Heinz Sobota / Der Minus-Mann

BIaschenbuch Cover Der Minus MannHeinz Sobota wollte im zarten Teenager-Alter von 16 Jahren seinem Vater den Schädel einschlagen. Dieser Umstand löste eine Abwärtsspirale in die Kriminalität aus. Lange Zeit pendelte er zwischen Gefängnis und Rotlichtmilieu.

Dieses Buch ist der schonungslose, Atemverschlagende Lebensbericht eines Mannes, der als Zuhälter und Gewalttäter gelebt hat, der ein exzessiver Trinker und gefürchteter Schläger war, ein Mann, tief gespalten in seiner Beziehung zu Frauen, voller Hass und Selbsthass. Das Buch wurde in einem Zuchthaus in Marseille geschrieben. Es ist ein wichtiges Zeugnis von der Nachtseite unserer Gesellschaft, das unsere Kenntnis vom Menschen bestürzend erweitert. Ein Druckwerk über Gewalt und Gegengewalt. Es gibt höllische Szenen in diesem Buch: brutale, tödliche Schlägereien unter den Zuhältern, die Folterung eines Mädchens – sie wird als Prostituierte abgerichtet – die Vergewaltigung eines jungen Gefangenen durch die Zellenbelegschaft – so nackt, so direkt ist das noch nie beschrieben worden, ohne jedwedes Selbstmitleid, ohne jede Beschönigung und ohne jeden Versuch der Rechtfertigung.

Einen Tatsachenbericht eben!

Heinz Sobota hasst alles und jeden und am allermeisten sich selbst. Emotionslos, ohne Bedauern, aber auch ohne jedes Selbstmitleid, erzählt er von seinen Verbrechen. Er vergewaltigt und domestiziert junge Häftlinge, vermietet sie im Knast, zwingt Frauen brutal in die Prostitution, verkauft ein schrecklich gefoltertes, siebzehnjähriges Mädchen an ein deutsches Puff und erschlägt in München einen Macho-Macker auf offener Straße. Als er einmal in Geldnot gerät, prügelt er für ein paar tausend Schilling, einen ihm völlig Unbekannten auftragsgemäß ins Koma. Dies alles wird so anschaulich, gefühlskalt und realistisch erzählt, dass dem Leser der Atem stockt. Heinz Sobota berichtet aber auch von seiner belasteten Kindheit, dem schwierigen Verhältnis zu den Eltern, seinen gestörten Beziehungen zu Frauen, die er liebt und hasst zugleich. Bereits im Pflichtschulalter begeht er einen Mordversuch an seinem Vater, kurz danach folgt der erste Raubüberfall, das Opfer ist ein Taxilenker. Der junge Sobota kommt in ein Erziehungsheim, später ins Jugendgefängnis. Ab diesem Zeitpunkt taumelt er von einem Knast in den nächsten. Dazwischen liegen Gewalt, hemmungsloser Sex, Alkohol und Frauen, die er alle erbarmungslos auf den Strich schickt. Er weiß um den Irrsinn seiner Existenz, beschreibt sie in tiefen Innenansichten, ist verzweifelt, zwei Selbstmordversuche missglücken. Eine neue Frau erscheint in seinem Leben, sie ist die erste, die er nicht auf den Strich schickt. Er verliebt sich unsterblich, aber auch sie weicht letztlich seiner Brutalität und verlässt ihn. Er geht nach Marseille in Frankreich. Es folgen wieder Unterweltfehden und brutale Zuhälterei. 1978 wird er festgenommen und zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. Im Gefängnis von Marseille schreibt er diesen Roman-Bericht innerhalb von sieben Wochen.

Schockierend, aber auch lesenswert-spannend zugleich ist jener Umstand, dass das Buch, trotz der wahrhaft schrecklichen Ereignisse ein überaus hohes literarisches Niveau besitzt. Es fällt dem Leser schwer zu glauben, dass der Autor, der sich dermaßen gut artikulieren kann und zu diesem sprachlichen Ausdruck fähig ist, 20 Jahre seines Lebens hinter „schwedischen Gardinen“ weggesperrt verbracht hatte. Man denkt sich dabei, welch schriftstellerisches Talent hier achtlos vergeudet und weggeworfen wurde.

Wer also denkt, einen Blick in die tiefsten menschlichen Abgründe und die dunkelsten Schattenseiten unserer Gesellschaft riskieren zu müssen, der möge zu diesem Werk greifen. Allen anderen sei empfohlen, in dieser Lektüre nicht zu schmökern. Es ist nicht jedem Leser vorbehalten, das begonnene Buch auch bis zum Ende zu lesen.

Über den Autor
Heinz Sobota wird 1944 als Sohn eines Bankangestellten im burgenländischen Bad Sauerbrunn geboren. Mit kleineren Diebstählen beginnt er seine kriminelle Karriere und wird zu einer Jugendstrafe verurteilt. Immer wieder gerät er mit der Justiz in Konflikt, versucht seinen Vater umzubringen, wird wegen Raubes verurteilt und in eine Strafanstalt eingewiesen. Im Wiener Milieu ist er als Zuhälter und Gewalttäter bekannt. Sein Roman „Der Minus-Mann“ entstand in sieben Wochen, während seiner Haftzeit in einem Marseiller Gefängnis. Heute lebt er in München.

www.facebook.com/Der-Minus-Mann-225020394176385/

Der Minus-Mann
von Heinz Sobota
Erstauflage: 1. April 1980
Taschenbuch, 448 Seiten, broschürt
ISBN: 978-3-453-01111-3
zum Preis von € 9,30 (Österreich), € 8,99 (Deutschland)
www.heyne.de

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