e-Medikation stärkt Patientensicherheit in NÖ

Ab sofort gibt es einen einfacheren Überblick über die Medikamente eines Patienten. Die neue ELGA-Anwendung unterstützt Vertragsärzte und Apotheken. Foto: oepb

Ab sofort gibt es einen einfacheren Überblick über die Medikamente eines Patienten. Die neue ELGA-Anwendung unterstützt Vertragsärzte und Apotheken. Foto: oepb

Die e-Medikation ist eine große Erleichterung für die Patientinnen und Patienten in Niederösterreich. All jene, die mehrere Medikamente nehmen müssen, wissen das: Es ist zuweilen recht schwer, die Übersicht zu behalten – und bei der Fülle von Wirkstoffen kann es zu unangenehmen Wechselwirkungen kommen.

Mit Hilfe der e-Medikation haben Ärzteschaft, Spitäler und Apothekenpersonal erstmals im Regelfall alle Medikamente einer Patientin bzw. eines Patienten auf einen Blick. Im Rahmen dieser Teilanwendung der Elektronischen Gesundheitsakte (ELGA) werden ärztlich verordnete und weitere in der Apotheke gekaufte Medikamente für ein Jahr gespeichert und sind jederzeit auch von den Patientinnen und Patienten einsehbar. Start der Umsetzung in Niederösterreich ist in den beiden Bezirken Baden und Mödling. Bis 6. Juni 2019 ist das ganze Land Niederösterreich dabei.

Das ist ein wichtiger Schritt für das Gesundheitssystem und ein Beispiel für die innovative Kraft der Sozialversicherung zum Wohle der Menschen in unserem Land!“, sagt der Obmann der NÖ Gebietskrankenkasse, Gerhard Hutter. „Mit der Bereitstellung von technischen Hilfsmitteln im Hintergrund gelingt es uns, die Patientensicherheit massiv zu stärken und die Gesundheitsdienstleister bei ihrer wichtigen Arbeit zu unterstützen. Über die ELGA-Plattform haben außerdem jede Bürgerin und jeder Bürger die Möglichkeit, die Liste mit den Arzneimitteln selbst einzusehen und zu überprüfen.“

Vermeidung von Wechselwirkungen und Doppelverordnungen

Der Zugangsschlüssel zur e-Medikation ist die e-card: Damit können die Ärztinnen und Ärzte die Liste der ausgegebenen Medikamente einsehen und erhalten so eine bessere Entscheidungsgrundlage für Diagnostik und Therapie. In der e-Medikation werden auch jene Medikamente aufgelistet, die die Patientin bzw. der Patient von einer anderen Ordination verschrieben bekommen oder sich selbst in einer Apotheke besorgt hat. Damit gelingt es in Zukunft, neben Wechselwirkungen auch Doppelverordnungen zu verhindern. Hutter sieht noch einen zusätzlichen Vorteil für ältere Menschen und jene Patientinnen und Patienten, die viele Präparate einnehmen müssen: „Für viele ist es schwierig, sich die Namen aller Arzneien zu merken, die man einnehmen muss. Das wird künftig kein Problem mehr sein. Der Arzt ist immer im Bilde! Das beruhigt die Menschen.“

Beste Gesundheitsversorgung für Menschen in NÖ

Landesrat und Vorsitzender des NÖ Gesundheits- und Sozialfonds Dr. Martin Eichtinger erklärt: „Die E-Medikation ist ein weiteres Leuchtturmprojekt für Niederösterreich im Bereich der Gesundheitsversorgung zum Wohle der Niederösterreichinnen und Niederösterreicher. Unser Ziel ist die beste Gesundheitsversorgung für unsere Landsleute sicherzustellen.“ Auch Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig zeigt sich von der e-Medikation angetan: „Die digitale Erfassung aller Medikamente ist eine tolle Serviceleistung für die Patientinnen und Patienten. Auf einen Blick wissen die beteiligten Ärztinnen bzw. Ärzte und Apothekerinnen bzw. Apotheker, welche anderen Medikamente verordnet worden sind. Doppel- oder Fehlmedikationen können damit kurzerhand verhindert werden. Für die Patientinnen und Patienten, aber auch für das ganze Gesundheitssystem wird dadurch ein großer Mehrwert geschaffen.“, argumentiert Königsberger-Ludwig.

Neben den zahlreichen positiven Aspekten der e-Medikation gibt es für die Ärzteschaft aber auch Punkte, die durchaus noch Verbesserungspotential haben. „Im Zuge der e-Medikation werden künftig zwar grundsätzlich alle verordneten Medikamente in der elektronischen Gesundheitsakte ELGA eingetragen, der Patient hat jedoch die Möglichkeit, einzelne Medikamente nicht eintragen zu lassen. Damit verliert diese sicherlich sinnvolle Initiative leider etwas an Wert. Wenn der behandelnde Arzt die Medikamentenliste nicht vollständig sieht, kann er sich nicht zu 100 Prozent darauf verlassen und muss sie zumindest hinterfragen. Dazu kommt, dass Patienten häufig Medikamente einnehmen, die von früheren Erkrankungen zu Hause vorrätig sind. Auch diese sieht der Arzt in der e-Medikation nicht“, meint Dr. Christoph Reisner, MSc, Präsident der Ärztekammer für NÖ.

e-card in der Apotheke: Auch frei käufliche Arzneien werden berücksichtigt

Bei der Verschreibung ändert sich für die Patientinnen und Patienten nichts. Man erhält ein Rezept, das in Zukunft mit einem Code für die e-Medikation versehen ist. Löst man das Rezept ein, wird das automatisch in der e-Medikation vermerkt. Neu ist, dass Patientinnen und Patienten künftig in der Apotheke die e-card benötigen, damit auch rezeptfreie Medikamente vermerkt werden können. Dabei erhält auch das Personal in der Apotheke Einsicht auf die Medikamentenliste und kann so überprüfen, ob das gewünschte rezeptfreie Arzneimittel Wechselwirkungen auslösen kann. Das passiert öfter, als man denkt.

„Die e-Medikation bringt den Patienten viele Vorteile, da mit Hilfe dieses Instruments die Wahrscheinlichkeit von Wechselwirkungen und Mehrfachverordnungen maßgeblich reduziert wird“, erklärt der Präsident der Apothekerkammer Niederösterreich, Mag. pharm. Peter Gonda.Die Apotheke ist der Ort, wo die Informationen über Verordnungen und gekaufte Medikamente zusammenlaufen. Dieser Gesamtüberblick der eingenommenen Arzneimittel ermöglicht eine umfassende Betreuung der Patienten durch die Apothekerinnen und Apotheker und bringt mehr Arzneimittelsicherheit sowie Kundenzufriedenheit. Nicht gänzlich unerwähnt sollte dabei aber bleiben, dass die e-Medikation einen wesentlichen zeitbestimmenden Faktor in den Apothekenbetrieben darstellen wird, sprich sie wird mehr oder weniger viel Zeit kosten. Daher muss garantiert sein, dass das System auch dahingehend wirklich funktioniert. Hier sehe ich eine große Bringschuld von Seiten der Betreiber.“

Umfassender Überblick über die persönlichen Daten

Bürgerinnen und Bürger können über das ELGA-Portal unter rund um die Uhr alle ihre ELGA-Gesundheitsdaten einsehen. Neben der e-Medikationsliste sind dort auch alle e-Befunde abrufbar. Der sichere Datenzugang erfolgt mit der Bürgerkarte oder der Handysignatur, die in allen 24 Service-Centern der NÖGKK kostenlos erhältlich ist. Jene Menschen, die über keinen Internetzugang verfügen, können sich an die ELGA-Ombudsstelle bei der Patientenanwaltschaft wenden.

Die e-Medikation startet schrittweise in Österreich in Apotheken, niedergelassenen Kassenordinationen und öffentlichen Krankenhäusern. Die Einführung ist in Niederösterreich in folgenden Bezirken zum jeweiligen Zeitpunkt abgeschlossen:

Baden, Mödling – 4. April 2019;

Bruck/Leitha, Gänserndorf, Hollabrunn, Horn, Korneuburg, Mistelbach, Tulln – 25. April 2019;

Amstetten, Gmünd, Krems Stadt und Land, Melk, Waidhofen/Thaya, Waidhofen/Ybbs, Zwettl – 16. Mai 2019;

Lilienfeld, Neunkirchen, Scheibbs, St. Pölten Stadt und Land, Wr. Neustadt Stadt und Land – 6. Juni 2019;

Quelle: Ärztekammer für Niederösterreich  

Lesen Sie mehr über die Ärztekammer NÖ bei uns bitte hier;

www.arztnoe.at

 

 

 

 

 

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