ball im Sturm-Tor. Nach einem Eckball lenkt Zulj die Kugel in den eigenen Kasten zum 1 : 2 (82. Minute). Die Austria gab Kevin Friesenbichler als Torschützen an.

Damit war allerdings noch nicht Schluss. Während der Austria-Anhang lautstark den Ausgleich forderte, patzte hinten Hadzikic. Zu weit vor seinem Tor außerhalb des Strafraumes stehend verlor er den Zweikampf gegen Romano Schmid, der aus diesem Duell heraus das 1 : 3 erzielen konnte. Im Gegenzug erhielt die Austria dann noch einen gerechtfertigten Elfmeter zugesprochen, Raphael Holzhauers Verwandlung zum 2 : 3 bedeutete den Endstand.

Die Meinungen der Trainer:

Franco Foda (SK Sturm Graz): „Wir haben vor dem Spiel umstellen müssen. Wir haben das dann sehr gut gemacht und wenig zugelassen. Natürlich bin ich ein Trainer, der gerne mehr Ballbesitz sieht, aber aufgrund der Ausrichtung war das heute nicht möglich. Wenn du taktisch gut spielst und keine Räume hergibst, dann kannst du auch gegen so einen Gegner gewinnen.“

Thorsten Fink (FK Austria Wien): „Wir haben nicht so gespielt, wie wir es gewohnt sind. Man merkt, dass die Mannschaft daran zu knabbern hat. Das einzig Positive war, dass das Team an sich geglaubt hat und dann auch noch zwei Tore geschossen hat. Die Elfersituation war gut herausgespielt. Wir müssen jetzt bis Mittwoch so schnell wie möglich die Kurve kriegen.“

Die Grazer sind somit mit zwei Saisonsiegen überaus stark in die Meisterschaft gestartet, während die Austria nach der zweiten Niederlage ganz hinten am Tabellenende herumdümpelt. Doch die Meisterschaft ist noch jung, abgerechnet wird am Schluss und an dieser Stelle darf an das FC Schalke 04-Faktotum Charly Neumann erinnert werden, der einst, als seine Königblauen Knappen wieder einmal nicht so getan hatten, wie erhofft, gmeint hatte: „Wir sind immer vorn, und wenn wir hinten sind, ist hinten vorn!“

Wenn die Austria-Fans die Tabelle drehen, dann ist es nicht ganz so schlimm und in der kommenden Woche im Derby gegen Grün-Weiß kann die Welt schon wieder anders aussehen. Im Vorjahr holte man aus Hütteldorf bekanntlich mit 4 : 0 Toren 6 : 0 Punkte.

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