Bronner-Schenkung an ÖNB

ildtext: Gerhard Bronner mit Marianne Mendt, der Interpretin seines Austropop-Klassikers von 1970 „Wie a Glock’n“. Foto: Österreichische Nationalbibliothek

Gerhard Bronner mit Marianne Mendt, der Interpretin seines Austropop-Klassikers von 1970 „Wie a Glock’n“. Foto: Österreichische Nationalbibliothek

Die Österreichische Nationalbibliothek / ÖNB erhielt den umfangreichen Nachlass des berühmten österreichischen Kabarettisten und Klavier-Virtuosen Gerhard Bronner (* 1922, † 2007). Diese großzügige Schenkung seiner Erben umfasst zahlreiche Texte und Bilder aus seinem Leben und seiner jahrzehntelangen künstlerischen Laufbahn, darunter Materialien zur legendären Radio-Kabarettserie „Guglhupf“ mit Peter Wehle, Kurt Sobotka und Lore Krainer. Die Dokumente sind ein wichtiges Quellenmaterial zur Kulturgeschichte Österreichs nach 1945.

Gerhard Bronner gehört zweifellos zu den Großmeistern der österreichischen Kleinkunst. Geboren 1922 in Wien, musste der Sohn jüdischer Eltern 1938 aus Österreich fliehen. Nach Aufenthalten in der Tschechoslowakei und Palästina kehrte er 1948 nach Wien zurück, wo seine Karriere als Musiker, Komponist und Autor begann. Zahlreiche Auftritte mit Helmut Qualtinger, Lore Krainer, Georg Kreisler, Felix Dvorak, Carl Merz oder Peter Wehle machten ihn berühmt. Neben Arbeiten für Radio und Fernsehen leitete er auch einige Theaterbühnen, von 1979 bis 1988 etwa das Kabarett Fledermaus. Als Gerhard Bronner 2007 starb, wurde er in der alten israelitischen Abteilung des Wiener Zentralfriedhofs neben Arthur Schnitzler und Friedrich Torberg beigesetzt, bei den Trauerfeierlichkeiten sprach unter anderem auch Bundespräsident Dr. Heinz Fischer.

Gerhard Bronner im Jahre 1971. Foto: Österreichische Nationalbibliothek

Gerhard Bronner im Jahre 1971. Foto: Österreichische Nationalbibliothek

Der nun übergebene Nachlass Bronners umfasst insgesamt elf große Kartons mit Texten aus berühmten Fernseh-, Radio- und Bühnen-Produktionen wie „Dampfradio“, „Guglhupf“ und „Das Zeitventil“. Zudem sind Gemeinschaftsarbeiten mit Elfriede Ott, Eva Pilz, Michael Kehlmann und vielen anderen dokumentiert. Nachspüren lässt sich ebenso Bronners Tätigkeit als Bearbeiter internationaler Musicals wie beispielsweise „A Chorus Line“. Ferner bietet der Nachlass Lebensdokumente wie Fotos, aber auch Unterlagen zu der umstrittenen Steueraffäre rund um seine Übersiedlung nach Florida Ende der 1980er-Jahre. Ebenso enthalten sind Musik- und Video-Kassetten, Floppy-Discs und CDs, darunter etwa 150 „Guglhupf“-Aufnahmen aus den 1980er-Jahren.

Die große Beliebtheit Bronners spiegelt sich in zahlreichen Glückwunschschreiben zu seinem 70. Geburtstag – etwa von Rudolf Buchbinder, Heinz Fischer, Martin Flossmann, Robert Jungk, Brigitte Neumeister, Einzi Stolz und Helmut Zilk – wieder.

In den Beständen der Österreichischen Nationalbibliothek befindet sich bereits die Originalhandschrift seines wohl berühmtesten Liedes „Der gschupfte Ferdl“. Dieser 1952 entstandene Klassiker des Kabarettliedes kam 1972 als persönliche Schenkung Gerhard Bronners an die Bibliothek.

Von Beruf? Bronner!“ so ein geflügelter Ausspruch, den er stets gerne bereits zu Lebezeiten zum Besten gab. Er fand ganz einfach ob seiner vielen Tätigkeiten keine genaue Bezeichnung dafür, wie man diese von Berufs wegen umschreiben hätte können. Er war ein Genie, eben auf seine so unverwechselbare Art und einer der ganz großen Österreicher, die nicht in Vergessenheit geraten sollten …

www.onb.ac.at

 

 

 

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