Die österreichischen Kaiser

kaiserFranz I. mußte aufgrund der politischen Verhältnisse auf die deutsche Kaiserwürde verzichten und begnügte sich mit dem erblichen Titel eines Kaisers von Österreich. Nach dem Sieg über Napoleon und der vorrevolutionären Ordnung in Europa, ebenso nach dem Wiener Kongreß herrschte während seiner Regierungszeit eine politische Friedhofsruhe. Der älteste Sohn des Kaisers litt an Epilepsie, sodaß seine Nachfolge in Frage gestellt war. Kein Geringerer als Fürst Metternich trat aber für seine Bestellung ein, da damit sein eigener politischer Einfluß gesichert war. Aber im März 1848 brach der Sturm los. Metternich floh nach England und der geistesschwache Kaiser mußte abdanken. Sein Neffe Franz Joseph wurde neuer Kaiser. Vielleicht hätte dieser durch den Umbau des Staates in eine Donau-Monarchie das Habsburger Reich noch retten können. Er selbst war von der Würde seines Amtes so angetan, daß er mit einer starken Phantasielosigkeit die schlingernde Monarchie durch alle Fährnisse und weltpolitischen Umbrüche 68 Jahre lang steuerte. Der greise Monarch verstarb am 21. November 1916. Nachfolger Karl I. erbte eine Konkursmasse. Zum Ende des Ersten Weltkrieges krachte das Habsburgerreich in seine Einzelteile auseinander.

Die politischen Verhältnisse zwangen Franz Joseph, Rußland um Kriegshilfe zu bitten. Zar Nikolaus I. mußte nicht zweimal gebeten werden. Er ließ aber keinen Zweifel daran, daß er in dieser Allianz das Sagen haben werde. Das System von Franz Joseph stützte sich auf drei Säulen – die Bürokratie, die katholische Kirche und die Armee. Er richtete daher ein Armee-Kommando ein, das seiner Befehlsgewalt unterstand. Er wollte wie ein Monarch des Mittelalters regieren. 5 Jahre nach seiner Thronbesteigung wurde auf den Kaiser ein Attentat verübt. Der Täter war ein ungarischer Schneidergeselle. Für seine Errettung wurde vor dem Schottentor die Votivkirche errichtet.

Anschließend gab der Kaiser den Auftrag, Wien zur Großstadt zu entwickeln. In dieser Zeit ging seine Mutter Sophie auf Brautschau für den Sohn. Sie wählte Ludovica für ihn aus. Aber Franz Joseph verliebte sich in deren Schwester Elisabeth, die allgemein Sissi genannt wurde. Die Hochzeit fand am 24. April 1854 statt. Die Ehe kriselte. Bei seinen täglichen Spaziergängen lernte er im Schönbrunner Schloßpark Anna Nahovski kennen, die mit einem Eisenbahner verheiratet war. Diese Beziehung dauerte 13 Jahre. Am 28. Juli 1885 wurde ihm eine Tochter geboren. Diese heiratete später den Zwölftoner Alban Berg. Nach dieser Beziehung lernte er die Burgschauspielerin Katharina Schratt kennen. Franz Joseph fühlte sich als Oberhaupt der Familie. Seine Brüder und seine Kinder mußte ihn als Majestät titulieren und in der Öffentlichkeit mit “Sie⊃3; ansprechen. Sein Lebensstil war in einem strengen Zeremoniell verhaftet. Aussenpolitisch folgte die Niederlage bei Königgrätz am 3. Juli 1866. Es kam zu starken innenpolitischen Reformen. Anstelle des Kaiserreiches kam es zu zwei souveränen Reichshälften mit eigenen Regierungen und Parlamenten. Damit trat eine lange Friedenszeit ein. In den langen Zeiten seiner Regierung blieb die Habsburger Monarchie ein Agrarstaat.

Franz Joseph hatte zum Geld überhaupt keine Beziehung. 1879 erfolgte die Gründung der Sozialdemokratie. 1907 wurden die Sozialisten die erste Partei im Reichsrat. Der Hof und die Ministerialbürokratie begegneten den antisemitischen Haßgesängen der Christlich-Sozialen mit Verachtung. Der Wiener Bürgermeister Karl Lueger wurde vom Kaiser erst nach seiner fünften Wahl in seinem Amt bestätigt. Neben den Sozial-Demokraten gewannen die Deutsch-Nationalen unter der Führung von Georg Ritter von Schönerer immer mehr an Bedeutung und ein neuer Antisemitismus feierte fröhliche Urständ. Der Pangermanismus machte auch auf den jungen Adolf Hitler einen bleibenden Eindruck. Tumulte und Handgreiflichkeiten gehörten im Reichsrat zum politischen Alltag. Der Patient Habsburger-Reich lag krank darnieder. Da erhielt der Kaiser die Nachricht vom Tod der Kaiserin. Er sagte tonlos: “Mir bleibt doch nichts erspart auf dieser Welt.⊃3; Trotz dieses schrecklichen Ereignisses blieb er beim täglichen Wühlen in seinen Aktenbergen. Die Zeit aber führte zu einer kulturellen Hochblüte in Wien. Die liberale jüdische Bevölkerung war Träger dieser Entwicklung. Der Baumeister dieser Epoche war Otto Wagner. Auch die Musik erhielt neue Wege. Bei der Literatur brillierte Hermann Bahr. Wien wurde zum Mekka der Medizin. Der Kaiser fand in der Person von Franz Ferdinand einen Thronfolger. Dieser richtete im Belvedere eine Militärkanzlei ein, die sich als Nebenregierung aufspielte. Dem Kaiser blieb aber nichts erspart, es kam zum Attentat von Sarajewo auf den Thronfolger Franz Ferdinand und dessen Gattin. Katharina Schratt machte ihn auf die schlechte Versorgung der Bevölkerung aufmerksam. Er nahm dies jedoch nicht mehr zur Kenntnis. In der Todesstunde wurde der Thronfolger Erzherzog Karl, ein 29jähriger Großneffe Nachfolger für den 86jährigen Langzeit-Kaiser. Es war der spätere Prälat Dr. Ignaz Seipel, der dessen Abdankung vorbereitete. Der Hofzug, der den Kaiser und seine Familie ins Ausland brachte, stand am 23. März 1919 bereit. In der Grenzstation saß an diesem Tag im Zug nach Wien der weltbekannte Schriftsteller Stefan Zweig, der in seinem Roman “Die Welt von gestern⊃3; diese Begegnung festhielt. Am 1. April 1922 hört das Herz des letzten österreichischen Ex-Monarchen zu schlagen auf. Eine Lungenentzündung raffte ihn hinweg.

Das Buch zeichnet sich durch eine besondere Gestaltungskraft aus. Es stellt das persönliche und menschliche Erleben der Handlungsträger in den Vordergrund und zeugt damit, daß sich die Ereignisse bei der Lektüre wie in einem Roman abspielen. Das Menschliche ist das treibende Element in diesen Schilderungen. Und damit ergibt sich eine besondere Art der Darstellung.

Die Österreichischen Kaiser
Franz I., Ferdinand I., Franz Joseph I., Karl I.
Friedrich Weissensteiner
ISBN 3-8000-3913-3
Verlag Carl Ueberreuter GesmbH
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