FK Austria Wien gg. SCR Altach 2 : 1 (1 : 1)

Nachdem spielentscheidenden Derby-Tor gestern im doppelter Hinsicht erfolgreich: Austria Nachwuchshoffnung Kevin Friesenbichler. Foto: GEPA

Nach dem spielentscheidenden Derby-Tor gestern in doppelter Hinsicht erfolgreich: Austria´s Nachwuchshoffnung Kevin Friesenbichler. Foto: GEPA

Gestern Abend war es demnach wieder einmal soweit: nach 4 ½ Jahren oder der „kurzweiligen Ewigkeit“ von 1.659 Kalendertagen konnte der Österreichische Rekord-Cupsieger und Rekord-Titelträger FK Austria Wien erneut zu einem Heimspiel im ÖFB-Cup laden. Am 19. April 2011 war dies zuletzt der Fall gewesen, damals scheiterte man sang- und klanglos am „Ländle“-Namensvetter, dem SC Austria Lustenau, mit 0 : 4 (0 : 2). Dieses klägliche Scheitern trieb seinerzeit die treuesten der treuen Anhänger derart auf die Barrikaden, dass sich AG-Vorstand Markus Kraetschmer und Präsident Wolfgang Katzian den wütenden Fans zum Dialog stellten, um die aufbrausenden Wogen zu glätten. Es gelang und die Gemüter beruhigten sich wieder. Zwei Protagonisten von einst waren gestern Zuschauer. Torhüter Robert Almer verletzungsbedingt und Stürmer Roland Linz, derzeit Fußball-Pensionär, als ATV-Experte. Der dritte im Bunde, Patrick Salomon, hatte die Fahnen gewechselt und läuft nun für den SCR Altach auf.

ÖFB-SAMSUNG Cup Achtelfinale 2015/16, Mittwoch, 4. November 2015, 18 Uhr / Generali-Arena, 4.805 Besucher, Referee Alexander Harkam

Es war alles ein bisserl familiärer gestern am späten Nachmittag zu Wien-Favoriten. Der Auto-Verkehr verlief flüssig und leider nur sehr wenige in violettes Tuch gehüllte, mit FAK-Devotionalien ausgestattete Menschen huschten in Richtung Stadion. Und dennoch hat es immer wieder seinen Reiz, bei Dämmerung über die Autobahn anzureisen und von weitem schon die hell erleuchteten Flutlichtmasten am Verteilerkreis im 10. Wiener Gemeindebezirk zu erspähen. So quasi getreu dem Motto: „Kommt Alle her, wir laden Euch ein, es ist alles bereit!“ Nun, dem kann natürlich sehr gerne Folge geleistet werden. Umso mehr, da doch der FAK sportlich und spielerisch wieder sehr große Freude bereitet!

Und noch ein nicht unwesentliches Detail darf nicht unerwähnt bleiben. Die Austria bekommt im Cup kein Tor mehr! Tore, das Salz der Fußball-Suppe, sind – im FAK-Gehäuse einschlagend – seit längerer Zeit nicht mehr passiert. Wenn dem so auch gestern sein würde, steigt man hurtig auf und ist eine Runde weiter. Wie das? Nun, nach dem letzten frühzeitigen Cup-Ausscheiden am 24. September 2013 mit 1 : 2 beim SC Kalsdorf, zog man im Cup-Bewerb 2014/15 gegentorlos ins Finale ein. Und dort bot man der Energy-Drink-Konzerntruppe FC Salzburg 90 Minuten lang die Stirn, nach der regulären Spielzeit stand es 0 : 0. Lediglich in der Verlängerung bröckelte die Abwehr und Salzburg konnte noch mit 2 : 0 gewinnen. Und auch im heurigen Cup-Bewerb hielt das violette Abwehrbollwerk bisher in 180 Minuten.

Umso verwunderlicher erschien es, als der Vorarlberger Dominik Hofbauer gestern in der 8. Spielminute zur grimmigen Exekution eines Freistoßes antrat und Sekunden Bruchteile später das Leder, jawohl, im Tor der Austria bombastisch einschlug. Der junge Osman Hadzikic, der einmal mehr den auf Krücken im Stadion gesichteten Robert Almer überaus wertvoll vertrat, hatte keine Chance gegen dieses abgepfefferte Geschoss.

Die Austria im Rückstand bei einem Match, eine Novität der letzten Wochen? Ja, vor einem Monat, am 3. Oktober 2015, war man zuletzt in Rückstand geraten. Ismael Tajouri, seines Zeichens Leihspieler des FAK in Altach, traf im Schnabelholz in der Meisterschaft zum 1 : 0 für die Heimischen, die Austria drehte die Partie und gewann mit 2 : 1. Ein Resultat, welches auch gestern durchaus angebracht gewesen wäre.

Die freundlich beleuchtete GENERALI-Arena gestern am späten Nachmittag. Foto: oepb

Die freundlich und einladend beleuchtete GENERALI-Arena gestern am späten Nachmittag. Foto: oepb

Nun, in den letzten beiden Spielzeiten hätten sich die violetten Akteure zwar bemüht, aber wohl irgendwann ihrem Schicksal ergeben und so eine Partie vergeigt. „AUSTRIA NEU“ allerdings sucht ihr Spiel, zieht es auf, schnürt den Gegner in dessen Hälfte ein und beschert dem Beobachter auf den Rängen alleine schon vom Spielerischen her helle Freude und Begeisterung beim Anblick dessen. Dass der Ausgleich in der 21. Minute durch Kevin Friesenbichler eine solche Augenweide war, versteht sich nun von selbst: Ognjen Vukojevic spielt einen herrlichen Pass auf Mario Leitgeb, der im Strafraum der Altacher umrührend noch Lukas Jäger umkurvt und auf den aus dem Hinterhalt heranbrausenden Friesenbichler in den Rückraum der gegnerischen Abwehr spielt. Friesenbichler lässt sich die Chance zum Ausgleich nicht nehmen und verwertet trocken durch das Beinen-Gewirr der Vorarlberger hindurch zum lautstark umjubelten 1 : 1.

Der akustische Vorteil eines nicht ganz gefüllten Stadions ist auch jener Umstand, dass das Echo einfach lauter ist, wenn knapp 5.000 Menschen zum kollektiven „HURRA“ ansetzen. Die Stimmung gestern auf und von den Rängen war überhaupt prächtig und es bereitete Freude, Zeuge eines guten Spiels zu sein. Auch die Osttribüne, die zwar leider nicht voll war, agierte allerdings dafür umso lärmintensiver. Bravo, bitte weiter so!

In der zweiten Hälfte plätscherte die Partie gemütlich vor sich hin, sieht man von einem Altach-Treffer durch Louis Clement Ngwat Mahop ab. Sein Tor wurde jedoch wegen Abseits-Stellung nicht anerkannt. Altach stand hinten gut und die Austrianer mühten sich ab. Es schien wie zuletzt gegen Mattersburg zu sein, gegen die dichte Abwehr war – vorerst – kein Kraut gewachsen. In der letzten Viertelstunde kam dann noch einmal Leben in die Begegnung. Austria-Coach Thorsten Fink brachte mit Roi Kehat und Alexander Grünwald zwei frische Kräfte, die beide die viel gelaufenen Mario Leitgeb und Vukojevic nicht nur ersetzten, sondern auch ein jeder für sich gehörig Musik machten und Akzente setzten.

Und dann die 82. Spielminute: Jens Stryger Larsen wirft einen Outball auf Kehat, der mit dem Kopf in Richtung des bereits lauernden Friesenbichler weiterleitet. Und der Unter 21-Nationalstürmer donnert die Kugel sehenswert zum mit der Zunge schnalzen ins linke obere Eck. Altach-Torhüter Martin Kobras ist auch hier chancenlos. Abermals setzt nun ein donnernder und frenetischer Jubel des Austria-Anhangs ein. Die Leute stehen auf und applaudieren ihren Lieblingen zu. Es war, wie bei einer riesengroßen Familien-Feier, es kannte jeder jeden und man lag sich glückselig in den Armen. „Tu felix Austria …“

Die restlichen 11 Minuten inklusive Nachspielzeit verstrichen relativ rasch und man zog als letztes Team ins ÖFB-SAMSUNG Cup Viertelfinale ein. Die entsprechende Auslosung hiefür findet live am Sonntag, 8. November 2015 im Rahmen der ORF-Sendung „Sport am Sonntag/Alles Fuball“ ab 18.30 Uhr statt. Als Spieltermin für die nächste Runde ist bereits der 9./10. Feber 2016 terminisiert.

In der Meisterschaft geht es mit dem violetten Tabellenführer gleich munter weiter: Am kommenden, Samstag, 7. November 2015, 16 Uhr hat man gegen den regierenden Meister FC Redbull Salzburg die Möglichkeit, den Viola-Primgeigern nicht nur persönlich auf die Beine zu sehen, sondern auch mit einem ausverkauften Haus der Austria dafür zu sorgen, dass ein bisserl ein Körberlgeld ins Veilchen-Portemonnaie gespült wird. Sollte man gewinnen, würde man die Mozartstädter vorab einmal mit sechs Punkten Differenz auf Distanz halten.

Ticktes bitte hier:

Altach erwies sich als sportlich fairer Verlierer und es bleibt der Mannschaft, betreut vom Wiener Damir Canadi nur zu wünschen, die Klassenzugehörigkeit in der Saison 2015/16 zu schaffen.

www.austria.wien
www.oefb.at/samsung-cup-2015-2016-pid826
www.scra.at

 

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