Das Wunderteam und die Geschichte eines Bildes

Die Wunderknaben des Österreichischen Wunderteams von links nach rechts: Rudolf Hiden (Wiener AC / WAC), Roman Schramseis (SK RAPID Wien), Leopold Hofmann (First VIENNA FC), Josef Blum (VIENNA), Hans Mock (FK Austria Wien), Josef Smistik (RAPID), Georg Braun (WAC), Karl Gall (Austria), Karl Zischek (SC Wacker Wien), Matthias Sindelar (Austria), Adolf Vogl (SK Admira Wien), Friedrich Gschweidl (VIENNA). Mittlere Reihe: Teamchef und Verbands-Kapitän Hugo Meisl (Austria, mit Melone und Mantel), Karl Rainer (VIENNA), Anton Schall (Admira). Davor: Karl Sesta (WAC). Ganz vorne: Team-Kapitän Walter Nausch (Austria).

Die Wunderknaben des Österreichischen Wunderteams von links nach rechts: Rudolf Hiden (Wiener AC / WAC), Roman Schramseis (SK RAPID Wien), Leopold Hofmann (First VIENNA FC), Josef Blum (VIENNA), Hans Mock (FK Austria Wien), Josef Smistik (RAPID), Georg Braun (WAC), Karl Gall (Austria), Karl Zischek (SC Wacker Wien), Matthias Sindelar (Austria), Adolf Vogl (SK Admira Wien), Friedrich Gschweidl (VIENNA). Mittlere Reihe: Teamchef und Verbands-Kapitän Hugo Meisl (Austria, mit Melone und Mantel), Karl Rainer (VIENNA), Anton Schall (Admira). Davor: Karl Sesta (WAC). Ganz vorne: Team-Kapitän Walter Nausch (Austria).

Wer hierzulande Fußball-Kenner und auch Fan ist, dem kam es bestimmt bereits irgendwann einmal in irgendeiner Art und Weise unter … und selbst, wenn man mit der Materie „rundes Leder“ nicht so vertraut scheint, dann kennt man es vermutlich: jenes bekannte Öl-Gemälde nämlich, welches das Österreichische Fußball-Wunderteam der 1930er Jahre zeigt.

Normalerweise hängt ein großes Exemplar davon in den Räumlichkeiten des Österreichischen Fußballbundes im Wiener Ernst Happel-Stadion und auch das Präsidium des Wiener Fußball-Verbandes / WFV verfügte einst über ein Gemälde im Büro in der Fischhofgasse in Wien-Favoriten. Doch wie kam es eigentlich zu dieser Anfertigung, welche Geschichten und Mythen ranken sich um dieses Kunstwerk?

Gemalt wurde es in einem kleinen Atelier im 18. Wiener Gemeindebezirk, in Währing. Genau genommen war es eine Collage, die im Entstehen war, fügte doch der Künstler Fotos der seinerzeitigen Spieler zu einem Ganzen zusammen, legte diese wie ein Puzzle auf den Arbeitstisch und machte sich dann ans Malen heran. Das heute allseits bekannte Gesamtkunstwerk entstand im Frühling 1948, zu einer Zeit also, in der das Wunderteam längst ausgedient hatte und Geschichte war. Das Motiv zeigt die Österreicher beim Einlaufen in das Stamford Bridge Stadion in London im Stadtteil Fulham unmittelbar vor dem Länderkampf gegen England, welcher am 7. Dezember 1932 nach heroisch geführtem Kampf ehrenvoll mit 3 : 4 aus Österreichischer Sicht verloren ging. Für die österreichische Nachkriegszeit von 1948 schien es durchwegs üblich, dass eine Niederlage als Inbegriff des Erfolges gewählt wurde.

Es ist überhaupt ein Phänomen für den österreichischen Fußballsport, dass eine Niederlage – selbst wenn diese nach einem großartigen Kampf erfolgte – im Nachhinein als Triumph verkauft wird. Bekanntlich endete mit dieser 3 : 4-Niederlage in England die ruhmreiche Ära des Österreichischen Fußball Wunderteams der 1930er Jahre.

Dies auf den Tag genau vor 85 Jahren!

Untypisch war das Zusammenspiel der „Anfertiger“. Auftraggeber war Viktor Matejka, kommunistischer Stadtrat der Gemeinde Wien und zuständig für Kultur und Volksbildung. Er verbrachte während des Krieges sechs lange Jahre im Konzentrationslager Dachau bei München zu. Der Maler und Künstler Paul Meissner wurde nur kurze Zeit vor Anfertigen dieser Arbeit nach einem mühsamen Kampf vom bedingten Arbeitsverbot für ehemalige registrierte Nationalsozialisten befreit. Eine Kombination also, die beispielsweise während des Krieges nie hätte funktionieren können.

Und auch das Wunderteam hätte in der NS-Diktatur nie reussieren können. Feldherr und Teamchef Hugo Meisl war Halb-Jude. Matthias Sindelar fand 1939 den Tod im Gas und wurde gerüchteweise ein NS-Opfer. Walter Nausch, der Kapitän, wanderte 1938 mit seiner jüdischen Gattin in die Schweiz aus, genau genommen musste er flüchten. Auf der anderen Seite stand mit Johann Mock ein SA-Mann, der auch brauner „Illegaler“ der ersten Stunden war.

Dies alles war dem Wiener Kulturstadtrat Viktor Matejka somit einerlei, es schien ihm geradezu perfekt. „Es gibt keinen Stillstand in der Geschichte. Neben dem Wiederaufbau stehen Neuaufbau und Entwicklung.“, so ein seinerzeitiges Zitat von ihm. Und so erfreut man sich heute an jenem Werk, das eine ruhmreiche österreichische fußballerische Vergangenheit präsentiert, das aber auch gleichzeitig Motor sein soll, aufzustehen und danach zu trachten, im Fußball wieder in höheren Sphären zu ballestern.

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