Die verspielte und oftmals ballverliebte AUSTRIA hatte in der Derby-Zeit der 1920er und 1930er Jahre mit Matthias Sindelar einen absoluten Primgeiger in ihren Reihen. RAPID wiederum stand für bodenständiges Handwerk und absolutes Kämpfertum. Die Matthias Sindelar-Statue ist seit 2009 im Austria-Museum in der Generali-Arena zu bewundern. Foto: © oepb

… oder aber, dass es in Österreich ausser AUSTRIA Wien gegen RAPID Wien kein echtes Stadtderby mehr gibt …

Fußball-Derbys sind das Salz in der Suppe, das Schlagobers zur Sacher-Torte, oder aber einfach nur der Spiel-Klassiker jeder Saison, auf den man viele Tage und Wochen hinfiebern kann. Wenn man ein Fußball-Fan ist. Mitmenschen, die dem Phänomen „rundes Leder“ nichts abringen können, schütteln dabei meist nur verständnislos den Kopf. Und dennoch knistert es immer wieder erneut, wenn sich der bestimmte Spieltag nähert, an dem die Klingen gekreuzt werden, an dem sich eine Stadt teilt und an dem man tausend Tode sterben wird, wenn es buchstäblich in die Hosen geht und der ewig junge Rivale schadenfroh und breit grinsend fröhlich von dannen zieht.

In Graz traf der GAK (Grazer AK) von 1902 auf den SK Sturm von 1909 in den Jahren von 1911 bis 2007 sage und schreibe 197mal aufeinander. Der GAK ist im Moment von der Bildfläche verschwunden und nur im Unterhaus anzutreffen. Und in Linz starb das Stadt-Derby bereits anno 1997 mit der Liquidierung des FC Linz (vormals SK VÖEST). Zuvor gab es zwischen dem LASK (Linzer ASK) von 1908 und dem SK VÖEST von 1946 in den Jahren ab 1969 (bis eben 1997) 74 Bruder-Duelle mit beinharten Stahlbädern der Koksler oder aber zahlreichen Schmähungen der Landstraßler.

Bereits am 15. März 1913 fand am WAC-Platz im Prater ein Derby zwischen den Amateuren – spätere AUSTRIA – und RAPID statt. Foto: © oepb

Die Saison 2011/12 mit vier Derbys des FC Blau Weiß Linz (Nachfolgeklub des FC LINZ, gegründet 1997) die in dieser Spielzeit wieder neu aufleben, haben mit jenen Vergleichskämpfen der VÖEST´ler mit den Schwarz-Weißen nicht mehr viel gemeinsam, lediglich große Teile der Anhängerschaft standen früher im Lager des SK VÖEST.

Wie dem auch sei, so verblieb hierzulande lediglich das so genannte „große Wiener Derby“, das vor seinem 320. Duell (Sonntag, 12. Februar 2017, 16.30 Uhr, Ernst Happel-Stadion, Wiener Prater) steht. Tickets bitte hier:

Ein Grund mehr, die genauere Derby-Geschichte dieser beiden österreichischen Traditions-Klubs zu beleuchten.

Gesamtwertung

Die Gesamtwertung führt RAPID an. Von den bisher 319 ausgetragenen Duellen gewann der SCR 131, der FAK 116 und 72mal teilte man kameradschaftlich die Punkte. Interessant dabei ist, dass in den Derbys um die Meisterschaft RAPID die Nase vorne hat, was jedoch den Cup – den Lieblingsbewerb der Austria – betrifft, die Violetten 18 Siege von 31 Duellen für sich verbuchen konnten. Ein völlig anderes Bild bringt die Wiener Stadthalle mit sich. Dort fegten die Violetten in 57 Duellen im Zuge des leider nicht mehr existenten Bandenzaubers die „Greanen“ 32mal förmlich aus der Halle.

Durch die Jahrzehnte

Vor dem Zweiten Weltkrieg (1939 bis 1945) beherrschte Grün mit 45 Siegen in 73 Spielen diesen Vergleichskampf. Nach 1945 holte der FAK auf und führt derzeit mit 94 : 90 Erfolgen. Im einzelnen: in den 1910er Jahren war RAPID mit 15 : 3 Triumpfen dominant und setzte dies in den 1920er Jahren (12 : 7) und 1930er Jahren (13 : 8) stets fort. Auch in den 1940er Jahren blieb die Bilanz mit 7 : 4 noch positiv.

Die 1950er brachte für längere Zeit die letzte Vorherrschaft RAPIDs (14 gewonnene von 22 ausgetragenen Partien) mit sich. In den 1960er (12 : 10) und 1970er Jahren (18 : 9) wandte sich das Blatt komplett zugunsten der Austria. In den 1980er Jahren hatte Violett mit 16 : 15 noch knapp die Nase vorne, ehe Grün-Weiß in den 1990ern erneut mit 13 : 7 erfolgreicher war. In diesem Jahrtausend führt wieder die Austria mit 18 : 17 gewonnenen Wiener Derbys.

Heute holt sich Mutter Natur das von Menschenhand Geschaffene und leider nicht mehr Frequentierte wieder zurück. Der WAC-Platz im September 2009. Foto: © oepb

Serien im Derby

Derartige Serien gab es auf beiden Seiten. RAPID gewann von 1911 bis 1917 sämtliche 11 Duelle am Stück, ehe die Amateure (Vorgängername der Austria) am 11. November 1917 erstmals erfolgreich das Spiel für sich beenden konnten. Im Cup wiederum war die Austria bei Heimspielen 11mal Sieger. RAPID behielt erstmals wieder nach 79 Jahren am 19. September 2010 auswärts in einem Cupspiel die Oberhand – Gegner war jedoch die kleine Austria, die Amateur-Mannschaft. Von 1996 bis 2000 RAPID, als auch von 2001 bis 2005 die Austria, behielten beide Vereine in je 16 aufeinander folgenden Derbys eine weiße Weste.

Zu einem absoluten Highlight für Austrianer in der jüngeren Geschichte avancierte das 298. Derby vom 21. August 2011, … Foto: © oepb

Die Besucher

Ausverkaufte Häuser und Zuschauerströme waren stets zu bemerken, wenn das Derby anstand. Bis heute kamen zirka 5,85 Millionen Besucher, was einen langjährigen Schnitt von etwa 18.343 pro Spiel bedeutet. Von den 1910er in die 1920er Jahre hinein verzehnfachte sich die Zuschauerbilanz auf zirka 500.000. In den Jahren 1945 bis 1954 erlebte das Derby einen bis heute nie wieder erreichten Zuspruch von 45.000 Besuchern im Schnitt. In Summe kamen 12mal mehr als 50.000 Anhänger. 60.000 pilgerten am 1. September 1967 zu einem 3 : 0 RAPIDS, gar 64.000 waren am 1. September 1961 beim 2 : 1-Erfolg der Austria mit von der Partie. Dieses Match zählt in den Annalen auch zum besucherstärksten der Geschichte. Diese Spiele fanden stets mit einer Ausnahme der Hohen Warte (18. November 1981) im Wiener Prater-Stadion (seit 1993 Ernst Happel-Stadion) statt. Weniger als 5.000 Zuschauer wurden 5mal gezählt. Absoluten Negativ-Wert hat ein Derby vom 30. März 1919 mit 2.000 Zeitzeugen.

… denn der FAK demolierte den SCR im Prater-Oval glatt mit 3 : 0. Foto: © oepb

Die Spielorte

123mal war das Wiener Prater-Stadion der Austragungsort. Hier ist zu erwähnen, dass RAPID in dem jahrzehntelang der Austria zuzuzählendem Heim-Stadion mit 52 : 48 gewonnenen Derbys leichte Oberhand besitzt. Im Weststadion zu Hütteldorf (seit 1980 Ing. Gerhard Hanappi-Stadion und seit 2016 wieder Weststadion) weist RAPID eine Bilanz von 23 : 20 Erfolgen auf. Die nicht mehr existente Pfarrwiese war für die Austria der blanke Horror, man gewann dort lediglich 8mal, 25mal hieß der Derby-Sieger RAPID. Umgekehrte Welt zu Wien-Favoriten. Seit 1973 und dem Einzug der Austria auf die Wiener Fußball-Verbands-Anlage in Favoriten, ab 1974 Franz Horr-Stadion (Umbenenung 2011 in Generali-Arena) behielt der FAK 14mal die Oberhand und verlor lediglich 8mal gegen Grün-Weiß. Derbys wurden aber auch am Wacker-Platz in Wien-Meidling, auf der alten Simmeringer Had, am WAC-Platz im Prater, am Amateure-Platz in Ober St. Veit in der Auhofstraße (die beiden Rivalen waren damals lediglich durch den Wien-Fluss getrennt) in der Südstadt, in Wiener Neudorf, in Güssing und im Jänner 1925 kurioserweise auch in Turin ausgetragen. Die Italiener wollten das Flair eines Wiener Derbys schnuppern und luden die beiden Teams zum Duell ein. RAPID gewann das Auswärts-Derby in Italien gegen die Austria mit 1 : 0.

Das 300. Derby wiederum am 18. Februar 2012 war keine Werbung für den Fußball, … Foto: © oepb

Tore, Tore, Tore

Bis heute bauschte sich 1.109 mal das Netz, wobei das Grün-Weiße Maschengewirr aus Sicht der Violetten 510 mal zerknittert wurde, die „Greanen“ wiederum 599 Volltreffer landeten. Zweimal gab es 12 Tore in einem Spiel zu bewundern: am 2. März 1930 blieb der FAK mit 8 : 4 siegreich, am 17. September 1950 revanchierte sich der SCR mit 7 : 5. Grün-Weiß ballerte in 16 Derbys 5 oder mehr Tore, Violett wiederum gelang dies sogar in 19 Vergleichskämpfen. Die höchsten Siege waren: 9 : 0 für RAPID vom 2. Juli 1916, sowie 10 : 1 am 23. August 1942. Die Austria war damals jedoch kriegsbedingt sehr stark dezimiert. Am 11. Oktober 1969 fertigen die Veilchen RAPID im Stadion mit 6 : 0 ab. Im Laufe der Geschichte kamen auch immer wieder torlose Remis vor, in Summe 79 an der Zahl..

Rekordspieler

Der „treue Erich“ – gemeint ist Austria Libero Erich Obermayer – brachte es in 20 Jahren auf 51 gespielte Stadt-Derbys, sein Pendant, der spätere RAPID-Trainer Peter Schöttel trug 48mal die grün-weiße Dress bei einem Derby aktiv am Rasen.

… denn der FAK wollte und der SCR konnte nicht. Fazit: 0 : 0 vor 30.000 Zuschauern. Foto: © oepb
 

Die Trainer

RAPIDS langjähriger Funktionär, Trainer und Tausendsassa Dionys Schönecker blieb in seiner 14jährigern Trainer-Tätigkeit von 1910 bis 1924 bei 28 Derbys 19mal erfolgreich. Auf violetter Seite steht Heinrich „Wudi“ Müller, der in den Jahren 1945 bis 1955, 1965 und 1971 in 23 Duellen 13 : 10 violette Siege verzeichnen konnte.

Und so schließt sich der Kreis des Wiener Derbys, aber nur für den Moment, denn die Geschichte ist Gott Lob noch nicht zu Ende und wird am 12. Februar 2017 um 18.15 Uhr um ein weiteres Kapitel reicher geworden sein …

Quelle: oepb

Absolut empfehlenswert an dieser Stelle ist auch das Buch ALLES DERBY! vom VERLAG DIE WERKSTATT.

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