Vor 35 Jahren / Austria Memphis bezwingt stolzes Barcelona

Gerhard Steinkogler (rechts) gegen Jose Ramon Alexanko (Nr. 6) bei einem seiner dynamischen Vorstöße vom Hinspiel in Wien. Foto: privat/oepb

Gerhard Steinkogler (rechts) gegen Jose Ramon Alexanko (Nr. 6) bei einem seiner dynamischen Vorstöße vom Hinspiel in Wien. Foto: privat/oepb

Wer sich bei dieser Überschrift nun verwundert die Augen reibt, dem sei fairerweise gesagt, dass es zwar keinen Sieg, aber zwei Remis in Form von 0 : 0 (in Wien) und 1 : 1 (im Camp-Nou) gab und die Wiener Austria durch die Auswärtstorregel ins Semifinale des Europapokals der Pokalsieger aufgestiegen war.

Am 16. März 2018 jährt sich dieser Husarenritt zum 35. Mal. Und der CF Barcelona war auch ohne Lionel Messi im Jahre 1983 bereits eine Weltklasse-Elf. Damals standen Superstars wie der Deutsche Bernd Schuster, der aufstrebende Argentinier Diego Armando Maradona, sowie die spanischen Nationalspieler Victor Munoz, Jose Ramon Alexanko, Jose Vicente Sanchez, Francisco Jose Carrasco und Enrique Castro Quini, um nur einige zu nennen, in den Reihen der Katalanen. Als Feldherr auf der Betreuerbank agierte der argentinische Weltmeistermacher von 1978, César Luis Menotti, der den Deutschen Meistertrainer Udo Lattek beerbte. Dieser bot seinem Jungstar Maradona die Stirn – und verlor.

Eintrittskarte Hinspiel FK Austria Wien gg. CF Barcelona (0 : 0) vom 2. März 1983. Sammlung: oepb

Eintrittskarte vom Hinspiel FK Austria Wien gg. CF Barcelona (0 : 0) vom 2. März 1983. Sammlung: oepb

Der Trainer-Wechsel in Barcelona fand genau in dieser Zeit der Europapokal-Begegnungen mit der Austria statt.

In der nationalen Meisterschaft verbuchten die Wiener Violetten den zweiten Rang in der Herbst-Saison 1982, mit 23 Zählern aus 15 Spielen (bei der 2-Punkte-Regel für den Sieg) hielt man Tuchfühlung auf den Stadtrivalen RAPID, der lediglich zwei Punkte mehr aufzuweisen hatte. Als Kuriosum galt, dass das Wiener Hinspiel gegen die Iberer am 2. März 1983 stattfinden sollte, just zu einem Zeitpunkt also, an dem die heimische Meisterschaft noch ruhte.

Der erfolgreiche Austria-Coach Wenzel Halama (rechts). Foto: oepb

Der erfolgreiche Austria-Coach Wenzel Halama (rechts). Foto: oepb

So unternahmen die Veilchen in der Wintervorbereitung eine Vielzahl an Testspielen – unter anderem beim AC Cesena (1 : 5), in und beim ZTE Zalaegerzeg (2 : 2), sowie gegen die Ungarische Nationalmannschaft (0 : 4) – um für den großen Gegner gewappnet zu sein.

„Auch Barca kocht nur mit Wasser!“ impfte Austria-Trainer Wenzel Halama vor „dem Spiel des Jahres“ seinen Schützlingen ein.

25.000 Besucher pilgerten am Mittwoch, 2. März 1983 um 19 Uhr ins Wiener Praterstadion und erspähten keinen Diego Maradona, der an Gelbsucht erkrankt war. Ganz im Gegenteil, Barcelona erblühte im Prater nicht. Beide Teams agierten aus einer gesicherten Abwehr heraus. Der pfeilschnelle Austrianer Gerhard Steinkogler konnte zwar Teilerfolge des Tüchtigen für sich verbuchen, das Glück zu einem Torerfolg war jedoch weder ihm, noch dem blutjungen Anton “Toni” Polster an jenem Abend hold. Ins Rampenlicht konnte sich der Winter-Neuzugang aus der Südstadt, Josef “Pepi” Degeorgi, spielen. Friedl Koncilia hielt das Austria-Tor rein, das torlose Unentschieden ward gerecht.

Die beiden Faksimile bestehen aus Artikeln der Kronen-Zeitung, vom KUREIR, sowie den OÖ-Nachrichten vom März 1983. Foto: oepb

Zeitungs-Faksimile vom 17. März 1983. Foto: oepb

„Das Rückspiel zu Barcelona konnte ja heiter werden.“, dachte sich der violette Anhang, umso mehr, da man in der Zwischenzeit in Linz beim Liga-Abstiegskandidaten LASK in der 3. Runde des ÖFB-Cups (zwar erst im Elfmeterschießen, aber doch) mit 1 : 3 ausschied.

„Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen!“, so wird wohl der Leitspruch des FAK-Trosses gewesen sein, der aufbrach, um am Mittwoch, 16. März 1983, einen der wohl größten internationalen Erfolge – nach dem zweimaligen Mitropacup-Sieg 1933 und 1936, sowie der Teilnahme am Cupsieger-Finale 1978 – in der Klubgeschichte von Austria Wien einzufahren. Die Zuschauerzahl von damals schwankt zwischen 40.000 (Kronen-Zeitung, KURIER) und 50.000 (OÖ-Nachrichten). Fakt ist jedoch, dass der zu diesem Zeitpunkt 23jährige Grazer Gerhard “Copa” Steinkogler seine Sternstunde für Violett verbuchen konnte. In der 37. Spielminute, gerade als der Druck der Spanier – mit dem genesenen Diego Maradona – in der Austria-Hälfte unerträglich zu werden drohte, sauste Gerd Steinkogler nach einem Zuckerpass von Felix Gasselich Barcelonas letztem Mann Jose Alexanco auf und davon und vollendete aus spitzem Winkel unhaltbar zum 0 : 1.

Stille im weiten Oval!

Sehen Sie hier bitte dazu das YouTube-Video:

Kurz vor der Halbzeit nahm der düpierte Alexanco grimmige Revanche. Er drückte nach einem gefinkelten Freistoß-Ball Schusters, der mit dermaßen viel Effekt (mit einer „Fettn“ auf gut wienerisch) getreten war, sodass Ernst Baumeister und Friedl Koncilia daneben fuhren, zum 1 : 1-Ausgleich ein.

In der zweiten Halbzeit war es erneut Felix Gasselich, der die größte Chance der  Austria schuf: Doppelpass mit Ernst Baumeister und dieser stürmte ganz alleine auf das von Lorenzo Lemos Amador gehütete Gehäuse zu. Der Ernstl wollte den Keeper überheben, schießt aber schlecht und weit daneben. Neben diesen beiden zog auch ein weiterer Winter-Neuzugang, der Kroate Dzemal Mustedanagic, geschickt die Fäden im violetten Mittelfeld. Die dichte Abwehrreihe der Austria um Erich Obermayer, Robert Sara, Franz Zore und Josef Degeorgi stand felsenfest. Erst gegen Ende des Spiels geriet der violette Aufstieg ein wenig ins Wanken: Maradona lupfte einen Freistoßball an die Querlatte und vergab unmittelbar darauf nach einem Sololauf kläglich.

Glückwunsch-Telex an die Austria zum Aufstieg in die nächste Europacup-Runde von WFV-Verbands-Präsident Gen.-Dir. Othmar Luczensky. Sammlung: oepb

Glückwunsch-Telex an die Austria zum Aufstieg in die nächste Europacup-Runde von WFV-Verbands-Präsident Gen.-Dir. Othmar Luczensky. Sammlung: oepb

Als der DDR-Schiedsrichter Adolf Prokop das Europapokal-Spiel mit dem aus Wiener Sicht erlösenden Schlusspfiff beendete, lagen sich die ganz in weiß gekleideten Wiener Veilchen jubelnd in den Armen. Jeder Austria-Spieler erhielt als Lohn der Arbeit 45.000 Schilling (EUR 3.270,-).

Besagter Gerhard Steinkogler erzielte darüber hinaus in dieser Europacup-Saison bereits am 15. September 1982 ein äußerst sehenswertes Tor. Beim 2 : 0-Hinspiel-Sieg in Wien gegen Panathinaikos Athen hechtete er nach 10 Minuten in eine Flanke und sein wuchtiger Flugkopfball landete scharf und punktgenau in den Maschen der Griechen.

Im Halbfinale zog die Austria wieder Spanien in Form von Real Madrid. In Wien wurden am 6. April 1983 40.000 Zuschauer Zeuge eines sehenswerten 2 : 2-Remis (Toni Polster und Istvan Magyar), 14 Tage später, am 20. April 1983, setzte es im Bernabeu-Stadion vor 75.000 Zeitzeugen ein 1 : 3 (Eigentor Juan Jose), wobei der Sieg durch Juan Gomez Gonzales – kurz Juanito – (71. Minute) und Carlos Alonso Gonzales – kurz Santillana – (83. Minute) erst sehr spät sicher gestellt wurde.

In der heimischen Meisterschaft gab es 1982/83 ein Kopf an Kopf-Rennen bis zum Schluss, bei dem sich die Austria dem ewigen Rivalen RAPID am letzten Spieltag (Austria gegen SC Neusiedl, 8 : 0), RAPID 4 : 0-Sieger in Eisenstadt um lediglich fehlende läppische 5 Tore bei Punktegleichheit geschlagen geben musste.

Foto: oepb

Gerhard “Copa” Steinkogler heute mit einem Dress von damals. Foto: oepb

Dieser Umstand trieb den Austria-Boss Josef “Joschi” Walter dermaßen auf die Palme, dass er den Verein komplett umkrempelte. Im Sommer 1983 wurde der ungarische Superstar Tibor Nyilasi von Ferencvaros Budapest  verpflichtet, ebenso kehrte Herbert “Schneckerl” Prohaska als italienischer Meister von AS Rom zur Austria zurück. Was folgte waren drei gewonnene Meisterschaften in Serie, 1985/86 holte man mit dem Cupsieg sogar das begehrte Double.

Gerhard Steinkogler wurde jedoch – trotz 18 Volltreffer in der Meisterschaft 1982/83 und deren 3 im Europacup – von Josef Walter nach Innsbruck zu Wacker weiter verliehen, im Frühjahr 1984 spielte Copa kurzzeitig für den GAK. Erst im Sommer 1984 kehrte der Steirer wieder zu seiner Austria zurück und blieb den Violetten bis 1986 treu, ehe er im Oktober von Favoriten nach Döbling zur Vienna weitergereicht wurde. Dort gelang ihm bei seinem ersten Antritt am 24. Oktober 1986 gleich ein Treffer beim 3 : 1-Erfolg der Blau-Gelben gegen den SK VÖEST Linz.

Heute gehört Gerhard Steinkogler, und mit ihm Felix Gasselich, Ernst Baumeister, Alfred Drabits, Erich Obermayer, Robert Sara und dergleichen dem Legendenklub der Wiener Austria an. Bei jedem Heimspiel ist er anzutreffen, schreibt nach wie vor freundlich und geduldig Autogramme und ist einem Plauscherl über die „gute, alte Zeit“ nie abgeneigt.

www.austria.wien

www.bundesliga.at

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